– Gott im Genom –

blume

Kaum ist der Ärger über arte verflogen mach 3sats Nano wieder Ärger. Anfangs stieß mir nur ein Satz auf, aber dann schaut man nochmal sorgfältiger in der Mediathek und es findet sich bekrittelswerter Satz nach bekrittelswertem Satz. Und wenn man schon kritisiert, dann kann man ja schlecht die Ohren zu machen – so wird es leider wohl wieder lange. 

Der Beitrag lautet Gott im Genom und wird in der Hauptsache nicht von einem Genetiker, sondern von einem Theologen Religionswissenschaftler Herrn Michael Blume, bestritten. Dieser betreibt einen Blog, wo er übrigens auch Kritik zulässt und darauf zu antworten versucht.

Hier ist der 5-Minutenbeitrag von nano – lt. Webseite sind über 5000 Beiträge online, d.h. diese unterliegen offenbar nicht der Depublizierungspflicht; Applaus dafür.

Es beginnt mit der Behauptung Religion sei ein teurer Luxus, kostet Zeit, Energie, manche opferten gar ihr Leben – also müsse die Religion kompensierende Vorteile haben, sonst hätte sie sich nicht evolutionär durchgesetzt. Dies spreche für eine Verankerung der Relgion tief in der Natur und schon haben wir einen Wust an Gedanken zu bearbeiten.

Erstens ist es ja nun so, dass eine tiefe Verankerung in der Natur dafür spräche, dass sich Religion auch bei Schimpansen und Bonobos finden lässt, unseren nächsten Verwandten – ansonsten wäre es eine denkbar oberflächliche Verankerung der Religion. Tief wäre sie, wenn alle Primaten, vielleicht auch Katzen und Hunde, Eidechsen und Vögel sowie Bananen und Steinpilze … – okay, ich übertreibe, etwas. :)

Aber wenn sie nur beim Menschen vorkommt und nur jüngere Kulturen nachweisbar ist, dann spricht sehr viel für kulturelle Weitergabe, was man ja nicht groß zu erforschen braucht – man sieht ja, dass Religion kulturell weitergegeben wird. Ich habe auch was von einer Art Naturvolk – was den Begriff rechtfertigen soll mal beiseite – gehört, das keine Religion hat, aber kann nichts näheres dazu sagen, halte aber die Ohren gespitzt.

Die kulturelle Informationsverarbeitung hat gegenüber der genetischen den Vorteil, dass sie bewusst steuerbar ist, und dass sie sehr viel schneller evolviert. Blume will aber die Religion in der Natur verankern um dann seinen Lieblingsfehler zu begehen, den naturalistischen Fehlschluss: Weil es Religion in der Evolution geschafft hat muss diese etwas wünschenswertes sein (wie Nationalismus, Kriege, Hundehaltung, …). Erstens kann es in der Natur vieles geben, welches als Nebenwirkung einer guten Sache auftritt ohne selbst gut zu sein – man könnte sagen, dass Krieg für die Menschheit sehr problematisch ist, aber mit Werkzeug und Organisation einhergeht, und diese 2 Entwicklungen hätten auf anderen Gebieten, etwa Nahrungssicherung und Kälteschutz mehr Vorteile gebracht als der Krieg Nachteile.

Zweitens können sich Phänomene entwickeln ohne insgesamt positiv zu sein – es genügt wenn sie neutral sind, dann müssen sie nicht verschwinden – dies adressiert Blume aber mit der Aufzählung von Negativem, was mit Religion einhergeht und erstmal kompensiert werden muss.

Drittens ist aber in der Evolution alles im Fluß. Was sich bis heute erhalten hat, das war in der Vergangenheit vorteilhaft. In der Zukunft und schon heute kann sich vieles überlebt haben. Das gilt insbesondere für den Menschen, der sich die Umwelt an sich anpasst und folglich an diese eigene, künstliche Umwelt sich anpassen muss. Heute ist es wichtiger mit dem Straßenverkehr und dem Finanzamt fertig zu werden als mit Nahrungssuche und Kältetod.

Und gerade in jüngster Zeit sprießt der Atheismus aus allen Löchern – viele haben es noch nicht mitbekommen, aber auch ehemalige Drittweltländer haben wachsende Zahlen an Ungläubigen.

Der Mensch muss keineswegs so bleiben wie die Natur ihn hingeworfen hat sondern kann sich ändern und ändert sich auch laufend. In den 60ern wurde im Westen die Prügelstrafe verpönt und mancherorts hat es sich gar bis in die Religionen hinein rumgesprochen.

Der Beitrag, nicht Blume, sagt: Die Menschen (unterschiedlicher Kulturen) glauben an die verschiedensten Dinge, aber darin, dass sie glauben, sind alle Menschen gleich. En passant werden alle Atheisten aus dem Kreis der Menschen ausgeschlossen. Die Selbstverständlichkeit, mit der das geschieht führt dazu, dass man es leicht überhört. Ist das wieder eine Sendung nur für Religiöse denen das wurscht oder gar recht ist? Denken die nicht an Atheisten oder können es sich nicht vorstellen? Kennen die keine? Wissen sie nichts von deren Existenz?

Kurz darauf dementiert sich der Beitrag selbst. Erklärt wird das Experiment des Psychologen Jesse Bering von der Uni Belfast. Er zeigt Kindern, angeblich teils religiös, teils areligiös erzogen, offenbar Kindergarten bis Grundschulalter, eine Puppenkistenkrokodilsfigur die eine Maus frisst. Wo ist jetzt die Maus? Alle Kinder wissen: tot. Aber die meisten glauben, dass ein Teil der Maus irgendwie weiterlebt. Trara!

  1. Glauben also offenbar nicht alle, dass sie weiterlebt.

  2. Wüsste man gerne, wie atheistisch denn die Erziehung der Kinder war. Wie war der Test genau, was sagten die Kinder konkret? Denkbar ist ja, dass die Eltern die Kinder nicht religiös erzogen haben, aber die Großeltern reinpfuschen, der Kindergarten vielleicht. Dann reden sie mit anderen Kindern und haben zumindest vom Konzept eines Lebens nach dem Tod/einer unsterblichen Seele gehört. Wenn sie dann wittern, dass der Experimentsleiter darauf hinauswill bieten sie das vielleicht als Erklärung an.

Irgendwie sind sie aber da wohl von der Vorstellung beseelt, die kleinen Kinder kommen als 100% naturwüchsige Wesen zur Welt und werden dann nach und nach unnatürlicher und kultureller. Sie kommen schon mit einem religiösen Bewusstsein auf die Welt, nur die Sprache fehlt ihnen noch dieses auszudrücken. Wenn sie dann in einem experimenttauglichen Alter sind kann man die Reste unverstellter Natürlichkeit noch rasch abgreifen, bevor sie zu hässlichen Erwachsenen werden, von Kultur und Zivilisation entstellt. Hier könnte man sich natürlich das Paper besorgen und genau nachlesen, ob es nicht all meine Fragen beantwortet, aber es geht mir ja hauptsächlich um die Präsentation durch 3sat.

Blume triumphiert darauf „Wir werden als transzendente, als intrinsische Theisten geboren & veranlagt“. Natürlich. Mit 6-8 Jahren geboren und machen dann spontan den Übertrag von einem Stoffkrokodil das eine Stoffmaus frisst zu einem natürlichen Krokodil das eine echte Maus frisst, die dann in den Himmel auffährt wo sie sitzet zu Rechten des Vaters. Wie heißt noch gleich die Religion, bei der Tiere eine Seele haben und unsterblich sind? Ein sehr gewagter Schluss, wenn man mich fragt.

Ich habe aber auch noch eine in Wissenschaftskreisen ganz ungeliebte Anekdote zu bieten.. Ich erinnere mich noch wie ich selbst ein Kleinkind war, aber nicht mehr wie alt. Ich war wohl 2 oder 3 und sollte zum ersten Mal ein Gutenachtgebet zelebrieren. Da ich mit meiner Schwester, die ein Jahr älter ist, das Zimmer teilte, schaute ich neugierig, ob sie bei dem Unsinn mitmacht. Ich hatte eine Abneigung dagegen. Eine Pfanne, damit macht man Essen gar, in Schuhe schlüpft man hinein, aber wozu war dieses Holz- oder Bronzekreuz gut? Es war nur überflüssiger Schmuck. Davor soll man sich hinknien und dann damit reden? Mit einem toten Ding? Das mein Vater nicht dabei war machte die Sache doppelt suspekt, aber meine Schwester entpuppte sich als Verräterin. Sie, die sonst immer wusste, wie man heimlich verbotene Dinge macht, die oft die Verbündete gab im Kampf gegen die Erwachsenen, mit Süßes forderte oder späteres zu Bett gehen – die überhaupt so viel wusste und konnte, die machte mit bei der Sache, und kleinlaut machte ich auch mit. Ich war noch sehr unselbständig damals – bin ich heute teils noch – aber mit 2 oder 3 alleine opponieren?

Jedenfalls verspürte ich nichts von dieser angeblichen natürlichen Veranlagung, nicht das geringste, aber lernte jahrelang zu heucheln, den Experimentator hätte ich auch geblufft. Später nagten mich dann Selbstzweifel was ich falsch mache, dass es mit dem Glauben nicht klappt, aber für derlei Vorkommnisse hat man als Religiöser auch manchmal eine Machete, und dann heißt es Glauben oder Rübe ab – das ist nämlich oft die probatere Methode den eigenen Glauben durchzusetzen als sich auf die ungehorsamen Gene zu verlassen!

Heilige Isis!

Dann kommt der Film auf ein Zwillingsexperiment zu sprechen, ohne Details zu nennen. 2 Zwillinge die entfernt voneinander aufgezogen werden (nicht dazugesagt, aber wohl Adoptivkinder) würden später im Leben den gleichen Grad an Religiosität zeigen. Da fragt man sich natürlich wie viele Paare das waren, wie unterschiedlich die Erziehung war, und wie man den Grad der Religiosität misst. Fragt man „Auf einer Skala von 1-3/1-5/0-9 – wo würden Sie sich sehen“?

Daraus (sic!) ergäbe sich, dass Erziehung und Gene je 50% ungefähr zu unserer Religiosität beitragen. Ich würde wetten diese 50% ist eine ausgedachte, erfundene Zahl.

Hier darf ich kurz einschieben, dass wissenschaftliche Studien besagen, dass man die Leserzahl eines Buches mit jeder mathematischen Formel, die darin vorkommt, halbiert. :)

Wie bringt man Gene und Erziehung in eine gemeinsame Skala, so dass man von 50% reden kann? Das erscheint mir wie Zahlenmagie aber ist mir schon häufiger so ähnlich begegnet, auch mit 80% zu 20% u.ä.. Daher hier ein kl. Exkurs.

Nähern wir uns doch mit einer erfreulicheren Sache als Religion der Frage, nämlich mit Fußball. Ein Elfmeter sei zu schießen gegen einen hochklassigen Torwart von konstanter Form und hoher Kondition. Wir betrachten beim Schützen vereinfachend nur Schußhärte und Platzierung.. Das können wir sogar mit einem Automaten objektivieren: die Härte des Schusses kann variieren und die Treffsicherheit in den Winkel oder unten rechts oder links – Tricksen, Täuschen sei außen vor.

Betrachten wir erst die Schusshärte. Statt uns mit sperrigen Newtons und Federwaagen zu beschäftigen nehmen wir einfach die Einschlaggeschwindigkeit. Es leuchtet unmittelbar ein, dass ein Schuss, der so schwach ist, dass der Ball das Tor nicht erreicht, vielleicht gar nicht losrollt, niemals ein Tor wird. Und auch kindlich geschossene Elfer wird ein Klassetorwart alle erreichen, egal wie platziert diese geschossen sind. Die allerschwächsten allerdings lassen sich, da sie das Tor nicht treffen, nicht als platziert bezeichnen.

Ein Automat könnte Bälle von normierter Abschußposition auch immer gleich platziert schießen, oder berechenbar in einer Abweichung vom Ideal mal links, mal rechts, aber immer mehr oder weniger in Nähe des Winkels schießen. Als Statistikfuchs erinnern Sie sich sicher, dass die Bälle bei echten Fußballern normalverteilt um die Idealpunkte liegen werden. In die eine Richtung gehen sie an den Pfosten oder drüber/vorbei, in die andere Richtung lauert der Torwart und bekommt sie umso eher, je weiter sie vom Ideal abweichen. Und je schwächer sie sind.

Und für die Schwäche nehmen wir auch an, dass die Schussstärke normalverteilt sei, was auch einer großen Zahl Fußballern entspräche.

Jetzt kann man in gewissen Grenzen sicher Präzision durch Härte kompensieren und umgekehrt, aber eben nur in engen Grenzen. Zu schwache Bälle bekommt der Torwart immer, und Bälle die direkt auf ihn geschossen sind bekommt er auch immer, auch wenn sie superhart sind – er kann ja nicht weg, und so hart schießen, dass es den Torwart mit ins Tor reißt geht physikalisch nicht, bei handelsüblichen Torwarten.

Aber wie könnte man jetzt sagen, dass für den Torerfolg Härte und Präzision 50:50 verteilt sein müssen? Wieso nicht 80:20, 20:80, 40:60 – was ist der Maßstab? Man könnte die Breite der Intervalle der Gaußkurven nehmen und diese – angenommen sie wären symetrisch – auf Sigma normieren oder alternativ auf die Gesamtbreite des möglichen Intervalls, also etwa 0 km/h bis 200 km/h, und bei der Präzision? 0 bis 3 Meter? Man hätte dann ein willkürliches Maß, aber ein objektives in sofern, als es von jedermann reproduzierbar wäre (außer in England, wo man noch mit Fuß und Yard, Meile und Pint misst, aber das nur am Rande). Aber ist es vernünftig anzunehmen, dass die Austauschbarkeit an jeder Stelle der Kurve 50:50 ist? Dass 1,50m sich mit 100km/h kompensieren lassen und 0,5m mit 33km/h? Ich denke nicht, weil die Kurve m.E. gebogen sein muss.

praezision-schusskraft

Nun gut – vielleicht kann jemand mir 50% Gensequenzen vs. 50% Erziehung erklären. Wie misst man Erziehung? Statt 100 religionsgünstiger Gensequenzen hat Frank nur 50, aber die Eltern geben ihm 4 Stunden Religionsunterweisung pro Woche statt 2 Stunden und können so dessen natürliche Störrigkeit kompensieren?

Und dann kommt Blumes Steckenpferd: Weltweit haben Fromme Religiöse über die Jahrhunderte hinweg mehr Nachwuchs. Da fragt man natürlich erstmal spöttich, wann die Frommen begannen belastbare Dokumentationen über Geburten zu führen, die heute noch zugänglich sind – über hunderte Jahre und wo? In Island, Taiwan, in Mali, dem Nordallgäu? Und was ist geworden aus frommen Griechen, frommen Römern, frommen Germanen usw.?

Gab es anfangs noch nur natürlich Gläubige sind es jetzt doch Abstufungen, und obwohl die Atheisten aussterben (alias: verebben) werden es mehr und immer mehr. Aber diese Arbeit ist eigentlich schon ausgiebig kritisiert. Etwa die Aussage, es habe weltweit keine ungläubige, stabile Population beobachtet werden können, die über Jahrhunderte gehalten habe.

Irgendwie schafft es Blume immer seinen Blick ganz konzentriert auf seine vermutete Antwort auf die Fragestellung zu lenken, und alternative Erklärungen gar nicht zu erwägen. Während die Religion oft mit starker Gruppenbindung und Mischverboten einhergeht sieht der Atheist vielleicht keinen Grund eine hermetische Population zu bilden. Außerdem hat in unseren Breiten der Atheismus erst seit kurzem, in evolutionären Maßstäben gedacht, Bedeutung gewonnen – zudem in den eher fortpflanzungsfaulen, oberen Schichten. Er verbreitet sich offenbar nicht ausschließlich sexuell und ist daher eine der am schnellsten wachsenden Weltanschauungen, während die Frömmler zwar unverhütet rammeln wie die Karnickel, aber die Früchte ihrer Leiber vom Glauben abfallen wie die reifen Pflaumen im Herbst vom Baum.

Der Beitragssprecher gibt dann selbst die Blumsche Aussage wieder: Dass Gläubige ihr Erbgut erfolgreicher weitergeben als Nichtgläubige. Darin liegt ja die Unterstellung, dass der Mensch objektiv den Auftrag hat sein Erbgut weiterzugeben, oder dass jeder Mensch anstrebt sein Erbgut weiterzugeben. Was ist das für eine überkommene Ansicht? Glauben die Gestalter des Beitrags die ganzen Frauen mit weniger als 2 Kindern, was in den meisten westlichen und vielen östlichen Kulturen des Nordens längst der Normalfall ist, sind zu doof mehr Kinder zu kriegen? Oder besteht ihre Erfolglosigkeit darin es gar nicht anzustreben? Aber wem steht es zu den Frauen mehr Kinder zu verordnen – was wissen die Filmemacher, was die Frauen nicht wissen?

Hier wird vermutlich unreflektiert die Großfamilie romantisiert mit großer Kinderschar, alle auf einem Bauernhof mit Ponys und was weiß ich. Vielleicht auch Kriegsphantasien, für die man ja immer Kanonenfutter brauchte. Oder will man zurück zu hygienearmen Zuständen in denen viele der Kinder vor der Geschlechtsreife starben, so dass man da schon mehr Kinder brauchte, um 2 davon durchzukriegen? Von Ökologie, Rohstoffen, Energie ganz zu schweigen! Wo leben die?

blume-augen-zu

Außerdem wird noch ein schönes Zielscheibenexperiment gezeigt, bzw. nachgespielt. Hoffen wir, dass das Alter des Kindes stimmt. Ein Kind soll hinterrücks eine Zielscheibe mit einem Ball treffen, ohne dass der Experimentator zuschaut – er geht raus. Er hat aber eine versteckte Kamera installiert und stellt fest, dass das Kind schummelt und entgegen der Anweisung schaut wohin es wirft.

Wieso es werfen soll – keine Ahnung, was man dem Kind erklärt hat. Dann das gleiche Experiment mit einer Variante: Der Experimentator behauptet auf dem Stuhl im Zimmer säße die unsichtbare Prinzessin Alice, die das Kind beobachtet. Jetzt sei die Zahl der Mogler stark zurückgeganen, und das beweise, dass sich Menschen eher an Regeln halten, wenn sie sich von einer höheren Macht beobachtet fühlen.

Wieso Menschen – wieso nicht Kinder? Und kann es nicht sein, dass die Kinder den Experimentator für einen Vollidioten halten, wenn er von Prinzessin Alice redet, und dann auch denken es sei wurscht, ob man die Zielscheibe trifft? Wieder mal unterlassenes Suchen nach alternativen Erklärungen, fürchte ich – habe aber auch hier das Paper nicht gelesen.

Dann wird gesagt: ‚Glaube stabilisiert Gemeinschaften und ermöglicht so mehr Nachkommen.‘ Das Wort „so“ deutet eine Kausalität an, aber bei Licht besehen wird sie nur behauptet. Wie ’so‘ ermöglichen stabile Gemeinschaften mehr Kinder?

Ein Punkt wird vorgebracht, dem ich zustimmen kann, aber den ich ganz anders bewerte: Es wird gesagt die rel. Rituale wären kostspielig, zeitaufwändig, teils schmerzhaft. Daher signalisierten sie dem anderen, dass derjenige es ernst meint.

Ich würde das ja umgekehrt darstellen: Wenn man ein Opfer gebracht hat das offensicihtlich Humbug war, dann kann man später schlecht zurück. „Der Glaube muss wertvoll sein, sonst wäre ich ja ein Idiot ein Schaf zu opfern/meine Vorhaut/meinen Sonntagsschlaf.“ Und mit solchen Tricks werden die Leichtgläubigen geködert und hinterher sitzt beisammen ein großes Kartell von Heuchlern die alle schon zu viel investiert haben, um noch sagen zu können „welch Mumpitz!“. Aufnahmerituale von Studentengruppen an amerikanischen Unis sollen ähnlich ablaufen, Initiationsriten, Mutproben, Dschungelcamp. Und wenn ich bereit bin mich wie ein Idiot zu verhalten darfst auch Du Dich wie ein Idiot verhalten.

Hier könnte man die Geschichte von der Flußtaufe erzählen, wäre man dem Krokodil entkommen.

Man muss andere gewinnen mitzumachen, weil das entweder beweist, man war gar nicht doof, oder der andere war auch so doof. So oder so unentschieden. Und die Angst doch der Doofe zu sein läßt manch einen zum Säbel greifen – rabb, zabb, Rübe ab!

Das ist die Urform des Schneeballsystemspiels und gehört verboten.

Religion hat sich evolutionär durchgesetzt weil sie nützlich ist – ja, genauso wie Pferdekutschen.

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3 Gedanken zu „Gott im Genom

  1. itna

    Ja, Religion (am besten am Beispiel rkK) ist das wohl erfolgreichste Multi Level Marketingunternehmen ( mit Schneeballeffekt) was es gibt.

    Hut ab!

    Völlig undemokratisch, oben werden Milliarden verdient, strengste Hierarchie, und das cleverste?
    Ein Produkt verkaufen, was es gar nicht gibt.

    In jedem Rechtsstaat dieser Erde gehört diesem Unternehmen der Prozess gemacht, vor allem auch unter dem Gesichtspunkt, dass der Aufbau dieses Unternehmens mittels schierer Gewalt, Mord, Betrug… stattfand.

    Enteignung, Verbot-Rückgabe der geraubten Reichtümer.

    Antwort
  2. Michael Blume

    Hallo Herr Wagner,

    Sie können mich ja gerne unsachlich angreifen – das machen Extremisten ganz verschiedener Seiten -, aber meine Profession sollten Sie dann doch wenigstens (er-)kennen können. Ich habe u.a. ein Buch über den studierten Theologen Charles Darwin geschrieben, bin aber selbst bewusst keiner, sondern habe Religionswissenschaft studiert (und darin promoviert). Wenn Sie den Unterschied nicht kennen… ach, egal… ;-)

    Ihnen alles Gute und viel Freude beim Bloggen. :-)

    Antwort
    1. user unknown Autor

      Danke für die Korrektur, Hr. Blume. Es war keine Absicht, aber wenn Sie den Verdacht hatten, es hätte Absicht sein können, dann liegen sie nicht falsch – das sähe mir durchaus ähnlich.
      Im aktuellen Fall war es aber keine – manche Personen waren eben Theologe, aber man sieht es ihren Forschungen nicht an, und andere sind keine, aber ihre Produkte sehen so aus, als ob.

      Antwort

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