Folterpropaganda auf arte

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Auf arte lief jetzt* (nicht jetzt, sondern 2011, was einen Unterschied macht)** (wie es aussieht 2011 schonmal und jetzt eine Wiederholung) eine Sendung, die Werbung macht für Vorhautamputation. Die Sendung ist das normalerweise harmlose Format Karambolage.

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Dabei ist natürlich festzuhalten, dass nicht nur im Islam Jungen an ihrem Sexualorgan endgültig verstümmelt werden, sondern auch im Judentum, was angesichts der deutschen Empfindlichkeit bei dem Thema zu einer bemerkenswerten Form von Opportunismus führte. Für diejenigen, die fragen wollen „bei welchem Thema?“: Ja, ein berechtigter Einwand. Aber nur genau in dieser absoluten Ungenauigkeit – irgendwie geht es auch um Juden – lässt sich das Tabu einer Kritik akzeptieren, als unbewusster Reflex, der sich v.a. auf die Scham gründet in einer Diskussion zu versagen und irgendwas zu sagen, was man lieber für sich behalten hätte.

Denn rational betrachtet ist es ja so, dass die Behauptung aufgestellt wird, dass eine derartige Amputation am Geschlechtsorgan, bei dem wesentliche Teile unwiderbringlich entfernt werden, in manchen Spielarten der Orthodoxie gar gekrönt von einem möglicherweise infektiösen Kuß oder Nuckeln des Beschneiders am Penis, zum Nachteil eines schutzlosen Kindes, u.U. Babys geschieht und ein Unrecht ist. Das kann ja nicht durch ein anderes Unrecht, das v.a. die Vorfahren heute lebender Bürger verübt haben, an ganz anderen Personen, legitimiert werden.

Über das Unrecht eines anderen, also der jüdischen Eltern, hinwegzusehen als Wiedergutmachung für das Hinwegsehen über die Deportation seiner jüdischen Großeltern oder gar über die Ermordung dieser – das ist ja ein Geschäft der heute lebenden deutschen Nichtjuden mit den Eltern des Opfers zu lasten eines Dritten, der sich gegen diesen Deal nicht wehren kann. An jüdischen Eltern, die die Beschneidung ablehnen geht dieser Deal auch zu 100% vorbei.

Gewöhnlich nennt man diese Form der Geschäfte korrupt und es ist kein Wunder in welchen Parteien die größte Korruptionsdichte dieser Art beobachtbar war.

Jetzt will ich aber nicht zu stark vereinfachen. In den USA und Ägypten gibt es auch christliche Gemeinden, die die Beschneidung praktizieren. In den USA wird Hygiene als Argument angeführt, was bei all den Evolutionsleugnern nicht weiter wundert, alle anderen Menschen müssen sich fragen lassen, wieso wohl die Evolution die Vorhaut bei so vielen Arten dann nicht selbst eliminiert hat. Viel plausibler ist ja, dass die Vorhaut den sensiblen Penis schützt, als dass sich dort gefährliche Bakterien sammeln. Die Lippen am Mund und das Augenlid schneidet auch niemand ab, weil sich dahinter u. darunter Keime ansammeln.

Aber sogar die Gleichberechtigung von Mann und Frau wird von den harmoniesüchtigen Bürokraten unseres Rechtsstaats geopfert mit der Begründung die Beschneidung sei bei Mann & Frau nicht gleich schlimm.

Das stimmt im Mittel aber es gibt keine Gleichberechtigung im Mittel für Mann und Frau. Die Frauen sind – und zwar zu Recht – absolut geschützt vor rituellen Verstümmelungen ihrer inneren Schamlippen, der äußeren Schamlippen, und Teilen der Schamlippen. Es ist absolut verboten und gehört auch bei Jungs absolut verboten – ob 8 Tage alt oder 8 Jahre, ob vom Zauberer beschnitten oder Chirurg, ob mit Absaugen der Wunde (Pfui*) oder ohne. Und jeder einzelne Junge hat ein Anrecht auf seinen intakten Schwanz, nicht im Mittel, sondern jeder einzelne.

Jetzt sind wir mit den Religionen durch und können uns selbstgefällig zurücklehnen – haben die richtigen wieder ihr Fett weg bekommen! Aber die Ärzteschaft steht noch vor der imaginären Tür und hofft nicht reingerufen zu werden –  bis auf Ausnahmen.

Was bei dieser Debatte nämlich unterging, ist, dass Kinderchirurgen leichtfertig die Vorhaut entfernen wenn es zu einer frühkindlichen Verklebung der Vorhaut gekommen ist, einer Phimose, die sich in den meisten Fällen von selbst löst oder mit einer Salbe auf harmlose Weise kuriert werden kann. Ob die Diskussion der religiösen Beschneidung den innermedizinischen Diskurs behindert weiß ich nicht. Was da kaputt ist, weiß ich nicht – aber ein Gesundheitssystem, in dem trotz erwiesener Unwirksamkeit Pharmazeuten durch eine Homöopathieprüfung geschickt werden, wo sie die parawissenschaftlichen Erklärungen der Homöopathieindustrie nachzubeten lernen, in einem solchen System ist offenbar vieles möglich, wenn die entsprechende Lobby Stimmung macht.

*Das Jetzt

Die Aussage, der Film sei jetzt auf arte gelaufen geht zurück auf eine Meldung beim HPD, wo es hieß er sei nun auf Arte gelaufen. Also schaute ich ihn mir in der Mediathek an und schritt gleich zum Kommentar. Dann kommentierte ich noch bei arte selbst und wollte die zensierte Version des Videos noch sehen und stolperte dabei irgendwie über das Datum Nov. 2011, welches vor den großen Debatten liegt und damit ein anderes Licht auf den Beitrag wirft – heute ist es leichter informiert zu sein, behaupte ich.

**Zweites Update: Ich wurde korrigiert. Es gab letzte Woche eine Sendung, offenbar die Wiederholung von 2011 und auf Kika lief es auch schon.

***Das Pfui:

Man kann natürlich darauf verweisen, dass alle die, die das Ritual nicht kennen, das Pimmelschnuckeln des Rabbis aufgrund eines kulturellen Bias eklig finden, und das ist auch nicht falsch. Es gibt aber Tendenzen über die einzelne Kultur hinaus, die sich übergreifend zeigen lassen und so eine objektive Tendenz der Kultur zu zeigen scheinen.

Im Mittelalter fuhr man noch ganze Tiere, Schweine, Rinder, Fasanen auf, wenn groß gespeist wurde. Das Fleisch wurde am Tisch aufgeteilt und man schob sich grobe Keulen zwischen die Zähne, die Faust um die Knochen. Heute sind fast alle Speisen so zerteilt dass man an das lebende Tier nicht erinnert wird. Der Kopf wird quasi gar nicht mehr serviert, der Hoden nur im Dschungelcamp. Das Tranchiermesser bleibt in der Küche und kommt nicht ins Speisezimmer, wenn man sich da eine Trennung leisten kann.

Die Fernöstliche Küche ist da noch einen Stück weiter. Das Messer selbst ist bei Tisch schon tabu. Das Messer arbeitet vor dem Garen, und gegessen werden nur noch mundgerechte Häppchen, teils wie beim Sushi kunstvoll in eine ganz verfremdende, artifizielle Form gebracht. Man kann das als Heuchelei betrachten, und vielleicht ist es auch eine Art ritueller Grenzverletzung wenn man im richtigen Setting dann doch die Ekligkeiten anpackt, von der Schweinskopfsülze zur Gänsestopfleber, den Froschschenkeln zu was weiß ich.

Das Nuckeln am Pimmel würde man wohl als bizarres Ritual durchgehen lassen, wenn eine Untersuchung des Nucklers so kurz zuvor wie möglich nötig wäre, verbunden mit einer Haftung desjenigen, und vor allem wenn man vorher das nervendurchzogene Vorhautgewebe nicht abschnitte.

P.S.: Die Gedanken zur Esskultur sind sehr frei übernommen von Norbert Elias, Der Prozess der Zivilisation, ich hoffe im Wesentlichen richtig und empfehle das Buch.

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