– Critical Mass Berlin, 5/16 – 

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Heute, wie jeden letzten Freitag im Monat (vielleicht auch in Ihrer Stadt) war wieder ein Critica-Mass-Fahrradkorso.

Eine kritische Masse bezeichnet im Atombomben- oder -kraftwerksbau den Zustand, bei dem die Teilchen so eng gepackt sind, dass es zu einer Kettenreaktion kommt. Die Idee ist wohl, dass mehr Radfahrer auf den Straßen zu mehr Rücksicht auf Radler führt, zu mehr Radwegen und Fahrradstellplätzen, was wieder zu mehr Radlern führt, bis die Zahl der Radler irgendwann explodiert oder mehr Energie freisetzt als man reinsteckt – was immer damit gemeint sein könnte.

Wo diese kritische Masse wofür genau liegen soll, soll man vielleicht nicht fragen, vielleicht wäre das Gemeinte mit Rückkopplung, Feedbackschleife oder positivem Teufelskreis besser beschrieben. Die Forderungen der Radfahrer sind mannigfach und nicht allem kann ich mich anschließen, dafür sehe ich manche meiner Anliegen, die allerdings Anliegen des sportlich-schnellen Radfahrers sind, nicht auf dem Programm.

Exemplarisch sei hier genannt die vollständige Abschaffung von Kopfsteinpflaster, außer zw. Paris und Rubaix sowie Lüttich-Bastogne-Lüttich.

Als zweites die Auflösung der Radwegbenutzungspflichten weit vor Ampeln und Kreuzungen, so dass man sich frühzeitig links einordnen kann, so dass man das dann tun kann, wenn von hinten kein Autopulk anrauscht, den man damit herausfordert, aber auch ohne dass man als Linksabbieger 2x an der Ampel steht, weil man erst rechts bleibt und geradeaus über die Ampel muss, wo man dann wie verloren auf der Kreuzung steht, und sich StVOwidrig an der Fußgängerampel orientieren muss.

Fast wäre es in den ca. 5 Minuten, in denen der Korso an mir mit knapp 20km/h vorbeibummelte (später kam es dann zu Stauungen und zähfließendem Verkehr, so dass es kaum je über 15km/h waren) zu einem Unfall mit einer unverpulkten Radfahrerin gekommen, die nicht abwarten wollte, bis der Tross vorbei ist, und eine scheinbar günstige Gelegenheit (aka Lücke) ergriff, um zu kreuzen, einen auf der Außenbahn anrauschenden Schnellradler übersehend, der voll in die Bremse greifen musste; symptomatisch dafür, dass die häufigste, wenn auch nicht schwerste Bedrohung (LKW, Busse) für Radler der andere Radler ist (Geisterfahrer, Nichtumschauer, Handzeichenverweigerer, Bürgersteig- und Fußgängerüberwegsrowdies, …).

 

 – Bischof Ackermann fordert ein Symbol

der Wurzeln unserer Kultur

in den Gerichten aufzuhängen – 

wurzelurteil

Die Wurzel des Christentums ist ja das Judentum, das Recht hat mehr griechisch-römische Wurzeln, die Grundrechte haben antireligiöse, aufklärerische Wurzeln und das Germanentum wurzelt im dt. Wald. Dem Wildwuchs am gerechtesten wird hier als Symbol natürlich die Wurzel selbst.

  – kleine Enttäuschungen – 

Gestern Nacht reservierte ich noch euphorisch für das Malina Moye Konzert. Heute war ich da, aber Malina nicht. Wg. etwas mit ihrem Fuß, vielleicht vorgestern im Quasimodo geholt, musste sie kurzfristig absagen.

Nachmittags war ich noch im Klunkerkranich, einem mir bis dahin unbekannten Dachterassencafe in einem Einkaufszentrum Neuköllns mit tollen Ausblick zu einem Berlin-Sketch-Together-Meetup, bei dem ich meinen Karneval-der-Ulkuhren-Cartoon vorantrieb, ein Ohr immer an der Bundesliga, in der Berlin den konstanten Abfall nach der Winterpause nicht aufhalten konnte. Zuvor hatte mich bereits der FCK enttäuscht, der sich früh aus dem Aufstiegsrennen verabschiedete, und auch mein alter Heimatverein in der 4. Liga, SVE-Trier  05: Zum Jahreswechsel noch auf einem aufstiegsgeneigten Platz unter den ersten beiden der Tabelle, tolle Auswärtsbilanz und einige Spiele noch gedreht, die ich qua Videotext verfolgt hatte. Dann mit einem Nachholspiel im Köcher auf Platz 3 gefallen, aber rechnerisch war noch alles möglich. Dieses dann auch nicht gewonnen und schließlich auf Platz 5 abgerutscht mit großer Lücke zur Spitze.

Dass die Bremer drin bleiben, immerhin etwas. Trotz Sympathie für das magische Trio (Balakov, Bobic, Elber) ist mir der VfB nicht ans Herz gewachsen – Herz wie Herzog-Basler-Rehagel – Basler übrigens kurzfristig zwischendurch Trainer in Trier, kam ins Gerede weil er selbst Sportwetten spielte, hat aber immer nur auf seine Mannschaft gesetzt, sagt er. Nun – wir lieben die Fußballer nicht dafür, dass sie die besseren Pfaffen wären.

Zurück zum Zig-Zag-Jazzclub. Also reserviert hatte ich, und die haben ein etwas merkwürdiges System. Sie hatten zwei Konzerte, heute (gestern), eins um 18:00 und eins um 21:15 Uhr. Für letzteres konnte man reservieren, entweder für 21:00 Uhr, für 20:45, für 20:30 und 20:15. Das 18:00-Uhrkonzert war Eintritt frei. Ist man nicht rechtzeitig da, verfällt die Reservierung. Ich konnte noch 21:00 Uhr reservieren und war noch nie da. Wahrscheinlich kommen zu viele Leute nicht, aber wenn sie Leute ohne Reservierung zu lange warten lassen, gehen die auch. Also vergeben sie die ersten Plätze kurz vor Beginn, und je höher der Andrang bei Vorbestellungen, desto früher muss man kommen. Aber wenn die Spätreservierer, die zeitig kommen müssen, nicht kommen, dann können sie noch einige Plätze so vergeben. Lt. Homepage findet man aber immer einen Stehplatz.

Viertel vor war ich da, 7 Leute vor mir standen lose vorm Eingang und ein Einlasser mit Stehtisch, Stempel und Kasse. 2 Gäste zahlten gerade und gingen rein. Ich schaute die anderen an, ob sie auch reinwollten oder vielleicht nur zum Rauchen dastanden oder was, eine Schlange war das nicht, aber der Mann vom Club hob zu einer Erklärung an.

Der geplante Act fände so nicht statt, Malina habe krankheitsbedingt abgesagt. Sie hätten aber Ersatz aufgetrieben, Bass/Voc. wäre der und der, Gitarre soundso – mir war kein Name geläufig, aber das heißt nicht viel. Jeder der Musiker hätte schon mit Gr0ßen, deren Namen selbst mir was sagten, gespielt. Ob Teile der Band jetzt zu Frau Moyes Band gehörten weiß ich leider nicht. Mal dachte ich der Bassist und Sänger, mal alle außer ihm.

Okay. Ich war nun schon mal da. 20 Euro auch eine Summe, die man verschmerzen kann. Dass das Genre (Soul, Funk, Blues, Rock) das gleiche sei war mir wichtig. Regen drohte, und machte einen weiteren Abend auf dem Karneval d. Kulturen nicht so attraktiv.

Da tauchten noch 2 Gäste auf, 2 Frauen im frühen Seniorenalter und eine davon quatschte ihm mitten in den Satz hinein, sie hätte nur eine kurze Frage; bevor sie auch nur 2 Sekunden untätig dagestanden hat. Ich wies sie zurecht, wir hätten auch alle nur eine kurze Frage, ob sie ihn nicht ausreden lassen wolle. Ja, sie hätte nur eine kurze Frage, ob noch Tickets …, was das für eine Frechheit von mir sei, so sei sie noch nie belehrt worden – ja leider, denke ich mir. Und will sich aufplustern und ihr Weltleid loswerden, aber ich fahre ihr nochmal dazwischen, dass ich dem Herrn vom Club lieber weiter zuhören möchte, worauf sie ihre stumme Kumpanin fragt, ob sie sich das bieten lassen solle, und dann mit dieser abzieht.

Beim Clubmann entschuldigte ich mich dann nach dem Ticketkauf, dass ich ihm zwei Kundinnen vergrault habe, aber er ging nicht darauf ein.

Der Club selbst ist im Erdgeschoss eines Wohnhauses gelegen, was mich fragen lässt, wie das geht. Außerdem ist er recht klein. Stehend würden wohl 150 Leute rein passen, aber da viele Stühle, Tische, sogar Sessel und Sofas drinstehen vielleicht 80. Es wurde ziemlich voll, aber ein paar Sitzplätze waren noch zu kriegen. Wie sich das rechnen kann, frage ich mich auch.

Die Namen der Musiker weiß ich leider nicht. Der Bassist war zugleich Sänger. Der Gesang war gut, aber keine außergewöhnliche Stimme und auch am Bass machte er wenig furioses zu Beginn. Beim 5. oder 6. Stück, Sympathy for the devil, zeigte er dann aber doch, dass er was drauf hat und nach der Pause bei 2, 3 weiteren Stücken.

Auch der Trommler blieb weite Strecken eher im Hintergrund. Dagegen hatte der Pianist mehrere Soli. Sein E-Keyboard war auf dem Flügel postiert, aber diesen rührte er nicht an, gehört wohl zum Inventar und diente als Ablage, was mich fragen lässt, ob er immer in so hoher Position spielt und ob eine niedrigere Stellung nicht besser zu spielen wäre.

Aber der Gitarrist war von Anfang bis Ende vom Feinsten, ein Virtuose mit vielen Soli, irre schnell und mit charakteristischen Sounds. Meine Videoaufzeichnungen sind leider nicht gut geworden, die Musik stolpert manchmal in der Aufzeichnung um dann ganz aufzuhören. Davon ab müsste ich sicher GEMA-Gebühren abdrücken und die Erlaubnis einholen, einmal von den Interpreten und dann noch mal von den Komponisten.

Im Repertoire waren Hey Jude, Billy Jean (angekündigt als Song der 90er von einem Herrn Markus u. e. Herrn Bohlen), Sweet home Alabama, darein hineingemixt aber ein Rap mit gleichen Harmonien (Run DMC?), Stand by me mit einer Beimischung aus Every breath you take, ein rein instrumentales Stück, Purple Rain, Hey Joe (Jimmy Hendrix), Play that funky music (?) und Stay on the scene (?) sowie vielleicht noch 2, 3 weitere, die ich nicht notiert habe.

Insgesamt eine knapp 2stündige Show, gut bis sehr gut gespielt, bis auf Prince auch sehr mein Geschmack, aber in dem kleinen Zimmer, Saal kann man kaum sagen, auch irgendwie verschenkt. 70 Besucher können auch nur begrenzt Stimmung machen. Und auch bemerkenswert, dass doch über die Hälfte der Zuchauer im Alter weißer Haare war, mich selbst gar nicht mitgerechnet.

Den Ort werde ich dennoch in Zukunft öfter aufsuchen, und Malina Moye hoffentlich auch noch mal Gelegenheit finden, zu hören.