– Plattenhart – 

cimg2774

Meine Mobilität ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Das Schicksal meint es nicht gut mit mir. Mir geht es schlecht wie Peru. Außerdem habe ich einen Jahresrekord an Zu-Fuß-Geh-Leistung absolviert. 400m zum Fahrradladen und 400 zurück, dann 500 zum Supermarkt und vice versa.

Ich habe nämlich kein Sprudelgas mehr, außerdem wollte ich eine Ebay-Kleinanzeigenware abholen, zur Bank, meine Gleitsichtbrille abholen und eventuell zur Post. Stattdessen beim Losfahren Plattfuß, nachdem ich gerade erst das Hinterrad aufgepumpt hatte.

Jetzt bin ich ein geübter Kombinierer und versuche Besorgungen, wie wohl fast jeder, zu kombinieren. CO2, Bank und Optiker lassen sich etwa mit 1x Fahrrad anschließen kombinieren.

Stattdessen erst mal wieder rauf in die Wohnung. Hatte ich das Ventil nicht richtig verschlossen? Nochmal aufgepumpt. Pffffft. Nein, irgendwo entweicht da was, mutmaßlich Luft. Auf ein Wunder hoffend eine Dose Pannenspray in den Schlauch vergeudet. Es brubbelt v.a. vor dem Ventil raus, auf das PVC im Flur. Mist. Die Ebay-Kleinanzeige angerufen, dass ich entweder deutlich später oder morgen komme.

Jetzt die zweite Kombination: Hinten fehlt nämlich schon eine Speiche. Jetzt bin ich 2-3 Monate mit einer Speiche zu wenig gefahren und wollte das Problem lösen, wenn ich eh wieder hinten Mantel und Schlauch runter nehmen muss. Jetzt ist es soweit. Also 10 Minuten später, nachdem ich mit dem Plattenbesteck den Mantel endlich ab hatte. Plattenhart. Handwerklich bin ich mehr verbissen als geschickt.

Jetzt sitzt hinten jede 2. Speiche auf der Seite mit der Zahnkranzkassette. Die anderen gegenüber. Gegenüber kann man die Speichen gut einfädeln. Natürlich ist nicht eine von gegenüber gerissen. Und ob man an der Kassette vorbei eine Speiche einfädeln kann, ohne diese zu demontieren, ist noch fraglich.

Dummerweise ist auch noch der Himmel ausgerechnet jetzt so zugezogen, dass man sich ans offene Fenster stellen muss, um halbwegs was zu sehen – dazu ohne Gleitsichtbrille. Und da steckt noch der Rest der alten Speiche! Es kommt nicht raus. Clever greife ich zu einem Magneten, und der Stummel bewegt sich auch, aber erheblich ist das nicht. Auch da mit den Händen zwischen den Speichen – wie man auch reingreift, man kommt nicht richtig ran.

Feinmechanikerzange, so eine mit spitz zulaufenden Schenkeln, geholt. Komm ich auch nicht mit ran. Überall diese doofen Speichen! Man könnte natürlich versuchen die 3, 5 oder 7 Nachbarspeichen alle zu lösen, um besser ranzukommen. Kam ich in dem Moment nicht drauf und gebracht hätte es wahrscheinlich eh nichts. Bevor ich ewig rumfummle lieber gleich zum Fahrradladen. Um die Kassette zu demontieren braucht man ein Spezialwerkzeug das ich eh nicht habe. Vielleicht halten sich die Kosten in Grenzen.

Draußen dann kommt zum Hohn die Sonne raus und zwingt mich zum Foto. Das ist so trostlos, zu Fuß zu gehen mit dem kranken Rad in der Hand!

Ja, muss man die Kassette demontieren, das Felgenband gefällt dem Meister über teures Equipment auch nicht mehr, und ja, am Ende muss man das Rad ausrichten, auch mit einem Spezialwerkzeug an dem mittelalterliche Folterknechte ihr Vergnügen hätten.

Kann man Räder nicht so bauen, dass man sie mit Hausmitteln reparieren kann? Das ist alles eine schlimme Mafia! Und mal schnell zwischendurch geht auch nicht. Bis morgen mittag, zwischen Brasilien (14:00) und Nigeria (17:00) bin ich meiner Mobilität beraubt. Ein schnöder Pedestrian. Eine lahme Schnecke mit dem Aktionsradius eines Plattenhardts.

Nigeria werde ich wohl morgen opfern müssen. Und 17,50 für den Spaß. Bis dahin Hausarrest. Peru verliert zum zweiten Mal. Einer der schlechtesten Tage 2018s bislang.

Advertisements

 – Sketching in Treptower Park – 

sketch-treptower-park-2018

Geplant war Treptower Park, aber wegen wackliger Wetterlage verlegt in die Sonntagsstraße, erst ins BBB die aber um 18:00 Uhr schlossen, dann im Frauenzimmer.

Vom BBB kann ich das Walnussbrownie sehr empfehlen. Der Espresso war zwar von der Farbe in Ordnung, tief schwarz, aber für meinen Geschmack zu säuerlich.

Im Frauenzimmer schmeckte der Espresso besser. Weiteren Süßkram begutachtete ich nur optisch beim Gehen. Ein sehr appetitlich aussehender Quader hätte mich interessiert und wirkte schokoladig, aber die Beschriftung „aus keimenden Bohnen“ versöhnte mich mit der verpassten Chance.

Andernorts habe ich mit veganem Gebäck geschmacksmäßig eigentlich keine schlechten Erfahrungen gemacht, aber solche Läden erheben für das sakrale Gefühl moralisch einwandfrei zu schlemmen eine Koschergebühr nicht von schlechten Eltern – 3,60 € hätte das Experiment gekostet, andernorts bekommt man dafür ein halbes Grillhähnchen mit Pommes und Majo.

Zum Kaffee gibt es auch braunen Zucker, als ob das eine Errungenschaft wäre. Mein Vorurteil, dass das nicht schmeckt, konnte ich aber widerlegen. Sonst hätte ich in Zukunft immer kleine Tütchen raffinierten Zucker dabei. Man muss ja nicht überall Stunk machen, aber könnte als subversive Botschaft die leeren Tütchen hinterlassen. Fast ein wenig schade, dass ich keinen guten Grund dafür habe.

Außerdem ist festzuhalten, dass ich mir einen Klapphocker bei ebay-Kleinanzeigen angeschafft habe, der seiner Einweihung jetzt weiter entgegenschaut.

Kreuzpflicht in Bayern

bayerisches-kulturkreuz-0

Da ein simples Kreuz allein nicht Deutsch genug ist sondern ebensogut in italienischen, spanischen, philippinischen Behörden oder in einem Amt in Ruanda hängen könnte ist bei der jetzt verpflichteten Dekoration bayerischer, öffentlicher Gebäude nicht einfach ein Kreuz zu verwenden, sondern ein bayerisches Kulturkreuz.

Die Grünen konnten sich mit dem gendergerechten Vorschlag, alternativ statt Jesus eine Jessica in pinkem Dirndl aufhängen zu dürfen, nicht durchsetzen.

 – Implicit exceptions – 

keynote

Martin Odersky (Abb. ähnlich), Erfinder der Programmiersprache Scala, sprach heute zum dräuenden Scala-3 (2020) am Rande der Scaladays, wo er auch sprach, im SAP Innovation Center Network, in der Nähe des Hackeschen Markts.

Einen inhaltlich sehr ähnlichen Vortrag habe ich schon im Netz gesehen. Als Herr Odersky den Saal betrat war er mir aus verschiedenen Vorträgen, die ich im Netz gesehen habe, so vertraut, dass ich ihm zunickte wie einem alten Bekannten, weil sich mein Hirn weigerte zur Kenntnis zu nehmen, dass er mich überhaupt nicht kennt. Ein merkwürdiger Reflex, offenbar nicht an moderne Medien adaptiert.

Ein anderer, moderner Reflex findet sich bei Innenarchitekten. Im Untergeschoß der SAP-Lounge, die mehr ein Restaurant/Cafe mit großem Präsentationsbildschirm ist, finden sich Räumlichkeiten um sich zu erfrischen und die Nase zu pudern, darin 3 Riesenwaschbecken, groß genug um darin Drillinge zu baden, also 9 Stück synchron.  Der eigentliche Zweck scheint mir nur zu sein, aus der Rolle zu fallen. Was soll man  mit solch riesigen Waschbecken? Optisch sehr ansprechend, aber nur wenig nützlicher als ein Flughafen, der nicht fertig wird.

cimg2583

cimg2584

Hinterhof, Rosenthaler Str. 38

Die Lage ist ausgezeichnet zwischen Gebäuden in Fabrikbackstein, Altbauten mit Efeu, aber 5, 6 Stockwerke hoch, dazwischen Neubauten oder frisch saniertes.

cimg2587

cimg2592

Gib eine Beschriftung ein

Auf dem Rückweg wollte ich eigentlich nur einen Abstecher zum Karneval der Kulturen machen, der heute beginnt, aber in Mitte landete ich unversehens bei dem Hotel, in dem offenbar der FC-Bayern zum Pokalfinale abgestiegen ist – stimmt, Samstag ist Endspiel.

cimg2593

Gib eine Beschriftung ein

Ich hätte allerdings keinen Autogrammwunsch gehabt, selbst wenn ich einem Spieler über den Weg gelaufen wäre. Ein großer Menschenauflauf war auch nicht zu verzeichnen – entweder die Berliner sind zu cool oder schlecht informiert, oder das große Einchecken war schon etwas her und die Massen hatten sich schon verlaufen.

cimg2594cimg2595

Stattdessen fuhr ich weiter zum Blücherplatz um die Latino- und die Afrobühne zu belauschen, das Gelände mit anderen Trommelgruppen zu durchstreifen und ein paar scharfe Kulturhäppchen zu essen, der Völkerverständigung wegen.