– Der Essayfilm (So.) –

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Trotz mehrfacher Kontrolle, dass die Striche da sitzen, wo ich eine Kontur sehe, ist das Bild Herrn Theweleit nicht sehr ähnlich geworden. Die Distanz war aber auch ziemlich. Ich denke der Kopf ist aber auch aus dieser Perspektive einfach breiter.

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Besucherin I

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Besucherin II

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Panel. Die Personen saßen auf einer Linie und mit größerem horizontalen Abstand zueinander, aber dann wäre das Blatt weitgehend weiß geblieben und ich hätte die Redner noch kleiner zeichnen müssen. Wer ist hier wer? Die zweite von links müsste Cecilia Valenti (Medienwissenschaftlerin) sein. Die anderen drei, in geratener Reihenfolge: Michael Temple (The Essay Film Festival, London), Ben Gibson (DFFB) und Ralph Eue. Graphit.

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Kathrin Becker (Leiterin des n.b.k. Video-Forum) und Hulda Rós Guðnadóttir (Medienkünstlerin)

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Klaus Theweleit, frontal, auch nicht sehr viel besser getroffen.

Die Stones habe ich schon gesehen, Deep Purple und Carlos Santana und nun auch Klaus Theweleit, live und in Farbe. Um nicht wie der Ochse vorm Berg zu stehen war ich brav auch Freitag und Samstags da, besuchte alle Vorträge und Filme im fsk und nicht wie die Rosinenpicker, die nur zu Theweleits Vortrag kamen die Sonntagabendvorlesung – da war die Bude aber auch richtig voll – nicht so gerappelt wie damals, als Peter Sloterdijk in der Denkerei war oder als ein US-Soldat über Drohneneinsätze sprach und eine Einleitung von Sarah Wagenknecht gehalten wurde, aber es war kein Sitzplatz mehr frei – die anderen Vorstellungen waren aber auch zu 60-80% gefüllt, also ganz so krass war der Unterschied auch nicht.

Eine der Pausen nutzte ich um mir eine Widmung in eins seiner Bücher schreiben zu lassen – eine Unsitte die ich eigentlich verurteile, da doch nur der Inhalt zählt und Holzsplitter vom Kreuze Jesu oder der heilige Rock zu Trier – und die Belästigung des Idols, die nützlicheres zu Papier bringen könnte, in der Zeit. Aber ohne eine triftige Ausrede zu finden sagte mein Kopf zu meiner Vernunft, dass wir zwei kl. Bücher mitnehmen und signieren lassen und so geschah es. KT bemerkte, dass er sowas eigentlich auch nicht macht – erst später überlegte ich, ob das nur witzig gemeint war. Andere Pilger, die ihn derart behelligten, habe ich aber auch nicht ausgemacht.

Dass Hertha gegen Freiburg 1:1 spielte spielte auch keine Rolle sondern war einfach so.

Nach den Godardfilmen im fsk wechselte dann ein unentwegter Rest von ca. einem Dutzend Leuten in die Oranienstraße ins Alibi, wo verschiedene Diskussionen geführt wurden, Godard, Truffaut, etc., Rolf Dieter Brinkmann/Brinkmanns Zorn, Single Malt Whisky oder Burbon, die dräuende Schließung der Denkerei usw. – KT erwies sich einmal mehr als großer Erzähler, leidenschaftlich, schelmisch und nicht geizend mit scharfen Urteilen, die allerdings etwas salopper ausfielen, als von Bühne und Buch, wo auch schonmal „Scheiße“ und „großes Arschloch“ zu hören oder lesen ist, aber nicht in dieser Dichte. Mir wurde nochmal bewusst, mit wie vielen Figuren der Kunstszene (Brinkmann, ACID, Art Spiegelmann, Robert Crumb, Godard, Benn, Hamsun, …) ich mich überhaupt erst aufgrund theweleitscher Empfehlungen in seinen Büchern näher beschäftigt hatte.

Von den abschließend versammelten Gästen erkannte ich  Heiner Mühlenbrock von den Vortagen wieder, einer wird Wilfried Reichart gewesen sein, außer es waren mehr (Ex-)Leute vom WDR zugegen, bei den weiteren Kneipengängern muss ich passen. Um 2:30 Uhr hatte uns das Alibi dann endgültig vor die Tür gesetzt, wg. Feierabend – dass Kreuzberger Nächte lang sind ist wohl auch Geschichte.

 

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 – Der Essayfilm (Sa.) – 

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Besucher im Profil, Frau aus dem Team, die hervorragenden Schokoladen- und guten Nusskuchen (selbstgemacht) kredenzte. 

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Kaum hatte ich diese 3 Zuschauer verewigt liefen vorne Bilder zum Holocaust zu dem Text, dass man die Täter immer von hinten und nur die Opfer von vorne sieht.

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O.li. ist Heiner Mühlenbrock, Regisseur, Kurator und Sprecher vom Vortag zu sehen. Rechts Martina Zöllner, rbb-Programmbereichsleiterin „Doku & Fiktion“. Vorne Hand mit Kaffeetasse. Wegen des Kaffees braucht man nicht zu kommen. Zitat, falls es schlecht lesbar sein sollte, „Der Zuschauer geht nach Themen, nicht nach Formaten“ (M. Zöllner).

 

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Noch eine Täterin aus dem Zuschauerraum.

Auch Herr Theweleit, von dem ich 3000-4000 Seiten zu Hause und gelesen habe, größtenteils 2-3fach, war heute schon vor Ort. Auch die YouTube-Vorträge habe ich hoffentlich alle gesehen, so dass er mir ein alter Vertrauter ist, weswegen ich ihn, als ich ihm an der Gaderobe begegnete, gleich reflexartig und distanzlos „Guten Tag“ wünschte oder sowas, ein wenig peinlich, aber als Prominenter kennt er das sicher, und ich schickte auch gleich hinterher, dass er mich nicht kennt.

Und jetzt habe ich rund 4000 Seiten von ihm gelesen und gar keine gescheite Frage! Ich könnte mich für die Bücher bedanken, fällt mir ein.

Heute aber gab es erst andere Vorträge, von 3 bis halb 5, 5 bis halb sieben, 7 bis halb neun und von 9 – bzw. wg. der schwach besetzten Kasse im fsk – 21:15 Uhr bis 0:10 dann ein paar Essayfilme. Beim ersten schlief ich immer wieder kurz ein – hatte nur von 6:00 bis 13:00 Uhr geschlafen. Es ging um einen Sohn, der seinen Vater kaum kannte, und dessen Filmmaterial über die IRA nach dessen Tod zusammengeschnitten hat. In einer frühen Szene waren 5 Maskierte mit Pistolen in einen Veranstaltungsraum gedrungen – ich dachte gleich „Bataclan“ und überlegte mir einen Fluchtweg, wenn jetzt hier in Kreuzberg …

Dann kam, nach einer Rauch- und Dampfpause ein Film über den jüdischen Schauspieler John Garfield, der u.a. auch vor ein Tribunal wg. antiamerikanischer Umtriebe zitiert wurde. Da hatte ich meinen toten Punkt dann überwunden und kann die Filme „Our Stars“ und „Sir Gay“, die folgten, sehr empfehlen. Das war unterhaltsam und lehrreich.

Morgen also der Hauptakt, wenn KT nicht spontan umdisponiert und seine Freiburger im Olympiastadion zur Auffrischung seines Realitätsmodells besucht – selbst dann könnte er es noch bis zu seinem Vortrag schaffen.

 – Der Essayfilm (Fr.) – 

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Bazon Brock, Der Gastgeber spricht

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Denkereipublikum

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fsk: H. Mühlenbrock, A. Sternborg, Kameramann bei anschließender Diskussion

Der Filmessay – sichtbares Denken heißt eine Festival genannte Veranstaltungsreihe über drei Tage in der Denkerei, Teil 1, Bazon Brocks Einleitungsvortrag, anschließend im nahegelegenen fsk-Kino gab es den Film Vor aller Augen aus 36 Überwachungskameras im ICC 1982 geschnitten, als Asbest noch kein Thema war und Datenschutz auch kaum – das Volkszählungsurteil kam später.

 

 – Markthalle 9 (B) – 

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Nochmal Markthalle 9, nicht von gestern, sondern von letzter Woche, da mir der Sinn einfach nicht nach scannen stand. Diese Woche, gestern, habe ich dann geschwänzt, weil ich einmal per se unter verminderter Antriebsfreude leide, die durch kühles Wetter und Feuchtigkeit leicht potenziert wird, zum zweiten aber stellte ich fest, dass der von mir ziemlich geschätzte Bazon Brock in seiner Denkerei am Oranienplatz eine 3tätige Vortrags- und Filmreihe veranstaltet, die an sich ähnlich Phlegmabedroht ist wie das Sketch-together in der Markthalle, aber als besondere Kirsche auf der Torte mit Klaus Theweleit (Männerphantasien, Buch der Könige, Objektwahl, …) am Sonntag aufwartet, von dem ich fast alle Bücher im Regal stehen habe plus eine Doppel-CD.

Der ist so selten in Berlin zu sehen/erleben – einmal vor ein paar Jahren hätte ich fast die Chance gehabt, habe es aber erst erfahren als die Veranstaltung schon lief.

Und die Anreise mit dem Rad ist für die Markthalle oder die Denkerei fast identisch, das zweite etwas nordwestlich vom Kotti, das andere etwas nordöstlich. Also war ich heute in der Denkerei und anschließend, inhaltsverbunden, im fsk-Kino fast nebenan, zwischendurch nur kurz bei Lidl um Colamix-Zero, Gummibärchen, ein Marzipanbrot und Speisestärke zu kaufen, beim Zeichnen jedoch festzustellen, dass da noch die Markthallenskizzen der letzte Woche unverbloggt im Block warten.

Mehr zur Denkerei in Kürze, wenn nichts dazwischenkommt.

 – ZZJC: Brooklyn Bridge + Ingrid Arthur – 

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Ingrid Arthur, JC Dook, IA

Kleine Überraschung: Mittwoch war’s, und ich mal wieder im Zig-Zag-Jazzclub bei Brooklyn Bridge feat. Ingrid Arthur.

Seit zwei Wochen hatte ich es dringend vor, aber dann zuviel mit Rennereien wg. meines Unfalls um die Ohren und andere Dinge, die erledigt werden mussten, drängten sich auch in die Abende. Heute wäre es auch fast wieder geplatzt.

Eine lange Story, die ich versuche kurz zu halten. Sonntags wollte ich auf den Flohmarkt, denn eine Krankenbettbeschäftigung von mir war es, die Ebay-Kleinanzeigen abzugrasen, Sektion zu verschenken, und da hatte ich einen Diaprojektor erbeutet. Das schwebt mir schon lange vor, aber mit geringer Dringlichkeit – es lief mir nicht weg. Mein Ziel: Auf Klarsichtfolie oder Transparenzpapier mit dem Laserdrucker Fotos drucken, aber in Diagröße. Die dann ausschneiden, rahmen und mit einem Diaprojektor von hinten auf eine Leinwand projizieren, von vorne grob die Hauptstrukturen abpausen, dann flott drübermalen, so dass man einerseits den Effekt rascher, lebendiger Striche hat, andererseits aber die Proportionen, die Perspektive super stimmt. Evtl. unter Berücksichtigung von Licht und Schatten.

Diaprojektor hatte ich, Rähmchen gibt es preiswert im Netz, aber oft in Mengen, die es doch teuer machen oder aus Entfernungen, wo der Versand den Verkaufspreis übertrifft. Am Flohmarkt dagegen erst neulich massig Dias gesehen – da könnte ein Magazin billig abzustauben sein. Jetzt war aber kein Flohmarkt sondern eine Veranstaltung der Tafeln Berlin vor dem Schöneberger Rathaus. Die nächsten mir bekannten Flohmärkte an der Straße d. 17 Juli und am Marheinikeplatz aber auch so weit, dass ich erst kurz vor 15 Uhr da wäre, wenn die Berliner Flohmärkte gerne schließen.

In der Nähe ist aber auch der Winterfeldplatz, wo unter der Woche oft Wochenmarkt ist und der also prädestiniert wäre auch einen kl. Flohmarkt zu beherbergen. Also dahin. Es war dort auch was los, aber ein reiner Fahrradmarkt, der mich auch interessierte.

Hier fädelt ein zweiter Erzählstrang ein: Seit meinem Unfall ist mein Rad ja auf der Notaufnahme (der Laden mit Werkstatt heißt wirklich so). Ach ne, Radaufnahme. Die haben schon einen Heil- und Kostenplan erstellt, aber solange die Versicherung des Unfallgegners nicht die Übernahme der Kosten bewilligt hat, und sich womöglich überlegt einen Sachverständigen zu schicken, legt die nicht los. Also musste ich mein Reserverad, eine ziemliche Gurke (Bremsen: oh jeh, Licht: na ja, Umwerfer für Schaltung vorne fehlt, keine Schutzbleche, kein Tacho, klassische Tourenpedale, T-Lenker, kein ordenlicher Geradeauslauf), flottmachen, in erster Linie von der Wand pflücken und aufpumpen, provisorisch Taschenlampen montieren, und ein, zwei Klingeln.

Aber obwohl das Mistding eine ziemliche Krücke ist, ist darauf irgendwas besser als am Rennrad. Die mehr aufrechte Sitzposition vielleicht?

Nein, es ist die Rahmenhöhe, bin ich überzeugt. 56cm, nicht 58 wie beim Rennrad. Da ist das Sattelrohr ganz eingefahren und ich erreiche mit 172cm zwar im Stand den Boden, aber es ist einfach ein Stück zu groß.

Als treue Seele wollte ich erst mein geliebtes Rennrad um jeden Preis zurück, aber langsam beschlichen mich Zweifel. Immerhin könnte ich auf diesem Marktplatz mal eine Probefahrt machen auf einem Rad das klein ist, aber mit Rennradanatomie und ohne Vorderadanomalie. Das tat ich auch und fühlte mich bestätigt.

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Helmut Burger, Kai Schoenburg, JC Dook

Aber beim Gehen sprach mich ein anderer Besucher an, Mitte 60, irgendwie hüftsteif, aber sympathisch, ziemlich unsicher. Ob ich sein Rad kaufen will, hat er aber nicht dabei, ist selbst zufällig über den Markt gestolpert. Ein weißes Apple-Collection-Fahrrad, ja, die Computerfirma Apple. Zig Jahre alt aber gut in Schuss. Nein, Rahmenhöhe weiß er nicht, Rennradschaltung aber T-Lenker, Gepäckträger, Schutzblech. Hat es selbst gefahren aber wg. einer Verletzung kommt er nicht mehr auf Herrenräder.

E-Mailadressen getauscht, er misst die Rahmenhöhe nach. Er war aber ähnlich groß wie ich, und das Messergebnis war entsprechend: 54cm. Da bekäme ich noch eine Schelle für eine Anhängerkupplung um die Sattelstütze. Nach dem Preis hatte ich gefragt und da wollte er sich nicht richtig festlegen. Mit „Hundert“ hatte er schon angefangen aber es klang so, als solle es 130, 150 oder 180 werden.

Hm. Wenn es mir persönlich nicht zusagt könnte es immer noch ein geeignetes Objekt sein, um es im Apple-Iphone-Hype weiterzuverkloppen. Ich selbst würde ja höchstens ein Rad mit GNU-Logo fahren, nicht so eine Hippster-Luxusmarke.

Im Kopf eine Liste gemacht, worauf zu achten sein wird und heute sollte die Besichtigung mit Probefahrt sein. Vorher schon Google angeworfen, das wusste nichts von einem Applefahrrad.

Eine ziemliche Enttäuschung. Viel Rost am Rahmen. Bremsen mit so alten Miniklötzchen, einfache Ausführung, selbst für die Zeit, aus der es stammt, wohl irgendwann 80er, also ähnlich meinem Rennrad, das aber überall Schimano-Exage-500 verbaut hatte. Hier: Suntours – nie gehört. Sun war ja auch eine Computerfirma, insbes. in den 80ern, dass da keine Berührungsängste bestanden … Das Schaltwerk wirkte nicht schlecht, 2×5 Gänge sollte auch reichen, aber die vordere Schaltung ließ sich nicht umwerfen, Umwerfer vielleicht verharzt. Mantel vorne zeigt schon poröse Symptome. Die Bremsen zogen überhaupt nicht und überzeugten auch sonst nicht – die erwartete Hochpreisigkeit aller Komponenten war ein Luftschloss. Aber es fährt, hat einen kleinen Rahmen – für kleines Geld sollte ich vielleicht doch zugreifen. Bis maximal 200 wollte ich gehen, bevor ich es gesehen hatte, wenn es so beeindruckend wie erhofft gewesen wäre. Auf 150 hatte ich spekuliert, wo er doch schon „Hundert…“ gemurmelt hatte. Jetzt wollte ich nicht mehr als 100 berappen. Das, was getan werden musste, um es fahrbereit zu machen, könnte mir vielleicht ohne Werkstattbesuch selbst glücken – so eine Bremse und so ein Umwerfer müssen sich doch nach YT-Besuch selbst einstellen lassen. Überall satt WD-40 oder Lidl-Kettenspray drauf …

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Besucherin in rotem Kleid, IA

Sagte der Bastler mit den zwei linken Händen.

Die Bremsbeläge vorne bekam ich ab und auseinander für frische, dicke. Die dumme Packung verrät natürlich nicht, ob für Alu- oder Stahlfelge. Aber ich bekomme die Bremszange auch nicht wieder richtig zu und mittig.

Mal nach dem Umwerfer sehen. Videos gefunden und verstanden. Aber die Kreuzschlitzmadenschrauben wollen sich nicht drehen. Tiefer muss das ganze auch 2mm. Dann festdrehen. Ich hab so schöne Ratschenschlüssel. Leider zu dick für die Mutter, fasst sie nicht recht. Mit der ratschenlosen Südseite geht’s. Und noch eine halbe Drehung, und noch eine – geht das leicht! – wo ist denn der Anschlag? Und noch eine halbe, und batsch – Schraube ausgerissen. Mist! Die bekommt man doch da nie raus!Brauch ich einen neuen Umwerfer auch noch. Erst mal am besten den Umwerfer ganz ab. Sagt sich so leicht. Die verhindernde Schraube um die Kette sitzt auch fest.

Die Stimmung ziemlich unten. So viel Tatendrang zerbröselt. Grrr. War vielleicht doch keine so gute Idee? Ach so – 120 hatte der angehende Verkäufer gesagt. Darauf ich: „Dann sag ich 80 und wir einigen uns auf 100?“ Er schaut mich lange nachdenklich an. Ging dann irgendwie in sich – ich dachte erst das soll ok, ich geb auf bedeuten. Dann murmelt er was mit 90. Ich komme mir vor wie bei Monty Python und tadle ihn, dass ich ja schon 100 gesagt hätte. Da könne er jetzt nicht drunter gehen.

Er muss meine Offerte wohl falsch verstanden haben.

Vorher hatte er alle Vorzüge des Rads beworben, aber weniger wie ein gerissener Gebrauchtwagenhändler, mehr wie ein Liebhaber, der die Schwächen seines Lustobjekts immer übersehen hat. Ich umgekehrt hatte die meisten Mängel mitleidsvoll zur Sprache gebracht. Ich meine die 100 sind fair, wenn hier in den Kommentaren nicht ein Applejünger aus dem Internet springt und mir 1000 € bietet, Selbstabholung und ein IBM-Rennrad mit Linuxgetriebe, Postgresql-Datenbank, Wifi und Bluetooth bekomme ich obendrauf. Bloß alles so lassen. Erinnert mich an ein Apache-Rennrad, dass ich auf dem Winterfeldmarkt gesehen hatte.

Wenn ich einen Umwerfer richtig montiert bekomme und die Bremsen eingestellt, dann kann es noch was werden. Es sollten bloß nicht noch mehr Schrauben abreißen. Aber erst mal war ich bedient und fragte mich, ob ich noch zum Soul-Funk-Abend soll. Und zum Trost wollte ich es mir gönnen, radelte also auf Rad zwei los, es war schon 21:15, und kaum war ich im vertrauten Raum mit den groovigen Tönen wusste ich, dass ich lange nicht mehr eine so gute Entscheidung getroffen hatte. Das Intro lief noch, die Sängerin hielt sich noch in der Gaderobe bedeckt.

Song 1 und 2 ließ ich noch ohne Zeichenblock auf mich wirken. Haha – Stifte vergessen! Nur einen Fineliner 0.4 schwarz dabei. Egal – dann ohne Bleistiftvorzeichnung mit Radierorgien.

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Manuel Zazek, IA mit Keith Tynes, KT solo

Bescheidene Ergebnisse, ich gebe es ungern zu. Körperhaltung, Proportion war das selbst gestellte Motto, rasch gezeichnet. Eigentlich war es auch zu dunkel zum Zeichnen. Abb. 2, 2. v. l. sieht aus wie ein Löwenweibchen, oder? Das Klavier links daneben ist zu dick, so dass das Klavierbein zu kurz wurde. Im dunklen Kneipenlicht sah das alles viel besser aus.

Band und Sängerin waren dagegen spitze. Lediglich bei „Black velvet“ meine ich, hat die Sängerin 3 mal an der gleichen Stelle schräg geklungen. Dafür waren das letzte Stück und die Zugabe einfach großartig. Der Applaus wollte auch nach der Zugabe nicht verstummen, bis beharrlich leise Musik vom Band ertönte und das Licht deutlich Feierabend sprach.