– Karneval 2016 – 

karneval-2016

Tja, was könnte man noch ergänzen? Dass die Motivwagen von Tilly auch schon stärker waren. Dass es früher Ansagerinnen beim TV gab, die hätten erklären können, wieso es dieses Jahr keine aktuelle Pink-Punk-Pantheon-Sitzung gibt, sondern nur den Aufguss. Im Netz habe ich auch keine Begründung gefunden, nur eine Petition, das Programm doch zu zeigen. 250 Zeichner der Petition bis jetzt dürften beim WDR aber nur ein müdes Gähnen evoziert haben. Statt eines Best-of kann man auch besser eher eine komplette ältere Sendung denen empfehlen, die es noch nicht kennen, denn die Sitzungen haben ja ihren Spannungsbogen, den man nicht zerrupfen sollte.

Mainz hat sich ja nie recht vom Schwiegermutterwitz mit Bart verabschieden können, ganz zu schweigen vom quotierten Wanderpokal Bieder mit tierischem Ernst.

 – Kunst, die manche für Schmutz halten – bildhauer-ISDer Blog ScienceFiles veröffentlichte kürzlich den Beitrag Kunst, die manche für Schmutz halten.

Ich fühlte mich herausgefordert das zu kommentieren, aber ohne Angabe von Gründen verschwand mein Kommentar im Nirgendwo. Die automatischen Benachrichtigungen über folgende Kommentare werden mir aber dennoch zugestellt. Man sieht: Es handelt sich fast nur um zustimmende Kommentare.

Dabei geriert sich ScienceFiles, und nicht ganz zu Unrecht, oft gerne als liberale Speerspitze der Meinungsfreiheit und als Bollwerk gegen die Selbstjustiz.

Um den Text nicht für die Tonne geschrieben zu haben, und damit die Möglichkeit besteht, sich zu informieren, wo die Grenzen des Tolerierbaren für ScienceFiles liegen, dokumentiere ich hier meinen Text unverändert, d.h. die Anrede usw. wird nicht an mein Publikum angepasst.


Die Parteiergreifung auf Seiten der Putzfrau überrascht mich hier.

Sicher ist es Herrn Klein möglich eine Fettecke herzustellen, die große Teile seines Publikums, die mit dem Beuyschen Werk nicht näher vertraut sind, von einer Beuyschen Fettecke nicht unterscheiden können.

Stellen wir uns das ganze kurz bildlich vor, Herr Klein sieht sich ein paar ergoogelte Bilder und Artikel kurz an, die Beuysche Produktionen zeigen, denn er muss ja grob wissen wie so etwas ungefähr auszusehen hat, welche Farbe das Fett haben soll, welche Menge er beschaffen muss, vielleicht mit welchen Mitteln man das Fett wo anzubringen hat, wie man eine geeignete Ecke aussucht, um das Fett zu platzieren – triviale Operationen, die ihm durchaus zuzutrauen sind.

Als Akademiker, der mit einem Hirn ausgestattet ist, welches geübt ist im Unterscheiden, könnte es ihm passieren, dass er in dem Bemühen eine möglichst ähnliche Fettecke zu erzeugen, sich tiefer und sorgfältiger mit der Materie befasst, als unbedingt nötig, um einen flüchtigen, und sagen wir es klar und deutlich, unwilligen Betrachter, der keineswegs bereit ist, sein Hirnschmalz anzustrengen, zu überzeugen.

Einem solch unwilligen Betrachter kann man auch leicht einen schlechten Schauspieler als Hirnchirurgen verkaufen, außer der Betrachter ist vom Fach – weißer Kittel, Stretoskop, ein paar Floskeln von Wikipedia, voila! Für eine kurze Täuschung reicht das allemal. Ebenso kann ein Blender, ausgestattet mit den durchschnittlichen Fähigkeiten eines modernen Zeitgenossen aber auch eine Graphik von Dürer fälschen. Eine digitale Vorlage des Dürerschen Hasen und ein Laserdrucker, und ein bornierter Laie, der nicht vom Fach ist, wird auch den falschen Hasen nicht erkennen.

Jetzt wird der Leser einwenden “Moment! Mit einem Laserdrucker kann das ja jeder! Er soll mal versuchen mit Stift, Feder und Pinsel von Hand den Hasen zu kopieren!” Aber hat Dürer den Hasen kopiert? Saß er in der Natur und hat auf das Erscheinen des Hasen gewartet? Hatte er einen ausgestopften Hasen? Wie hat Dürer eigentlich den Hasen gemalt, welcher Hilfsmittel hat er sich bedient, wieso hat er keine Digitalkamera verwendet und keinen Laserdrucker?

Solche Betrachtungen der Details sind freilich nicht nötig um den flüchtigen Betrachter reinzulegen und wenn wir sie auf Dürer anwenden, müssen wir sie aus britischer Fairneß auch auf Beuys anwenden. Und wenn wir das voll durchexerzieren, dann landen wir bei einer Fälschung, die zu vollbringen wäre, die den Kurator der Gemäldegalerie täuschen könnte, die also die Qualität eines Beltracchi erreicht. Nicht, dass der eine oder der andre nicht zu fälschen wäre, aber die laxe, gönnerhafte, blasierte Borniertheit des ‘das könnte mein 5jähriges Kind!’ wäre damit vom Tisch.

In einer freien Gesellschaft wie der unsrigen steht es natürlich jedermann frei einen Dürer einem Beuys dennoch vorzuziehen. Niemand muss sich eine Beuysreproduktion ins Wohnzimmer hängen und wahrscheinlich hängen dort auch viel weniger Beuysreproduktionen als Dürernachdrucke. Die klassische Moderne, die anfangs auch als Geschmiere verschrien und als entartete Kunst zerstört worden ist, hat die Wohnstube längst erobert.

Wahrscheinlich stimmt mir der Autor auch zu, dass aus dem Recht ein Kunstwerk abzulehnen, seine Kunsthaltigkeit zu bestreiten, das ich ihm gerne zugestehe, nicht folgt, dass man es zerstören darf. Der Kunstkritik der ISIS mit Meißel, Presslufthammer und Bagger schließt er sich sicher ebensowenig an wie er autonome Selbstjustiz ablehnt, wenn Luxuskarossen in Kreuzberg abgefackelt werden oder Philosophieseminare gestört werden, weil Kant ein weißer CIS-Mensch war.

Also wieso hier die hämische Schadenfreude?

Ich kenne die Putzfrau nicht und nicht Frau Menze-Kuhn und ihr Werk kenne ich auch nicht, aber ich war schon in Kirchen, und da liegen normalerweise keine großen Mengen Alufolien als gänger Abfall herum. Zudem nicht solcher, der am Boden auch noch heimtückisch festgeklebt ist.

Natürlich ist eine Putzfrau keine Kunstsachverständige, aber als Müllsachverständige nicht zu erkennen, dass hier etwas aussergewöhnliches vorliegt, das einer Erklärung bedarf und nicht einfach abgeräumt gehört, das ist nicht leicht vorzustellen.
<blockquote>
Auch Pfarrer Gerd Frey-Seufert betonte, die Installation sei klar als Gesamtensemble zu erkennen gewesen. Die Reinigungsfirma sei informiert gewesen. </blockquote>
Man kann sich täuschen was für wen zu erkennen ist – als Pfarrer ist Herr Frey-Seufert sicher schon häufiger mit moderner Kunst in Berührung gewesen als die namenlose Putze – das ist nicht gesichert, aber doch wahrscheinlich. Dass die Firma sie nicht informiert hat, und es wirklich keine Absicht einer wohlmeinenden Bilderstürmerin gewesen ist, nicht ganz auszuschließen, aber so ganz plausibel ist das nicht.

Jedermann hat das Recht auf ein gewisses Maß an Ignoranz gegen moderne Kunst; niemand hat auch die Zeit sich schlicht mit allem ernsthaft zu beschäftigen. Aber die eigene Ignoranz als überlegene Sicht auf die Welt auszustellen und zu feiern, während die barbarischen Horden ihre Kulturfeindlichkeit zum göttlichen Maßstab erklären, um sich den billigen Applaus derer abzuholen, die auch einfach schlicht nicht behelligt werden wollen, das erscheint mir gefährlich. Wollen Sie, dass Ihre Arbeit nicht von Fachkollegen, sondern von Hausmeistern und Putzkräften beurteilt wird?

Es passt auch nicht zur sonst vertretenen, liberalen Gesinnung und nicht zum Respekt vor den Grenzen, die wir gegenüber dem Anderen in der Gesellschaft vertreten. Wer keine Mohammedkarrikaturen mag, der soll keine Zeitungen kaufen, in denen sie abgebildet sind, und wer moderne Kunst nicht mag, der kann ihr ausweichen.

Und wer meint, er könne das auch, der soll es halt machen und beweisen. Das sind doch locker verdiente Millionen, also ziert Euch nicht. Schon morgen könnt Ihr reich sein!


An ein paar Stellen habe ich doch ein Komma ergänzt oder getilgt, ein Wort korrigiert, das dem oberflächlichen Korrekturlesen durchgeschlüpft war, und mir diesmal auffiel. Die meisten Fehler leben wohl unerkannt und unverändert fort.

Mein Kommentar war von gestern, gegen 8:15. Später geschriebene Kommentare sind schon veröffentlicht worden.

 – Katzenvorsicht – 

minos-unter-hocker

Nicht dass Herr Minos Angst hätte, der Himmel könne ihm auf den Kopf fallen, aber ein wenig Vorsicht schadet auch nicht. Schon alleine die ganzen Greifvögel die in die Wohnküche eindringen könnten sind ein von Menschen gerne unterschätztes Risiko.