– April, April – 

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Man glaubt es kaum? Schachverbot, nochmal Schachverbot, Heidifilmverbot.

Einer kürzlich gelesenen, aber jetzt natürlich unauffindbaren Studie zufolge, geht nur ca. jeder 4. Steuerzahlerchrist an Ostern noch in die Kirche. Ich schätze für Karfreitag sieht es nicht viel besser aus – bei den evangelischen Christen gilt dieser wohl als der höchste, kirchliche Feiertag. Die Christen selbst machen an der Bevölkerung noch etwas zwischen 50 und 60 % aus.

Man begeht also einen zweifachen Fehler, wenn man annimmt, dass die Kirchen für mehr als die Hälfte der Bevölkerung sprechen, und damit quasi-demokratisch legitimiert seien. Erstens: Das Fußvolk, welches sich schon nicht an die Kerngebote hält, wird kaum den Fatwas irgendwelcher Bischöfe folgen – die Kirchen genießen noch weniger Ansehen als die Religion, wenn man da einen Unterschied machen will.

Zweitens sind die Bischöfe ja nicht gewählt, d.h. ihre Meinungen haben keinem gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozess durchlaufen.

Wenn nur 15% der Bevölkerung diese Feiertage so wichtig sind, dass sie ihren eigenen Arsch dahinschaffen, mit welchem Recht wollen sie anderen Vorschriften machen, wie diese den Tag zu verbringen haben? Prinzipiell bin ich aber der Meinung, dass auch 95% fromme Kirchgänger nicht den anderen 5% etwas aufnötigen dürfen, was für sie keinen Schaden abwendet. Ginge es hier um laute Blasmusik direkt vor den Kirchen – da ließe sich drüber verhandeln, aber Schachspiele und Kinofilme?

Niemand zwingt sie zu einem Schachturnier, ins Kino oder auf eine Party zu gehen.

Das einzige, was sie vorbringen könnten, wären Storys aus dem Alten Testament, wo ihr Liebesgott in einem seiner cholerischen Anfälle ganze Städte ausradiert, weil darin 2 Sünder waren.

Und dieses Glockengebimmel muss auch aufhören. Wer Nachricht über bevorstehende Gottesdienste will, der soll sich bei einem christlichen Messagedienst eintragen, wo er dann immer passende Klingeltöne auf sein Smartphone bekommt, da kann sich jeder individuell belästigen lassen. Dann macht man noch einen bundesweiten Glockentag, wo die alten Glocken aus Kulturgründen noch mal 15 Minuten vorspielen dürfen, welche Sounds in ihnen stecken, ansonsten gilt die TA Luft mit ihren Dezibelgrenzen.

Denn wenn hier einer den anderen stört, dann sind es ja wohl die Scheinheiligen, und nicht umgekehrt.

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4 Gedanken zu „April, April

  1. dorotheawagner

    Daß der Karfreitag dann als Feiertag abgeschafft wird – ebenso wie Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag und der 25./26. Dezember – versteht sich von selbst. Wer abends ins Kino will, soll tagsüber arbeiten.

    Antwort
    1. user unknown Autor

      Gerne.
      Zum Ersatz fordern wir natürlich mindestens die gleiche Zahl säkulärer Feiertage: Tag der Meinungsfreiheit, der Religionsfreiheit, der Gleichberechtigung von Mann und Frau und so weiter, alles Dinge, die die Kirche mehr oder weniger ablehnt.
      An Anlässen bestünde kein Mangel.

      Antwort
    2. user unknown Autor

      Klingt außerdem unschön nach Erpressung, und wird immer nur zur Sprache gebracht, wenn man die Feiertagseinschränkungen problematisiert, als ob es einen Deal gäbe, dass man frei bekommt, um in die Kirche zu gehen.
      Dabei gehen ja die Religionsangehörigen kaum noch in die Kirche – zu hohen Feiertagen noch 1/4 (der Christen, nicht der Bevölkerung), an ordinären Sonntagen noch 10% (der Christen, nicht der Bevölkerung). Die sollen dann auch alle Sonntags arbeiten gehen!

      Antwort

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