– Die Geschichte der (christlichen) Menschheit – 

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Heute am späten Nachmittag ließ ich nebenbei den Fernseher laufen, aber es kam eigentlich nix. So landete ich bei ZDF-Info, Mankind – Die Geschichte der Menschheit, Folge 3 u. 4. Die Stimme von Hannes Jaenicke ist auch recht angenehm, das plätscherte schon ein wenig als ich mich reinschaltete, und sie erklärten eben, dass der hl. Simon dem lieben Herrn Jesu das Kreuz zu tragen half, ganz so als sei das der aktuelle, wissenschaftliche Forschungsstand, dass es einen Jesus wirklich gegeben hätte, den Simon und den Hilfsdienst und dass Heiligkeit eine verifizierbare Tatsache sei.

Das wunderte mich dann doch, und ich sah mir mehr von der Sendung an, und recherchierte ein wenig im Web.

Die Sendung hat im wesentlichen 3 Stilelemente:

  1. der kurze Kostümfilmeinspieler: 3 Römer streiten über das Wetter, 2 Goten überfallen 2 Franken, Bibelfiguren laufen durch die Gegend und verhalten sich bibelkonform
  2. Computeranimationen, wie ein römisches Aquadukt durch die Landschaft – wie von Geisterhand – konstruiert wird. Steine die sich im Zeitraffer selbst aufeinanderschichten – nicht um zu vermitteln, dass es so war, sondern was die Software so kann. Sieht auch imposant aus, aber man könnte auch mit Brecht fragen, ob die Kaiser ihre Reiche und Paläste gebaut haben oder Arbeiter usw.
  3. Ein Wissenschaftler oder sonstwer macht „Bla“. Nur 2, 3 Sätze – maximal – dann wird wieder geschnitten zu 1 oder 2. Beim ersten Mal wird für weniger als eine Sekunde Vorname, Nachname, Uni und Grad eingeblendet – will man es abschreiben, dann verpasst man garantiert das, was die Figur sagt. Ohne Not wird rasch wieder ausgeblendet.

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Aber darauf will ich gar nicht hinaus. Ein Wissenschaftler, der – wenn ich recht erinnere – bezeugte, dass sehr viele Christen den Löwen zum Fraß vorgeworfen wurden – ohne eine Zahl zu nennen, ohne den Zeitraum einzugrenzen, ohne Hinweis auf andere Sklaven und Kriegsgefangene, denen ähnliches widerfuhr, der wurde – husch, husch – als Prof. Gates, Universität Harvard eingeführt und husch war er wieder weg.

Welches Fach wurde nicht gesagt – Historiker, vielleicht Archäologe? Aber Wikipedia sagt Literaturwissenschaftler. Achso? Seine Biographie offenbart, dass er an einer kath. Uni studiert hat. Keine aufdringlichen religiösen Bezüge, aber auch nicht zu übersehen.

Eine andere Figur ist der Sprecher Brian Williamson von NBC Abendnews, Was zeichnet den aus zu historischen Fragen als Gewährsperson aufzutreten? Nix, eigentlich. Hat auch christliche Aromen im Lebenslauf – The Catholic University of America wo er auch Aluminiumni ist. Das müsste natürlich nichts heißen. Die nächste Gewärsperson die uns bestätigt, dass ein moslemischer Herrscher nicht gerade liberal war ist nur noch Mitglied bei Crossexamined – ah so! Da muss man aber nun in Deutschland wirklich googeln – das kennt ja nun niemand. Stellt sich raus, dass das ein arg missionarischer Verein ist, der ganz handfeste Vorstellungen davon hat, wie Christentum aussehen soll – ich zitiere von der Webseite:

Classical apologetic approach: (a simplified outline)

  • Truth exists (objective reality can be known)
  • God exists (classical arguments for God’s existence)

             The Cosmological Argument

             The Teleological Argument

             The Moral Argument

  • Miracles are possible (the universe is not a closed system)
  • The New Testament is Historically Reliable (manuscript evidence & archaeology)
  • Jesus has risen from the dead (hence, Jesus is God)

Once these truths are established, they must be communicated in a way that is understood by an audience.

The Communication that Christianity is True (& Should be Believed) 

charlie-lückenfueller

Ich bitte sich selbst ein Bild zu machen: http://crossexamined.org/christian-apologetics/ . Auf deren Resourcenseite kann man praktischerweise gleich für 29,99 $ bestellen: Das Defending the Faith on Campus Package – Ein Paket zur Verteidigung des Glaubens an Hochschulen.

Und viel Material haben die da, auch TV und Radio. Die sind sicher berufen sich fachlich zur Geschichte der frühen Christen ganz neutral und unbefangen zu äußern.

Da fragt man sich, wer produziert eigentlich solche Sendungen? Von welchem Geld? Wer kauft sie ein? Hat am Ende der Herr Jaenicke auch ein paar Kreuze im Lebenslauf und wurde v.a. deshalb als Sprecher ausgewählt, so dass alles in der Familie bleibt? Nun, ich denke bei ihm riecht es nicht nach Vetternwirtschaft. Außer einer Unterstützung für ein christliches Bartholomäuswerk für Blinde ist da nichts verdächtiges. Außerdem engagiert er sich offenbar häufig für Tiere und das wirkt nicht gerade sonderlich christlich.

Über ZDF-Info findet man all das nicht heraus. Die 12 Sendungen werden mit kurzer Inhaltsangabe aufgelistet, das ganze als Wissenschaft auf dem heutigen Stand verkauft (dabei ist heute zweifelhafter denn je, ob ein Jesus ähnlich dem in der Bibel je existiert hat).

Ich habe auch nach Kritik gesucht aber dann von der handvoll Medienkritiken zum Serienauftakt nur eine gelesen. Die stellte keine Frage nach einer verdeckten Agenda der Serie sondern kritisierte nur, dass im Abspann eine Mumie schalkhaft dem Zuschauer zuzwinkert.

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Das Fazit der Sendung wurde um eine entscheidende Kleinigkeit falsch interpretiert. Es gibt eine Animation, das fliegen Steinstücke aus allen Richtungen zusammen, und bilden eine menschliche Figur. Aus dem Off sagt die Stimme sinngemäß: „Zigtausende Spezies sind bereits ausgestorben, aber für eine fügt sich alles zusammen.“ Das ist ja schon verschärfter Kreationismus: Die Erde, die Naturgesetze und die Entwicklung der Geschichte ist planmäßig auf den Menschen ausgerichtet, und zwar genauer: Auf den christlichen Menschen – das ist der Subtext der Aussage und des Films, die er aber weitgehend subtil ausstreut, unterstützt v.a. dadurch, dass nicht etwa gesagt wird „Jesus, das weiß man heute, hat wirklich existiert“, sondern es wird gar nicht in Frage gestellt. Dass das nicht nur von manchen vehement bestritten wird, sondern v.a. weit und breit bezweifelt wird kommt gar nicht vor.

Und damit ist es keine Geschichtssendung sondern ein christliches Propaganda- und Missionierungsprogramm. Es müsste eine Einblendung geben „Dauerwerbesendung“ und es müsste von der Kirche ordentlich gezahlt werden dafür, dass ihr so ein Gefallen getan wird. Aber das Augenmerk wurde ja doch drauf gelegt die Werbung subtil zu verstecken. Ich schätze den meisten arglosen Betrachtern, die nicht schon misstrauisch an die Sendung rangehen, fällt gar nicht auf wie parteilich das ist.

Die fehlgehende Kritik hat die Botschaft falsch verstanden und nur mitbekommen, dass der Mensch es geschafft hat sich immer anzupassen an die Umwelt. Die Botschaft war aber, dass da draußen eine Macht ist, die die Umwelt an den Menschen anpasst und den Menschen in sie einpasst.

Für eine Spezies fügt sich alles zusammen.

Mir fügte sich hier beim Betrachten so einiges zusammen. Dazu passt auch die Sendung mit Frau Käßmann, Die Macht der 10 Gebote – die hatte eine ähnliche Tonlage, scheinbar unaufdringliches Missionswerk im Gewand von Aufklärung und Information. Ganz die gleiche Masche: Die 7 Plagen. Wie man die Plagen als natürliche Extremereignisse beschreiben kann, um damit ihre Faktizität zu belegen – zumindest 3 bis 4 davon, alles auf den Vulkan Stromboli zurückgehend, um damit dann der Bibel dokumentarischen Charakter in Teilen zuzusprechen.

Und auch in die Reihe passt die Sendung „Die 27 Häupter des Johannes“ oder was immer die Zahl war, ein Produkt ähnlicher Machart: Ein wenig wurde Reliquienfälschung zugegeben, aber in Ulf am Büttel bei Kleinohrsausen gibt es eine Leiche die echt ist, und die Reliquienverehrung ist dadurch legitimiert, weil die belogenen Gläubigen es so bestärkend empfinden für ihren Glauben. Hatte ich mir ein paar Notizen zu gemacht aber bin nie dazu gekommen die Details aufzuschreiben. Ob es 27 oder wieviel Häupter waren – bitte selbst nachforschen.

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2 Gedanken zu „Die Geschichte der (christlichen) Menschheit

  1. stone1two

    Aluminiumni… hihi, das ist gut, werd ich mir merken. Hab ich so noch nicht (oder zumindest lang nicht mehr) gehört. Sind das etwa Mitglieder von Vereinigungen „ehrwürdiger“ Absolventen preiswerter Titelschmieden? Es soll ja hin und wieder Fälle geben, wo sich welche ihre „Magister“ oder eher, für einen kleinen Aufpreis, „Doktoren“, von ebensolchen verleihen lassen.

    An solchen „Doku“mentationen merkt man halt, wie weit es mit der Trennung von Kirche und Staat(srundfunk) her ist. Es gibt aber auch ganz nette Sendungen in den deutschen Spartenkanälen, etwa extra3, Olaf TV oder im Sommer glaub ich lief mal eine nette englische Krimiserie die in der Karibik spielte.

    Außerdem stolpert man als Österreicher manchmal über Spielarten regionalen deutschen Humors, den man ihnen (also den Deutschen) gar nicht so zutrauen würde. Es gibt aber natürlich auch völlig humorbefreite Menschen, Boris B. war letztens in der Late-Night „Willkommen Österreich“ zu Gast, direkt gruselig. Und so jemand kann auch noch Bücher über sein langweiliges Leben verkaufen. Neue Dimensionen des Grauens tun sich auf: ein überlebensgroßes Plakat mit dem Konterfei des Boris B. und seinem neuen Werk hängt am Eingang der nächsten Frankfurter Buchmesse.
    Naja, derartige Humorlosigkeit ist mir hier in Öreich eigentlich nur bei einigen (Ex-)Politikern untergekommen, K. H. „Mr. Nulldefizit“ Grasser oder E. „of course I’m a lobbyist“ Strasser wären da Beispiele, wobei deren Äußerungen teils schon so grotesk sind, dass diese fast wieder als (Tragi)Komik durchgehen könnten. Doch das haben Richter zu entscheiden bzw. bei letzterem schon entschieden. „Gehe in den Arrest“-Karte gezogen.

    mfG

    Antwort
  2. buxenabschlucker

    Ehm, also, ich habe die Sendung nicht gesehen, gehe aber weitgehend mit deiner Kritik einig – ausser: Prof. H. L. Gates hat in Yale einen BA in Geschichte gemacht und anschl. den MA und den PhD in Literaturwissenschaft in Cambridge (UK). 1. ist es im angelsächsischen Raum nichts aussergewöhnliches, zwischen Bachelor- und Masterstudium den Major zu wechseln, 2. sind weder Yale noch Cambridge katholisch und 3. produziert Gates viele Sendungen zusammen mit der BBC bzw. dem PBS, die beide durchaus zu den seriösen Sendern gehören. Oder war es ein anderer Gates?

    Und noch etwas zur CUA: Nur weil ein College/eine Uni von einer Kirche getragen wird, heisst das nicht, dass man dort nur religiös indoktriniert wird. Sonst wäre Georgetown wohl kaum in der Ivy League. Im Gegenteil, viele dieser Colleges/Unis sind nicht nur sehr gut, sondern auch noch erschwinglich, so z.B. eben die CUA.

    Antwort

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