– Die fettste Kartoffel – 

fettste-kartoffel

or let’s say it in English:

the fattest (or the most fat?) potatofettste-kartoffel-en

Nun denn – der Text zur Meinungsschlacht folgt noch.

Ich habe viel Kritik an der H&M-Werbung gesehen, gehört, gelesen. Meist wird sehr schnell das coolest im coolest monkey unterschlagen, denn offenbar ist das ja ein positiv besetzter Term, der sich mit der Ansicht beißt, hier läge Rassismus vor.

Leider macht sich eine Kultur breit, die auf die Analyse verzichtet und nur noch auf Trigger achtet. Affe sei eine häufige, rassistische Beleidigung und da ein schwarzer Junge in der Werbung gezeigt wird ist der Fall klar: Beleidigung aller schwarzer Menschen als Affen liegt vor.

Nur ist coolster Affe eben keine bekannte Beleidigung und Affe allein eine Beleidigung, die man jedermann an den Kopf werfen kann und auch schon an den Kopf geworfen hat.

Allerdings macht es keinen Sinn einen schwarzen Jungen, über den man sich lustig machen will, als Werbeträger zu verwenden. Benetton hat mal Schockkampagnen betrieben, bei denen man über die Intention streiten konnte. Hier ist aber offenbar der Junge als Sympathieträger auserkoren. Dass nur Schwarze den Hoodie kaufen sollen, auch noch um sich selbst verächtlich zu machen, macht keinen Sinn. Man soll das eigene Kind mit dem schwarzen identifizieren, jenes positiv besetzen und das Shirt kaufen, weil man auch ein coolest monkey in the jungle haben möchte.

Sicher, wer rassistisch beleidigt wird will nicht immer dem Beleidiger den Wind aus den Segeln nehmen, in dem er sich selbst schamlos so bezeichnet, wie es der Beleidiger tut. Vor allem Kindern, denen solche Spielchen noch eine Spur zu hoch sind, weil sie erst 5 sind, möchte man so ein Shirt vielleicht lieber nicht zumuten. Blöd von Erwachsenen angesprochen werden und gar nicht wissen, worum es geht.

Kann jeder vermeiden, in dem er seinen Kindern so was nicht anzieht, und Kinder in dem Alter kaufen ihre Klamotten ja nicht selbst.

Aber der Modekette wird unterstellt, es sei Rassismus, womöglich unbewusster Rassismus. Nur, wieso sollte die Modekette Millionen potentieller Kunden beleidigen? Sind damit schon aufgefallen? Wollen sie die Shirts gar an Rassisten verkaufen? Ein Rassist zieht sich eher kein T-Shirt an, für das ein Schwarzer wirbt. Aus Prinzip nicht, und wenn er, wie insinuiert wird, den Spruch als Beleidigung auffasst, doch erst recht nicht. Also für wen ist das Shirt gedacht? Dass es Rassisten kaufen, und schwarzen Kindern schenken? Ist das eine rechtsextreme, politische Aktionsform?

Oder gibt es Rassismus ohne Intention?

Ich erlaube mir, mich da eher bedeckt zu halten. Zumindest macht es einen erheblichen Unterschied, ob man jemanden absichtlich beleidigt, oder ob man etwas tut, wodurch sich ein anderer beleidigt fühlt, ohne dass man die Absicht hatte. Ich meine es ist ein Unterschied ums Ganze.

Das Recht kennt meines Wissens keine fahrlässige Beleidigung.

Oliver Kahn ist mit Bananen eingedeckt worden, weil man sagen wollte, er sei ein Affe, und man hat den Affen gewählt, weil er sich verhalten hat, als hätte er seine Impulse nicht im Griff. Man konnte m.E. immer sehr gut sehen, dass das Inszenierungen waren, beabsichtigt um gegnerische Spieler einzuschüchtern. Die Wirkung hat es dennoch nicht verfehlt.

Schwarze Fußballspieler werden auch öfter mit Bananen und Uh-Uh-Rufen beleidigt, und zwar ohne selbst Anlass geboten zu haben. Das ist natürlich rassistisch. Aber niemand ruft du cooler Affe zur Beleidigung. Du Sau ist auch eine Beleidigung, Du coole Sau ist Ausdruck von Anerkennung.

Kann man den Unterschied übersehen? Intentionslos? Fahrlässig zu Unrecht beleidigt sein?

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6 Gedanken zu „Die fettste Kartoffel

  1. dorotheawagner

    Interessantes Thema! Warum habe ich diese Anzeige nicht gesehen? Ich habe ein paare Gedanken dazu, für morgen.

    Für heute nur kurz zu Deiner Frage „the fattest (or the most fat?) potato“:
    Es gibt ein paar Regeln zur Steigerung englischer Adjektive, die Du z. B. hier nachlesen kannst:
    https://www.englisch-hilfen.de/grammar/adjektive_steig.htm
    Einsilbige – regelmäßige – Adjektive werden grundsätzlich mit den Endungen -er/-est gesteigert, wobei Konsonanten nach kurzem Vokal verdoppelt werden, also „fattest“ wie in der Zwischenüberschrift und nicht „fatest“ wie auf dem Shirt.
    Übrigens würde ich (wie im Sprichwort von den dümmsten Bauern) von den dicksten (biggest) anstatt den fettsten Kartoffeln sprechen und diese auch nicht im, sondern auf dem Bauernhof verorten.

    Antwort
    1. user unknown Autor

      Oh, danke!
      Auf dem T-Shirt stand ja ‚coolest monkey in the djungle‘. Man sagt zwar, regional, dass man mit jemandem dick ist, oder ein dicker Freund, aber im heutigen Straßenjargon findet man eher alles voll fett. Das hat mich zu fett bewogen, statt dick. Beim Bauernhof fand ich anfangs ‚im Bauernhof‘ ganz natürlich. Kaum war es veröffentlicht fragte ich mich dann auch, wieso ich nicht ‚auf dem Bauernhof‘ gewählt habe.
      Den Vorteil von ‚auf dem‘ fand ich dann aber nicht zwingend genug, um den Text nochmal zu ändern, der dann auch noch zurechtgebogen werden muss.

      Antwort
  2. dorotheawagner

    Ich finde den Jungen auch total knuffig, und Deine Bemerkung „Dass nur Schwarze den Hoodie kaufen sollen, auch noch um sich selbst verächtlich zu machen, macht keinen Sinn. Man soll das eigene Kind mit dem schwarzen identifizieren, jenes positiv besetzen und das Shirt kaufen, weil man auch ein coolest monkey in the jungle haben möchte“ ist sehr triftig.
    Trotzdem ist zu fragen, warum H&M einen schwarzen Jungen gewählt hat und nicht einen weißen. Wirklich souverän wäre m. E. gewesen, einen weißen und einen schwarzen Jungen (oder ein weißes und ein schwarzes Mädchen!) zusammen in diesem Hoodie abzubilden. Daß man das nicht macht, sondern einen schwarzen Jungen zeigt, ist vor dem Hintergrund dieser nicht gewählten Alternative tatsächlich objektiv rassistisch, auch wenn es nicht subjektiv intendiert war (das eine ist vom anderen ziemlich unabhängig, was den objektiven – unbewußten – Rassismus allerdings nicht weniger, sondern eher mehr gefährlich macht, eben wegen der Unbewußtheit).
    Das Wort „Affe“ an sich ist zunächst keine Beleidigung, aber auf diesem Shirt unbestritten eine Gleichsetzung. Und wenn ein süßer kleiner schwarzer Junge als „coolest monkey“ bezeichnet wird, bedeutet das, daß alle anderen Affen weniger cool sind. Wenn man sich dann fragt, wer all die anderen Affen sind, assoziiert man als Weißer, so meine Vermutung, eher alle anderen Schwarzen als alle anderen Menschen weltweit, egal welcher Hautfarbe. Daher fördert diese Werbung rassistisches Denken, und deshalb ist es gut, daß H & M die Werbung zurückgezogen und um Entschuldigung gebeten hat.

    Antwort
  3. user unknown Autor

    Ich finde die Argumentation nicht schlüssig.

    Trotzdem ist zu fragen, warum H&M einen schwarzen Jungen gewählt hat und nicht einen weißen.

    Es ist zu fragen, ob für die Firma bei der Wahl die Hautfarbe eine Rolle gespielt hat. Wenn sie keine Rolle gespielt hat, dann ist es auch kein Rassismus.

    Wer den ganzen Tag Shirt für Shirt durchnudelt, der achtet vielleicht auf Farbkombination, Beleuchtung, Körperhaltung und alles, aber liest sich den Text solcher Shirts nicht noch durch und stellt Überlegungen an.

    Wirklich souverän wäre m. E. gewesen, einen weißen und einen schwarzen Jungen (oder ein weißes und ein schwarzes Mädchen!) zusammen in diesem Hoodie abzubilden.

    Das wäre nicht souverän, sondern opportunistisch gewesen.

    Dem Betrachter eine schlechte Gesinnung unterstellen, und darauf dann Rücksicht nehmen. Wenn sonst keine 2 Models das gleiche Kleidungsstück im Katalog repräsentieren, dann wäre es eine Extrawurst, für schwarze einen Alibiweißen abzustellen, weil man schwarze Menschen nicht unbefangen abbilden kann.

    Daß man das nicht macht, sondern einen schwarzen Jungen zeigt, ist vor dem Hintergrund dieser nicht gewählten Alternative tatsächlich objektiv rassistisch, auch wenn es nicht subjektiv intendiert war (das eine ist vom anderen ziemlich unabhängig, was den objektiven – unbewußten – Rassismus allerdings nicht weniger, sondern eher mehr gefährlich macht, eben wegen der Unbewußtheit).

    Was soll das sein, unbewusster Rassismus? Bei wem? Inwiefern ist der objektiv? Inwiefern ist der besonders gefährlich?

    Ungleichbehandlung von Weiß und Schwarz ist ja doch das, was Du einforderst.

    Das Wort „Affe“ an sich ist zunächst keine Beleidigung, aber auf diesem Shirt unbestritten eine Gleichsetzung.

    Es ist eine Metapher, oder? Ein cooler Affe ist vielleicht besonders laut, sehr extrovertiert, agil und lustig. Ein wildes Kind. Wenn man ein Kind „Wirbelwind“ nennt meint man damit auch meist positives. Oder Schmutzfink. Kindern sieht man alles nach.

    Wenn man sich dann fragt, wer all die anderen Affen sind, assoziiert man als Weißer, so meine Vermutung, eher alle anderen Schwarzen als alle anderen Menschen weltweit, egal welcher Hautfarbe.

    Also was man assoziiert, das assoziiert man. Dass man von seiner eigenen Hautfarbe determiniert wird ist m.E. nicht richtig.

    Außerdem ist niemand verpflichtet beim Assoziieren stehen zu bleiben. Es darf reflektiert werden. So anstrengend ist das nun auch wieder nicht.

    Daher fördert diese Werbung rassistisches Denken

    Bringen jetzt die Betrachter ihren Rassismus schon mit, womöglich unbewusst, oder fördert ihn H&M erst? Wird man also schleichend durch das Betrachten solcher Werbung zum Rassisten? Das müsste man mir erst mal erklären.

    Ich denke H&M hat vollkommen arglos gehandelt und den schwarzen Jungen wie einen weißen Jungen behandelt. Damit waren sie ihrer Zeit voraus. Für unbewussten Rassismus müsste man erst mal Indizien haben.

    Antwort
  4. dorotheawagner

    Ich will mich nicht drücken und habe auch noch einiges zu sagen, aber das muß ein andermal geschehen, weil ich im Moment leider gar keine Zeit habe. Vielleicht kannst Du mich demnächst daran erinnern, wenn ich es vergessen sollte?

    Antwort

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