– sexistische Eigenwerbung – 

werbung

Ich will nicht ungerecht sein. 

Der Artikel, auf den ich mich beziehe, spricht nur von landeseigenen Werbeflächen, bei denen ein entsprechendes Verbot in Frage kommt. Ladenbesitzer wären demnächst noch frei, in ihren Schaufenstern freizügiger vorzugehen. Von Personen, die sich privat verhalten, ist noch gar nicht die Rede. Die Absicht rieche ich aber schon kommen.

Die Ideologie, aus der sich solch Ansinnen speist, verneint, dass der Mensch in erster Linie ein Tier ist. Der Mensch wird als Vernunftswesen gedacht, dem Triebe und körperliches weitgehend tabu zu sein haben. Sex nur noch der Reproduktion wegen – dieses alte, christliche Ideal feiert aus einer ganz anderen Richtung seine Wiederauferstehung, und nein, die Islamisierung des Abendlandes ist es nicht, die sich hier meldet.

Produktwerbung zu verteidigen, die nicht Produkteigenschaften bewirbt, sondern den jungen, glücklichen, gesunden und erfolgreichen Kunden, der das Produkt nutzt, mit dem wir uns identifizieren, sein wollen wie dieser oder die brachial unsere Aufmerksamkeit anspricht, fällt mir nicht leicht. Aber es fällt doch auf, dass nur Stereotype die Frauen betreffen problematisch sein sollen, und das nur in weitestem Sinne sexuelle Stimulation problematisiert wird.

Frauen werden auf ihren Körper reduziert, ist so eine Parole, die man immer wieder hört. Tatsächlich rückt jede Nachricht, jedes Theaterstück, jedes Bild bestimmte Aspekte in den Vordergrund und sieht von anderen mehr oder weniger bis vollständig ab. Wer sind die Tugendwächter zu entscheiden, welche Aspekte fein genug sind für die Öffentlichkeit?

Der intelligente Mann, der starke Mann, der fleißige Mann, der clevere Mann – mühen die sich nicht alle letztlich darum, zu Wohlstand und Ansehen zu kommen, um damit auf Brautschau zu gehen? Sind die tollen Tugenden nicht auch ein Instrument auf dem Weg die eigene Lust zu befriedigen? Oder strebt der Mann nach dem Weib, weil auch ein solches Status verleiht?

All die Fähigkeiten und Eigenschaften sind vielfältig miteinander verknüpft und stehen in Rückkopplungsbeziehungen zueinander. Fakt ist, dass der Mensch ist wie er ist. Wer sexistische Werbung nicht mag kann diese ja zum Anlass nehmen, entsprechende Produkte zu meiden.

Noch ist die Sexualität nicht vollständig von der Fortpflanzung entkoppelt. Wieso essen wir gerne was süßes? Weil es unsere Natur war gegen das Verhungern zu kämpfen und süß bedeutete viele Kalorien. Wer kalorienhaltigere Nahrung bevorzugte verbesserte die Chancen entsprechender Gene sich zu verbreiten. Nach 50 Jahren Wohlstand verschwinden die nicht hopp-la-hopp.

Und viele Ideale, die Männer an Frauen knüpfen und umgekehrt stammen auch aus Jahrmillionen Evolution. Dagegen ankämpfen zu wollen ist wie der Versuch die Flut mit Esslöffeln zurückzuwerfen. Entweder es erwarten einen Frusterlebnisse wegen des eigenen Versagens oder ein kunstvolles Lügengebäude, in dem man sich selbst Fortschritte vormacht.

Eine vergreisende Gesellschaft, in der die einen den anderen ihre Jugend missgönnt wird deren Lebensfreude nur in Schattenbereiche abdrängen können.

Beim Karneval der Kulturen war ich – da laufen viele Frauen und Mädchen rum, alle freiwillig, und es ist keine dabei, die sich nicht ein wenig schön gemacht hat, die Haare irgendwie, einen Fummel angelegt, mehr oder weniger gewagt. Obwohl Toleranz und Inklusion groß Motto sind, und das ganze in Kreuzberg stattfindet, habe ich quasi keine Frauen und Mädchen mit Kopftuch gesehen. Entweder die wollen nicht feiern, oder selbst die, die sonst sowas tragen, legen es da ab.

Eine Tür, die man aufziehen muss, kann man mit viel Kraft und Willen auch aufstoßen – freilich ist sie hinterher kaputt.

Danke an M., Z., A., V.,  D., J., M., A., A. und O. die sich kurzfristig als Modelle zur Verfügung stellten.

Früher zum Thema: Shariapolice, Bitch

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