– Pascals Wette – 

pascals-wette

Der Ketzerpodcast hat eine Auskopplung zu Pascals Wette in einer Interpretation durch Prof. Thomas Mayer, online gestellt. Mayer nimmt aber aus Gründen, die im Dunkeln bleiben, an, dass die Wahrscheinlichkeit für eine Existenz Gottes bei 10% liegt, der Fairness halber sei aber dazugesagt, dass er dies explizit spekulativ tut.

LANG=EN:

pascals-wette-en

Als Ökonom berechnet er dann sowieso das Produkt aus Wahrscheinlichkeit (0,1) und Gewinn (unendlich) und das führt zu unendlichem Nutzen, egal wie klein die Wahrscheinlichkeit ist.

Unredlich, wie Pascal, unterschlägt er aber die Kosten. Man soll ja als Christ jeden Sonntag in die Messe laufen, als Katholik im Marienmonat jeden Tag den Rosenkranz beten, womöglich nach Rom pilgern, Nachtgebet, Tischgebet, Kirchensteuer – das würde alles gegen unendliches Glück am Ende zu vernachlässigen sein, aber wir kratzen ja erst an den ersten, vernünftigen Einwänden.

Ist es nicht unendlich peinlich, wenn man nur ein einziges Leben hat, und dieses eine Leben an einem großen Endziel ausrichtet, seinem Gott zu gefallen um ins Paradies zu gelangen, und das Paradies hat es nie gegeben und wird es nie geben? Was nützt mir dann eine mikroskopische Wahrscheinlichkeit, dass es eine Art Gottheit hätte geben können?

Ja, wenn ich Millionen Leben hätte, und in einem davon käme ich ins ewige Himmelreich, dann würde es sich auszahlen, aber ich habe nur eins, und das möchte richtig leben – nicht in einem verschrobenen Wahn.

Weitere Einwände sind, dass man ja die Rechnung für jeden erdenklichen Gott aufmachen kann. Die meisten Götter sind aber egozentrische Figuren und mögen es gar nicht, wenn man an den falschen Gott glaubt. An welchen davon soll ich denn glauben? Die können jedenfalls nicht alle eine 10:90 oder gar 50:50 Wahrscheinlichkeit für sich haben.

Wenn ich an eine Bushaltestelle komme, keine Uhr habe und der Fahrplan ist ab, dann darf ich auch nicht einfach annehmen, dass es zwei Möglichkeiten gibt: Der Bus kommt in der nächsten Minute oder nicht (soweit noch ok) und weil ich es nicht genauer weiß nehme ich an, dass die Chancen dafür 50:50 stehen.

Ich kann aber ausschließen, dass ein UFO mit Adolf kommt und es das beste wäre, ich streckte meinen rechten Arm aus.

Zudem kann ich sagen, dass die biblischen Aussagen kontradiktorisch sind, und es deshalb den Gott der Bibel nicht geben kann. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist Null. Kontert jemand damit, dass in Gott auch Widersprüchlichkeiten aufgehoben sind, dann ist die Wahrscheinlichkeitsrechnung und sind Nutzenkalküle aber erst recht aufgehoben. Ich kann dann auch eine Klorolle alle 4 Jahre anbeten.

Man könnte auch kritisieren, dass solch ein Nützlichkeitsdenken nicht der wahre, spirituelle Glaube ist und das Gott einen solchen Glauben nicht mag. Als Atheist, der glaubt, dass die Menschen sich ihre Götter selbst gemacht haben, widerspreche ich dem aber: Alle Religionen die ich näher kenne drängen den Menschen solche Nützlichkeitskalküle auf. Glaube wird belohnt, Unglaube bestraft. Der ungläubige Thomas wird verhöhnt und als dummer Trottel, der es als letzter glaubt, vorgestellt, nicht ohne den Hinweis dass selig die seien, die nicht sehen, und doch glauben.

Nice try.

Der alte Antisemit Luther, den heute niemand mehr gerne erwähnt, außer dass man ihm eine ganze Dekade spendiert, als Komikernation, hat nicht grundlos die Vernunft eine Hure getadelt und so, en passant, auch die Huren zu Unrecht herabgesetzt. Als käuflich und opportunistisch hat sich noch immer die Religion erwiesen. Heute geriert sie sich, als hätte sie die Menschenrechte erfunden, die Ökologie und den Frieden. Konkret schaut das dann so aus, dass die Unverletzlichkeit der Person hinter das Recht der Eltern, ihre Religion am Körper ihrer Söhne auszuleben, zurücktreten muss.

Die Kosten der Religion sind nicht Null. Man muss die Selbstachtung aufgeben. Man muss die Vernunft aufgeben. Wieso sich Pascal auf niedere Taschenspielertricks die eigentlich unter seiner Würde waren, eingelassen hat, weiß ich nicht. Heute ist es aber auch mit Kenntnis der Evolutionstheorie, mit dem Wissen um so viel mehr Religionen, der Psychologie und von Gruppendynamiken, den vielfältigen Formen von Betrug und Selbstbetrug sehr viel einfacher, sich auf viele Dinge einen Reim zu machen, die zu Pascals Zeiten noch unverständlich waren, auch nicht zu vergessen Bakterien und Viren als Krankheitsüberträger – nicht böse Geister und Dämonen.

Einen großen Anteil an der Entzauberung der Religion hat auch die Wahrscheinlichkeitstheorie. Wie viele Millionen pilgern jährlich nach Lourdes und so weiter, wie wenige spektakuläre Genesungen kommen da vor, wie viele kommen ohne Pilgerreise vor? Es gab schon Untersuchungen, ob Patienten, für die im großen Stil gebetet wird, häufiger gesunden und es war nicht der Fall. Ob Gott existiert mag dieser Versuch nicht restlos klären, aber um Heilung zu beten, das bringt nichts, das weiß man jetzt.

Religiöse Menschen trauern meist um Verstorbene Angehörige und Freunde – wieso eigentlich? Sollten sie sich nicht freuen, dass es derjenige geschafft hat? So fest glaubt dann doch kaum einer, aber an den Ritualen und dem Selbstverständnis halten sie fest. Pascals Wette ist keine gute Entschuldigung.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s