– Schlachtenmaler – 

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Was der neue Panzer kann (1 von 3)

Am 15.11. fand in der Denkerei die Veranstaltung Malermanöver mit Norman Junge statt.

Der Maler hatte sich 1984 bei der Hardthöhe beworben als Schlachtenmaler ein Manöver zu begleiten. Zu seiner Überraschung reagierte das Ministerium, wenn auch zäh, und lud ihn nach langer Zeit der schleppenden Korrespondenz schließlich 1986 zu einem Manöver ein, wo er sich dagegen wehren musste in eine Uniform gesteckt zu werden. Ein Fotograf/Filmer, ich notierte Chr. Meierbaum, der etwas später auf den Zug aufgesprungen war, begleitete ihn, um die Aktion zu dokumentieren. Als die eigentliche Kunstaktion, so habe ich es verstanden, verstanden die Künstler diese Aktion selbst, nicht so sehr die Bilder, Fotos und Filme, die dabei entstanden.

Dass es überhaupt gelang überraschte sie. Auf den Bildern und dem Film sieht man v.a. Panzer, die über langweile Äcker düsen oder fast beschaulich wie ein Reh unter einem Baum stehen (Panzeridyll nennt es Junge), die Furchen im Acker, den Maler bei der Arbeit, wie er souverän mit wenigen, kräftigen Strichen rasch den Panzer einfängt und auf große Papierbögen von ca. Din-A1 bannt, 1m x 0,5m.

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Und dann wie der Maler (embedded artist, NJ) mit seinen Bögen hinter den Panzern her rennt, ein durchaus kurioses Bild. Eine lachende Besucherin fragt der vortragende Junge in sehr ernsthaftem Ton, was es da zu lachen gäbe, was ich nicht verstehe – soll man nicht lachen? Ich finde es auch komisch. Ob die Frage aber ironisch war kann ich nicht sagen. Junge ist auch, seinem Namen zuwider, schon 78. Das macht sich später bemerkbar, als er eine Anekdote aus der Aktion ein zweites Mal erzählt.

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Was der neue Panzer kann (2 von 3)

Bazon Brock selbst war durch Krankheit verhindert, ich hoffe es geht ihm besser, jetzt.

Auch Hubschrauber kommen vor, Boote, die einen breiteren Bach überqueeren – Junge weiß zu berichten, dass solche Aktionen oft 80% Verluste, sprich Tote, bedeuten.

Die fahrenden Panzer werden im Film, mit Klimpermusik untermalt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, was im Kontrast zum Ernst des Themas steht, ich meine mit spöttischem Text. Gerade das lässt mich denken, dass seine Frage, was es zu lachen gäbe, eher eine Aufforderung war, mehr zu lachen. Aber es gibt irgendwie ein Missverhältnis zwischen diesen Panzern und der Musik, das freilich in den 80ern noch anders gewirkt haben muss, als der Kontrast solcher Welten noch nicht so alltäglich war wie heute, nach der Epoche des anything goes, Benettonwerbung mit AIDS, anorektischen Models auf Hochglanzmagazinen, Pussy Riot in der Kirche und ähnlichem, was uns heute kaum noch schockt.

Als Junge einen Militär zitiert, „was der Panzer alles kann“ ergänze ich rasch im Kopf „Purzelbaum“, was zu dieser kleinen Illustration führt, von der ich auch nicht weiß, was sie soll, was die Botschaft sein könnte. Im Vortrag zeigt sich Junge beeindruckt von der Fähigkeit des Panzers mit hoher Geschwindigkeit über Böschung und Bodenwellen zu fetzen, wobei das ganze Gerät schwingt und wippt, nur das Kanonenrohr vollzieht immer eine Gegenbewegung und bleibt in einer stabilen Lage. Ob das meint, dass es immer in der Horizontalen bleibt, oder immer auf das gleiche Ziel gerichtet, weiß ich nicht, auch nicht was die Technik 1986 hergab. Denke ich an den Falklandkrieg, der ungefähr in die Epoche fällt, und in der uns die Exocetrakete vorgestellt wurde, die vollautomatisch ihr Ziel findet, so erscheint mir auch die kompliziertere Fixierung auf ein Ziel im Bereich des Möglichen.

Der Tiefenpsychologe in mir muss dabei nicht an den Pinsel des Mannes im übertragenen Sinne denken, sondern an den buchstäblichen des Künstlers. Das wäre es doch, auf einem Roß durch die Landschaft galoppieren zu können, aber omnipotent, völlig ruhig mit dem Malerwerkzeug die Eindrücke verewigen auf einem Blatt, das man ebenso ruhig halten könnte.

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Was der neue Panzer kann (3 von 3)

Ein anderes Bild zeigt einen großen LKW, sehr üppig mit Laub eingehüllt, aber auf einer Seite eine große Leinwand bietend, auf der etwas, das mich erst an eine Wertterkarte denken lässt, abgebildet ist. Aber die Linien zeigen keinen Wetterfrontverlauf, sondern Frontverlauf und Truppenbewegungen, die Zahlen vielleicht Truppenstärken, keine Termperatur oder Windstärken.

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Davor steht ein höherer Dienstrang und erklärt was. Das Militär als Konkurrenz des Künstlers, selbst Leinwand okkupierend, Linien ziehend, ein Relief in den Boden des fränkischen Schilds grabend. Gestalterisch tätig im großen, aber verheerenden Stil, wenn es ernst wird.

Geht man davon aus, dass gerade in den höheren Diensträngen durchaus auch gebildete Soldaten aktiv sind, manche davon in ihrer Freizeit sich moderner Kunst gegenüber ähnlich aufgeschlossen verhalten wie der Rest der Bevölkerung, dann ergibt sich für mich das Bild, dass sich die Künstler über das Militär lustig machen wollten, welches für sie eine fremde Welt ist, während für die Mehrheit der Soldaten die moderne Kunst eine fremde Welt ist, aber diese zeigten sich ihr gegenüber nicht feindlich sondern aufgeschlossen.

Mit einer Staffelei in einer Intensivstation würde man ähnlich deplatziert wirken, aber wäre doch nur die konsequente Fortsetzung einer Tendenz der Kunst, die schon mit van Gogh normale Menschen bei der Arbeit, damals Handwerker und Bauern, zeigte.

Aber ich möchte das Projekt keineswegs als misslungen betrachten. Der Künstler kann ja heute machen was er will, jede Regel die man ihm auferlegen wollte, ist er frei zu brechen. Aber für den, der etwas zeigen will, ist auf die eine oder andere Weise wichtig, hinzusehen. Antikriegsbilder könnten echte Schlachten zeigen, dunkle Atmosphäre, bedrohliche Technik, Leidende, Tod, den Panzer vielleicht des Effekts wegen von nah und von unten gezeigt. Das kennt man aber schon. Offenbar wollte Junge durchaus sehen, was der Fall ist.

Anlass des Vortrags war auch ein Buch vorzustellen, das jetzt erscheinen soll, und in diesem findet man auch interessante, politische Karikaturen mit Panzern in einem anderen, feineren, saubereren Stil als die Skizzen, die im Feld entstanden. Schade, dass es noch nicht fertig war. Im Februar soll es erscheinen. Sicher habe ich es dann vergessen, aber irgendwann werde ich nochmal über diesen Beitrag stolpern, und dann kann ich es ja bestellen, wenn es mich dann noch juckt.

Zuerst juckt es mich aber auf ein verwandtes Thema hinzuweisen, das aktuell ansteht, von Freitag abend bis Sonntag mittag in der TU-Berlin macht die FIfF, Forum InformatikerInnen für den Frieden, eine Konferenz, #FifFKon16, in.visible systems, näheres wie üblich auf der verlinkten Webseite.

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