– DRadio Panik – 

Auf DRadio/Wissen geht das Zuckergespenst um.

Ein Beitrag zur Volksgesundheit und Diabetesprävention versucht uns unter dem Deckmäntelchen des Wissens für dumm zu verkaufen. Hören Sie selbst.

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Instrumente der Medienkritik, die jeder zuhause haben solle (von hinten nach vorne u. li. n.re.): Zuckervorrat, Meßbecher, Glas für mindestens 250 ml. Flüssigkeit und Briefwaage. Die Waage zeigt 43g an, weil der Alubecher 25g wiegt und ein Zuckerwürfel 3g wiegt. 3×6=18, 18+25=43. 

 

Ein 250 ml Glas ist mit 6 Stückchen Würfelzucker gut 1/3 voll? Wie groß sollen denn die Würfelzucker sein? Bitte ein Bild einreichen – das ist Volksverdummung und Dramatisierung, wie überhaupt der Griff zu Würfelzucker, der 3fach schummelt: a) Bleibt ja Luft zwischen den Würfeln. b) Ist zwischen den Zuckerkristallen Luft. c) Ist die Molekülstruktur des Zuckers so, dass sich das Wasser dazwischen schiebt – es ergibt sich also nicht ein Verhältnis von 2:1 Volumeninhalten Wasser/Zucker, sondern fast 3:1. Es ist also nicht so, dass mit 168 ml Flüssigkeit das Glas jetzt voll wäre. Der Zucker löst sich und sackt zusammen – wieviel Flüssigkeit man braucht kann ich mangels Würfelzucker im Haus nicht sagen, sonst würde ich den opfern und messen.

Wie hoch steht denn der Zucker in loser Streuung?
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Höhe des Zuckers im Glas. 

 Das ist schon weit entfernt von 1/3, auch wenn man berücksichtigt, dass das Glas die 250 ml nur eben so fasst, und man vom Gastgewerbe 1 cm Sicherheitsrand gewohnt ist.
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250 ml passen gerade so in das Glas – nur 1-2 mm Höhe noch frei. Ob das für den Zucker reicht?

 

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Es reicht! Nur gerade so eben, am Rand zum überlaufen, aber zum Volumen trägt der Zucker wenig bei, so dass ein Operieren mit der Höhe von Würfelzucker im Glas offenkundig Blödsinn ist. Und 3 Würfel nebeneinander würden wahrscheinlich auch passen, das gäbe also 2 Lagen Würfelzucker (1,6 x 1,6 x 1,1 cm lt. meiner Quelle) und eine Höhe von 2,2 cm. Das Glas ist abzüglich Glasboden 11cm hoch und hat einen Innendurchmesser von 5,8 cm. ¹

Kristallzucker habe ich da, und lt. naanoo wiegt ein Würfelzuckerstück 3g. Also 18g Zucker auf ca. 250 g Flüssigkeit, grob gerechnet. Klingt gleich weniger dramatisch: Nicht 1/3, sondern ca. 1/10tel.

Zweitens: Schaut Euch mal 100% Apfel- oder Orangensaft an und vergleicht es mit Cola. Da ist fast genausoviel Zucker drin, vielleicht 10-20% weniger. Aber Fruchtsaft ist ja so gesund, die Vitamine, wir sterben ja sonst alle an Skorbut.

Daraus folgt, dass die Vokabel überzuckert ziemlich willkürlich aus der Luft gegriffen ist. Was ist denn die richtige Menge Zucker? Jeder weiß, dass süß dick macht und jeder weiß, es steht hinten drauf. In Zucker ist sogar 100% Zucker drin. Wer will kann Wasser trinken oder Lightprodukte, aber da war ja gestern erst eine Sendung, dass die auch dick machen. Nach diesem Beitrag, den ich prüfen konnte, glaube ich jetzt den von gestern über Süßstoff, den ich nicht prüfen kann, auch nicht mehr.

Und dann die Millionenzahlungen von Coca-Cola. Was soll ich damit anfangen, ohne Umsatz und Gewinn des Konzerns zu kennen? Sagt doch, was die Steuer auf einen Liter Kola ausmacht. Ein Cent, 10 Cent, 1 Euro, 10 Euro – damit kann man was anfangen.

Mehrere 100 Millionen Pfund für Coca-Cola, die ja auch Fanta, Bonaqua und ich weiß nicht was noch alles herstellen und in GB verkaufen … bei 60 Millionen Einwohnern also 3,5 bis 15 Euro pro Brite und Jahr? Es war doch pro Jahr? 12 Euro wären 1 Euro pro Monat und 3,5 Euro wären ca. 1 Cent pro Tag. Jetzt trinken viele auch keine Coca-Cola-Produkte, also nehmen wir das mal vier. 4 Cent pro Tag bis 4 Euro pro Monat – das soll das Verhalten der Leute beeinflussen? Ich lach mich tot!

Und die Getränke enthalten auch keinen Würfelzucker, sondern Zucker vom Äquivalent von soundsoviel Würfelzucker.

Schlampig, unkritisch, im Sinne der guten Sache (Volksgesundheit) einfach etwas aufblasen, Panikmache, Horrorgeschichten.

Ich bin übrigens weder in der Getränkeindustrie beschäftigt, noch ein Fan von Coca-Cola. Ich trinke große Menge Cola-Mix-Zero, Nonameprodukt, Hauptsache billig. Ich bin lieber schlank als dick und will auch nicht unbedingt umgeben von Fetties leben, aber wichtiger als ein schlanker Körper ist ein fettes Hirn, finde ich.
Und die Politik des Stupsens, von der sich so viele so viel versprechen finde ich falsch. Die Leute wissen dass sie von Müsli, Pommes, Bürger, Cola, Snickers, Gummibärchen, Marzipanbroten, Eiskrem, Wurst, Käse, Fleisch und Obst dick werden und eines Tages platzen werden – die Vorstellung, dass die Leute es nur begreifen müssen ist einfach falsch.
Am Begreifen liegt’s nicht.
Schön, wenn es so wäre, dann würde man den Leuten Bescheid geben und sie würden sich ändern, aber die große Masse weiß Bescheid und will nicht. Politiker und Journalisten sollten das begreifen, denn hier gibt es wirklich was zu lernen.
Es ist symptomatisch und Zucker ist nur ein Beispiel, aber eines, an dem es sich besonders schön zeigen lässt.

¹ Die Zylinderformel sagt, dass Πr²*h das Volumen ergibt. (½*5,8)²*π, also 2,9²*3.14*11  ergibt aber 290.13 ml. Das sind also Messungenauigkeiten also glauben Sie nichts, messen Sie und rechnen Sie selbst nach.

Mit etwas gutem Willen bekommt man – natürlich abhängig von der Glasgeometrie – sogar 6 Stücke Zucker auf einer Ebene unter:
zuckerstueck

Abb. 1: Ein Quader mit Quadratgrundriss von Kantenlänge 16 mm. Glasdurchmesser 58 mm. Abb. 2: Naiver Versuch – könnte knapp hinkommen. Abb. 3: Hingefummelt. Abb. 4: Schüttung, die die Gut-ein-Drittel-Linie mit Wohlwollen überschreitet. Abb. 5: Wieso nicht so?

 

 

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