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zensurschere-6014Joseph Kuhn, Scienceblogger zum Thema Gesundheit, ergänzte einen Beitrag von sich zum Thema Sterbehilfe mit einem Kommentar, in dem er unter Punkt 2 schreibt:

2. Es wurde auf die wichtige Abwägung zwischen Respekt vor der Autonomie der Menschen und Pflicht zur Fürsorge hingewiesen, d.h. dass es nicht darum gehen könne, einen Automatismus zu schaffen, der vom geäußerten Todeswunsch ohne Weiteres zum assistierten Suizid führt. Nötig wäre vielmehr so etwas wie eine “herausgeforderte Autonomie”, d.h. dass ein geäußerter Todeswunsch z.B. mit konkreten palliativmedizinischen und andere Hilfestellungen konfrontiert wird. In einer fürsorglichen Achtsamkeit gegenüber der Autonomie der Menschen bestünde auch eine Lehre aus den Erfahrungen mit dem Krankenmord der Nazis.

Quelle: Selbstbestimmung und Sterben – Gesundheits-Check

Darauf kommentierte ich:

Der Massenmord der Nazis bestand doch nicht darin, achtlos Sterbewünsche zu erfüllen, oder mit sanftem Druck Sterbewünsche zu wecken, sondern es war doch schlicht und ergreifend Mord. Die Kranken wurden nicht gefragt. Auch die Totenscheine wurden gefälscht.

In diesem Zusammenhang nicht uninteressant ist die Analyse des Vorbehaltsfilms Ich klage an von Hans Schmid auf Telepolis, der die Propaganda der Nazis, etwa den Begriff Euthanasie, und die Realität, gegenüberstellt – im Rahmen einer sehr langen und interessanten Artikelserie.

Der Kommentar erregte Herrn Kuhns Missfallen, und er reagierte darauf so:

@ user unknown:

“Der Massenmord der Nazis bestand doch nicht darin, achtlos Sterbewünsche zu erfüllen”

Nein. Hat das jemand behauptet, Ihre Fomulierung suggeriert es?

“es war doch schlicht und ergreifend Mord”

Ja. Hat das jemand bestritten, Ihre Formulierung suggeriert es?

Heute muss man nicht dem Mörder in den Arm fallen, sondern schauen, warum jemand z.B. bei schwerer Krankheit nicht mehr leben will und ob er vielleicht nur die Hilfe nicht bekommt, die er braucht.

Kann es sein, dass Sie schon wieder auf dem Trip sind “Ich halte mal dagegen, egal ob es Sinn macht oder nicht”? Falls dem so ist: Dazu habe ich bei dem Thema noch weniger Lust als beim Genderthema und ich lösche Ihre Kommentare diesmal, bevor Sie den Gaul zutote geritten haben.

Ich reagierte darauf mit einem weiteren Kommentar, der mit dem Hinweis des Hausherrn, er habe mich gewarnt, gelöscht wurde. Leider habe ich keine Kopie des Kommentars, so dass ich ihn aus dem Kopf zu rekonstruieren versuche. Sinngemäß lautete er:

Ich widerspreche der Unterstellung, dass ich je auf einem solchen Trip, wie Sie es nennen, gewesen sei.

Wie soll denn der Satz: „In einer fürsorglichen Achtsamkeit gegenüber der Autonomie der Menschen bestünde auch eine Lehre aus den Erfahrungen mit dem Krankenmord der Nazis.“ verstanden werden?

Eine Lehre aus den Erfahrungen mit der Vernichtung unwerten Lebens der Nazis ziehen zu wollen unterstellt ja eine gewissen Nähe. Worin soll diese Nähe bestehen? Aus welcher Perspektive ist hier eine Lehre zu ziehen? Sicherlich kann man nicht behaupten, dass die Nazis etwas sinnvolles geplant hätten, was ihnen dann entglitten ist.

Es gab bei den Nazis nie einen Plan für ein selbstbestimmtes Sterben – die Nazis wollten alleine bestimmen und haben alleine bestimmt, wer sterben muss. Was soll man bitte daraus lernen?

Lediglich der Propagandafilm „Ich klage an“, der das Vernichtungsprogramm der Nazis begleitete, behandelte Sterbehilfe als den geäußerten Wunsch einer Betroffenen. Hier eine Parallele zu heutigen Positionen in der Sterbehilfedebatte zu behaupten heißt, der Propaganda aufzusitzen.

Ich weiß nicht, was an dieser Äußerung eine Löschen des Kommentars rechtfertigt. Zur Not hat man aber seinen eigenen Blog, um die eigene Position unzensiert darzustellen.

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2 Gedanken zu „Selbstbestimmung und Sterben – Gesundheits-Check

  1. dorotheawagner

    Es ist vielleicht interessant zu wissen, daß die Podiumsdiskussion im NS-Dokumentationszentrum München stattfand. Meines Erachtens war der Fehler damit schon vorprogrammiert, und er drückte sich auch schon im Titel der Veranstaltung aus: „Lernen aus der Geschichte – Welche Bedeutung hat die NS-‚Euthanasie‘ für die aktuelle Debatte um die Sterbehilfe?“ Warum hat man überhaupt einen Bezug zur NS-Zeit hergestellt? Um mehr Publikum anzulocken?

    Antwort
    1. user unknown Autor

      Danke! Da mir niemand in der Diskussion zur Seite sprang habe ich mich schon gefragt, ob ich wirklich so absonderlich denke, dass man mir nicht folgen kann.

      Antwort

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