– Vielfalt ist Schönheit – 

vielfalt

Gestern bin ich auf Twitter über den Hashtag #vielfaltistschönheit gestolpert. Dieser erregte gleich meinen Widerspruch. Schönheit ist eine Eigenschaft, die einer Sache oder einer Person zugeschrieben werden kann. Vielfalt dagegen gibt es in Gruppen oder Sammlungen, vielleicht. 

Spitzfindig könnte man noch versuchen Schizophrenie als Vielfalt in einer einzelnen Person zu erklären, oder Vielfalt als Variation über die Zeit – gestern hatte ich einen Bart, heute ist er ab, morgen futter ich mich kugelrund und nächste Woche färbe ich mir die Haare – zu definieren, aber das ist hier offenkundig nicht gemeint. Gemeint ist, dass niemand schön ist und alle. Jeder auf seine Weise, Schönheit wird geächtet, insbesondere Normschönheit, also was die Mehrheit schön findet.

Vielfalt ist schön, das hätte ich verstanden und kein Problem damit, aber hier wird doch das Kind mit dem Bade ausgekippt, bzw. man lügt sich in die Tasche, und beschädigt die eigene Glaubwürdigkeit, in dem man einem simpel gestrickten Weltbild ein noch simpler gestricktes Gegenbild entgegenstellt. Einfalt gegen Schönheit.

Die große Resonanz hatte dieser Aktionstag nicht. Mein Versuch meine Kritik an dieser Aktion mit Links zu unterfüttern wurde durch die Google-News-Suche ausgebremst. Außer dem Familienministerium und einigen wenigen, feministischen Aktivistinnen und dem Schlagwort pinkstinks findet man wenig bis gar nichts zu der Aktion.

Offenbar steht sie in Zusammenhang mit der neuen Staffel GNTM, Germanys next top Model. Man beklagt ein einseitiges Rollenklischee, den Drill junger Mädchen auf Äußerlichkeiten, deren Folge Magersucht und Essstörungen seien.

Damit gehöre ich nicht zur Zielgruppe und habe diese Sendung allenfalls mal beim Zappen sekundenweise gesehen. Problematischer, wenn mein Eindruck nicht täuscht, als das Streben nach Schönheit, scheint mir dabei die Darstellung junger Mädchen als intrigante Zicken und das ausgestellte Mobbing. Das Rezept dagegen ist jetzt Gegenmobbing?

Man kann sich bei einem Grillunfall mit Benzin das ganze Gesicht verbrennen – das trägt dann enorm zur Vielfalt in der Gruppe bei; das ist Schönheit? Ein schönes Gesicht kann nichts entstellen heißt es, aber im Extremfall eben doch. Und ein bischen was kann man schon immer machen, etwas Rouge, eine andere Frisur, viel mit Klamotten und auch mit teils riskanten Schönheits-OPs, ob letzteres hilft, darüber kann man aber oft streiten. Wo fängt es an, wo hört es auf, lässt man eine fette Warze entfernen, verkleinert man eine abnorme Nase, lässt man sich alle 6 Monate was anderes machen und spritzt man den Busen auf, bis man das Gleichgewicht nicht mehr halten kann?

Dass man hässliche Menschen nicht hänselt, das wird in einem vernünftigen Gespräch jeder zugeben, aber wer führt schon vernünftige Gespräche? Was ist mit hässlichen Stimmen? Ist auch schriller, schiefer Gesang schön, weil er die Vielfalt erweitert? Mit solch schiefen Parolen ist niemandem gedient, sie sind selbst nicht schön. Ein Großteil der Schönheit ist nicht eigener Verdienst, sondern man kommt so auf die Welt und kann dann nur an den letzten 10% etwas machen. Abgesehen vom Gesichtsausdruck, Übergewicht und Magersucht, wobei letztere niemand, auch kein Mann, schön findet. Griesgrämige Menschen, gestresste Menschen, wütende Menschen sind selten schön, dagegen sind fröhliche Menschen, glückliche und lachende Menschen, vor allem verliebte Menschen oft eine große Portion schöner. In der Gegenwart eines geliebten Menschen blühen manche regelrecht auf. Das kann man mit OPs und Schminke nicht erreichen, aber es ist dafür auch sehr kurzlebig.

Kapitalismus, Industrie, Medien, v.a. Privatmedien und Männer sind natürlich schuld an der Misere. Und das Ideal ist nicht die Bedingungen für Schönheit zu verbessern, sondern Schönheit zu leugnen – angeblich, in dem Vielfalt als Gegenideal propagiert wird. Nur: Wenn das alles als gleichschön empfunden würde, das würde die Vielfalt doch auch wieder einschränken.

Dank protestantischer Arbeitsethik und Faschismus soll man in Deutschland auf nichts stolz sein, außer man hat es hart erarbeitet und am besten darunter gelitten wie ein Schwein. Was einem so zufällt, nennen wir es Schicksal, Gene, Talent, das ist alles nichts wert. Allerdings übersieht diese Ideologie, dass auch Ausdauer und Intelligenz, Arbeitsmoral und Geduld, Ehrgeiz und Wettbewerbslust nicht gleichmäßig verteilt sind. Teils kompensieren die Leute natürlich, dass sie hässlich sind wie die Nacht, in dem sie irgendwas lernen und dann für das, was sie leisten geliebt oder zumindest geachtet werden. Würde das klappen, mit einem vorurteilslosen Blick auf Körper und Gesichtszüge der Menschen und jeder würde geliebt wie er ist, wer weiß, vielleicht würden die allgemeinen Anstrengen etwas zu tun, womit man sich beliebt macht, zurückgehen und wir würden in Faulheit und Gleichgültigkeit regredieren.

Die Schönheitsideale unterliegen einem Wandel. Bekannt ist, dass das Rubensideal Rundungen, Fettpolster und Fülle bedeutete. Aber so unterschiedlich die Schönheitsideale verschiedener Kulturen waren, von mit Ringen gestreckten Hälsen und Tellern in den Lippen, eingebundenen Füßen hin zu Piercings und Tätowierungen – gab es Kulturen ohne Schönheitsideal? Ist das erstrebenswert?

Vielfalt ist Schönheit und Unwissenheit ist Macht.

Oder ist eine Rose eine Rose und Schönheit Schönheit und Vielfalt Vielfalt?

Ich fühle mich auch an den Spruch erinnert, Rassismus ist keine Meinung, Rassismus ist ein Verbrechen. Da sage ich auch nein! Rassismus ist in erster Linie eine Einstellung, und damit noch kein Verbrechen. Die Einstellung kann zu Verbrechen führen, aber eine Meinung ist Rassismus natürlich auch nicht. Meist geht sie mit einem Bündel an Meinungen einher und oft mit falschen Ansichten, wobei die Einstellung zu den Irrtümern über die Tatsachen führt und nicht die Irrtümer zu den Einstellungen.

Aber solche schiefen, wenn auch griffigen Parolen, helfen nicht weiter. Bunte Burkas sind auch Vielfalt. Gedecktes dunkelblau, lila, ein frisches Steingrau oder ein lebendiges Mausgrau – der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt!

Es sind nicht alle Menschen gleichschön, es sind nicht alle gleichklug, wir werden nicht alle gleichalt und nicht immer ist ein Verbrechen Schuld daran. Wir sind nicht gleichgroß und gleichschnell, gleichstark und -geschickt. Erwachsen werden heißt, damit klarzukommen, nicht die Realität zu leugnen. Wie viel sich in einer freieren Gesellschaft an Gerechtigkeit erreichen lässt, das wird noch ein weiter Weg das rauszufinden. Selbstbetrug und Betrug führt aber nur in potjemkinsche Dörfer.

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