– Heilige Bücher – 

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Zum 1. 50. Jahrestag der Auflösung des Index der verbotenen Bücher der katholischen Kirche (der zweite Jahrestag ist erst 2016, der dritte 2017*), besser bekannt unter dem eingängigen Namen Index Librorum Prohibitorum, eine kleines Quiz und eine Anekdote:

Quiz:

Von Adolf Hitler, Sigmund Freud und Jean Paul Sartre – welcher der 3 Autoren schaffte es nicht auf den Index?

Anekdote: 

Nachdem der Vatikan die Schriften Sartres auf den Index gesetzt hatte erhob die streitlustige, französische Regierung Sartre zum Abiturprüfungsstoff. Da auf den Verstoß gegen das Verbot die Bücher zu lesen die Exkommunikation stand hätte dies der Beginn einer Epoche werden können, in der Christen von akademischen Berufen ferngehalten wurden. Allerdings behalfen sich die kirchlichen Bildungseinrichtungen damit, den prüfungsrelevanten Stoff als Sekundärliteratur aufzubereiten und so dem Staat halbwegs Paroli zu bieten. Wieviele Heuchler heimlich doch das Original lasen aber dennoch weiter zur Kirche gingen und die grobe Sünde arglistig bei der Beichte verschwieg ist nicht überliefert. Auch wie das Prozedere der Exkommunikation aussieht, ob man gleich im Beichtstuhl gefeuert wurde oder vielleicht öffentlich im nächsten Gottesdienst geächtet wurde ist mir nicht bekannt.

*) 

Am 7.12.1965 wurde die Einstellung des Index beschlossen, weil die Kirche der jährlich wachsenden Flut an Büchern nicht mehr Herr wurde. Der Beschluss blieb jedoch weitgehend unbeachtet und wurde 1966 noch mal ausdrücklich verkündet, nachdem das Fehlen einer turnusmäßigen Erwähnung schon 1965 hätte auffallen können. In Kraft trat der Beschluss dann erst 1967. Ob es in der Übergangszeit noch Exkommunikationen nach der alten Verordnung gab, oder ob man angesichts der neuen Politik auf derartige Ausschlüsse verzichtete kann ich nicht sagen.

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2 Gedanken zu „Heilige Bücher

  1. dorotheawagner

    Drei Leute, denen der Beitrag gefällt, aber keine Antwort auf die Quizfrage! Da wage ich mich mal hervor. Wahrscheinlich stand Hitler nicht auf dem Index. Sonst hättest Du die Frage nicht (oder anders) gestellt. [Sigmund Freud schrieb sich übrigens ohne e, auch wenn die Ethymologie die gleiche ist.]

    Ich war ja in den späten 70er und frühen 80er Jahren bekanntermaßen auf einer Nonnenschule in bischöflicher Trägerschaft. Da haben wir ziemlich viel Sartre gelesen – und zwar sowohl im Original im Französisch-Leistungskurs als auch in deutscher Übersetzung im Religionsunterricht (ein halbes Jahr war dem Thema „Atheismus“ gerwidmet).

    Wußtest Du, daß Sartre ausgerechnet in Trier in Kriegsgefangenenschaft war? Und daß er in Trier mit einem Jesuitenpater befreundet gewesen sein soll? https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Paul_Sartre#Studium.2C_Berufseinstieg_und_Krieg

    Antwort
  2. user unknown Autor

    Dass mit der Kriegsgefangenschaft weiss ich, aber in Trier habe ich davon nichts erfahren.
    Die Spekulation ist richtig – Hitlers Werk kam nicht auf den Index.
    Sigmund wird korrigiert.

    Ich habe gehört die Grande Nation habe, als Sarte auf den Index gesetzt wurde, Sartre zum Abiturthema gemacht, und damit alle katholischen Schulen und Internate in die Bredouille gebracht. Dort mussten die Schüler dann aus Sekundärliteratur mit dem Stoff vertraut gemacht werden, was aber dann auch getan wurde.

    Antwort

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