Defektkaskadeescape-2

Manchmal verabschiedet sich Technik, und das fällt besonders auf, wenn sich die Ausfälle zeitlich ballen und wenn Rückfallsysteme auch betroffen sind.

So verlor ich kürzlich ein Mobiltelefon im Zug, wie ich dachte, und auf meine Anrufe bei diesem reagierte niemand. Die Bahn hatte es auch nicht gefunden – die wollen übrigens 7,50 € für die Rückgabe haben, was ich relativ teuer finde. Online konnte ich feststellen, dass das Guthaben noch 10,30 betrug – ein Prepaidgerät, und Vodafone war so nett die Nummer zu sperren und mir eine neue Simkarte mit diesem Guthaben ohne jeden Abzug – nicht mals für’s Porto, zu schicken.

Einen großen Wert stellte das Telefon selbst nicht dar. Das Display ist gesprungen und es hat nur eine Funktion über’s Telefonieren hinaus, die erwähnenswert ist: Ein Radio. Ich fahre quasi nie S-Bahn und Bus und brauche daher kein Smartphone. Meist bin ich zu Hause und kann mit dem richtigen Computer ins Netz, an dem ich auch richtig tippen kann. Auf dem Fahrrad, gerade bei Strecken die ich schon kenne, höre ich gerne Radio.

Ich hatte noch ein altes Motorola-Klapphändy mit Radiofunktion, dessen Akku aber schon schwach ist. Von dem Modell habe ich sogar 2, denn das Display ging bei einem kaputt – außer dass es in einer sehr kalten Neujahrsnacht mit unterwegs war war ihm gar nichts passiert – und ich hielt es für sehr clever mir das gleiche Modell gebraucht über Ebay erneut zu besorgen, weil ich dann 2 Ladegeräte, 2 Akkus hätte und eventuelll noch mehr mit dem einen das andere flicken könnte.

Aber der Stecker passte irgendwie nicht mehr, der des Ladegerätes. Also der Stecker von Ladegerät 1 nicht bei Apparat 1 und auch nicht der von Gerät 2 und beide Stecker auch nicht bei Apparat 2, was doch seltsam war. Dass es die richtigen Ladegeräte waren, daran bestand kein Zweifel, denn sie waren lange im Gebrauch bei mir und haben eine charakteristische Form. Ich versuchte es mit Geschick und mit Kraft und mit Geduld – nichts zu machen.

Und dann ging das LCD-TV kaputt. Eine Schenkung mit einem schweren Bildfehler, einem dunklen Fleck, groß wie Afrika, wenn man eine Weltkarte gezeigt hätte, und ähnlich in der Form, aber auf der Nordhälfte des Fernsehbildes gelegen und daher wirklich auch in abseitigen Szenarien einfach nicht sinnvoll zu verwenden. Und während ich auf Phönix den Papst im EU-Parlament sehen wollte machte der Fernseher so ein neumodisches Zappgeräusch, und das Bild war ganz schwarz, nur der Ton noch da, in Eins-A-Phillipsqualität. Andere Sender, gleiches Bild. Ausschalten und 30 Minuten warten, einschalten – das nämliche

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Letztes Photo des alten TV-Geräts, arbeitend, Arte,

Gut – schon in der Bibel steht: Wer zum Papst greift kommt darin um – oder so ähnlich. Im Internet, bei den Ebay-Kleinanzeigen gibt es eigentlich immer Fernseher für umsonst, weil die Leute ihre alten Röhrengeräte abstoßen für neue Flachbildfernseher, obwohl das alte Rohr noch Elektronen feuert wie notgeil. Das ist ja auch rational: Man spart fast einen halben Quadratmeter was mit ca. 5 € pro Monat oder 50 pro Jahr zu Buche schlägt – je nach Wohngegend mehr oder weniger. Auf 10 Jahre, die so ein Gerät vielleicht genutzt wird sind das 500 € – das macht sich bezahlt.

Gerät eins hatte schon einen Interessenten; ich solle später nochmal fragen ob es weg ist. Bei Adresse 2 meldete sich niemand. Nr. 3 schon weg. Also schaute ich bei den käuflich zu erwerbenden und fand ein Minigerät für 5 Euro, gleich um die Ecke. Das kaufte ich kurzerhand und holte es ab. Aufgebaut zeigte sich aber, dass es arg klein ist.

cimg5770Sonyröhre, Neuzugang.cimg5769 Fast so tief wie breit.cimg576877cm Bildschirmdiagonale.

Also rief ich bei dem ’später‘-Gerätehalter noch mal an, und tatsache – es war nicht abgeholt worden. Vor Ort merkte ich dann wieso. Der gute Mann hatte ein kleines, unscharfes Bild eingestellt auf dem mir das Gerät wie ein 50er oder 60cm-Diagonalegerät vorkam, also gerade so zu schleppen, die Treppen. Für den Weg hatte ich einen Einkaufsroller ohne Beutel, extra für solche Fälle angeschafft, dabei. Das Gerät war auch ohne Typbezeichnung eingestellt worden und ohne jede Größenangabe – zudem hatte es einen gigantischen, gerätespezifischen Fuß. Vor Ort war ein Aufzug, damit bekam ich es runter und nach 20 Minuten hatte ich es irgendwie auf den Roller geschnürt. DVB-T-Empfänger, Fernbedienung und Fuß ließ ich zurück. Das Klappern im Gerät käme von einem Schlüssel, den der kl. Sohn des Hauses dort eingeworfen hätte – ich bräuchte nur hinten kurz aufschrauben, dann bekäme ich den raus, verstand ich – der Mann sprach recht immigrantisch. cimg5774

Alle 10 Meter musste ich mit dem Monstrum pausieren. Zum Glück gab es einen Aufzug zur U-Bahn. Von dort brauchte ich statt 3 MInuten so ca. 20. Vor dem Treppenhaus des Quergebäudes stellte ich die Kiste ab, machte einen Zettel dran „Nicht zu verschenken! Nicht kaputt! Suche jmd. der schleppen hilft. Telefon …“.

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Tatsächlich meldete sich am nächsten Tag, noch bevor ich den Restkrempel abholen ging, ein Hermesbote, der meinte das Gerät müsse wo hin gefahren werden und bot seinen Transporter an. Ich klärte ihn auf dass es ums Treppenhaus geht und wir schleppten das Gerät in einem großen, grünen Waschzuber 3 Stockwerke rauf, oder 2½ – dann musste ich Luft holen und der Verrückte wuchtete sich das Gerät in die Arme und schleppte den letzten Abschnitt alleine hoch. Das versprochene Trinkgeld von 5 Euro einstreichend dachte er noch ein gutes Geschäft gemacht zu haben. :)

cimg5777Ich Idiot schraubte jetzt hinten auf und fand einen Tieftönerboxenausgang wo das Loch war, in dem der Schlüssel verschwunden war. Die Rückwand war schon mit 11 Schräubchen befestigt, die Box nochmal mit 3en und dann kam ich auch erst an die Schlüssel, es waren gleich 2, als ich die Box öffnetet – nochmal 5 Schräubchen.cimg5780Der Einkaufsroller ist inzwischen auch Schrott – beachten Sie die wenig parallel stehenden Räder. Der alte LCD-Schirm beim Sperrmüll, der ist, obwohl ebensobreit (80cm Diagonal) mit dem Rad entsorgbar gewesen.

Auf der Zugreise war es noch zu weiterem Ärger gekommen, und zwar hatte ich den UMTS-Stick eingesteckt der noch vor einem halben Jahr permanent Internet geliefert hat. Zu Hause noch aufgeladen mit 15 Euro wollte er unterwegs dann seine PIN wissen. Das wollte er noch nie! Was soll das? Ich habe doch auf Reise nicht die PIN mit! Also bis dato, zumindest. Jetzt alles zusammengesucht, Kärtchen auf den Scanner gelegt, gescannt und als Datei gespeichert. Und bis ich realisierte, dass es nicht um die oder eine PIN des Sticks geht, sondern der SIM-Karte… – hatte ich trotzdem nicht dabei. Aber wieviel Zeit man mit rumprobieren verplempert.

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Gut, und dann habe ich da noch eine mittelgroße Kollektion an mehr oder weniger schrottigen E-Zigaretten die aber einer längeren, eigenen Würdigung entgegensehen. Da ein neues, gebrauchtes Modell abzuholen radelte ich bis in die nördlichsten Ausläufer Neuköllns und da es dort, in der Sonnenallee, viele winidige Elelktrogeschäfte gibt mit Mobiltelefonen unklarer Provenienz stolperte ich in einen dieser Läden rein.

Zuvor, das muss ich hier einschieben, hatte ich erfahren, dass es für 18 Euro ein neues Mobilfunktelefon ohne Vertrag aber mit Radio gibt. Soll man oder soll man nicht? Oder doch ein Smartphone kaufen, billig oder ganz billig, und dann auch mal probieren dafür was zu programmieren, was es noch nicht gibt?

Das dumme an den Geräten ist, dass sie die ganze Technik- und Kartenabhängigkeit durcheinanderwürfeln. Ein Smartphone hätte zwar ein Radio – zumindest das Billigteil für 65 Euro, vertragsfrei, aber auch eine Kamera integriert. Ich brauche zwar oft eine Kamera – und hier verheddern sich jetzt die Stränge – aber ich zoome bei jeder 2. Aufnahme, und das ist die Stärke der Schmachtphones nicht.

Aber meine Kamera ist jetzt auch in ihrem Spätherbst. Für 25 Euro rund, auch von Ebay, und erst 1,5 Jahre bei mir, aber egal wo ich hingeh, ich habe sie täglich dabei und nutze sie auch alle 2-3 Tage. Früh war ein Displayschaden, ein 1¢-großer, schwarzer Fleck zu vermelden. Dann öffnete der Verschluß kaum noch, ohne dass man mit dem Finger einen Stubs gibt. Und seit einiger Zeit stottert jetzt das Objektiv beim Zoomen. Bis man den 10fach-Zoom, immer noch ein guter Wert für solche Digitaltaschenknipsen, bis zum Anschlag ausgefahren hat ist der lustige Vogel an Altersschwäche gestorben.

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Ist das hier ein Eichelhäher? Ornithologen vor! Die weiße Flügelbinde verleitet den Grafiker in mir ja dazu, ein Symbol verfassungsfeindlicher Organisationen draufzumalen, aber das hat das arme Tier nicht verdient, und Vogel ist ja Islamist – was ich meine passt besser zu Apfel; vor allem aber ist es verboten. Der Lacher rechtfertigt das Risiko hier nicht. 

Zurück zum Thema! (Seltsam dass es die Internetabkürzung ZzT noch nicht gibt, oder gibt es?) ZzT: Die Kamera mit ihrem Defekt kann man neutral besehen nicht zur Katastrophenkaskade zählen – das schleppt sich so schon einige Wochen hin, aber der finale Ausfall könnte andererseits kurz bevorstehen und so spukt sie mit ihren Schwächen in meinem Kopf und verstärkt derart die anderen Probleme.

Und mit derart wirrem Kopf ich in den Elektroladen. Gebrauchte Händys mit Radio? Unter den 18 Euro, für die man ein neues bekommt, ist nix zu machen. Digicams mit 10fach-Zoom oder mehr, optisch, versteht sich?

Ja, ja, jede Menge, etwa hier für 35 Ocken, Casio-Exilim HX15. Hm. Sieht solde aus. Vorführen? Nun – der Akku ist leer. Zubehör: Keins. Ein Universalaufladegerät gäbe es dazu, welches er sonst für 10 Euro verhökert. Dann war er beschäftigt damit den Akku da irgendwie einzuklemmen, aber ich war hellhörig. Damit könnte ich dann ja meine Händyakku auch aufladen? Glücklicherweise war er zu beschäftigt mit dem Patentladegerät um zu sehen, wie sehr ich angebissen hatte. Aber in 2-3 Minuten lud der Akku natürlich nicht genug um die Kamera ausprobieren zu können.

Mehr Modelle der Kategorie hatte er doch nicht – er hatte das durcheinander gebracht und an Megapixel gedacht und versuchte mich mehrfach auch für X-Megapixel zu interessieren, merkte dann aber, dass ich da völlig kalt bleibe.dscf9289 Universalladegerät von oben im Einsatz. Links der eingeklemmte Akku, unter der transparenten Abdeckung 2 Metallfühler die von diesem an ungewollten Kontakten zu anderem gehindert werden sollen. Rechts ein unscharfes Display, welches den Ladefortschritt anzeigt.

Radios ganz ohne Telefon hatte ich auch etwas gegoogelt und für unter 10 Euro mit MP3-Player gefunden. Sowas hatte er aktuell nur mit einem Modell ohne Anzeige der Frequenz, nur mit Sendersuche > und < und automatischer Pause wenn der Sender stark genug ist. Da ich oft Inforadio (Bundesligakonferenz) hören will, der oft recht schwach nur reinkommt keine gute Idee.

dscf9296Hier von der Seite. Unten verschwindet der weiße Stecker in der schwarzen Verlängerungsbuchse. Oben die gefederte Abdeckung, die den Akku einklemmen soll (re.o.) während die Füße auf die Kontakte treffen. Vorne auch ein USB-Anschluß, über den man den Lader speisen kann.

Ohne Kontrolle was das genau für ein Gerät ist war der Kauf ziemlich leichtfertig, aber die spätere Recherche zeigt, dass das schon ein teures Gerät einst war, und auch noch nicht so alt ist – 2-3 Jahre und Originalpreis 320 € – dafür war es doch ein guter Griff. Zum Vergleich: Davor hatte ich eine Fuji finepix 300, auch optischer 10fach Zoom – akustisch ist nichts verbürgt. Da so eine Kamera mit mir einiges mitmachen muss und nicht sanft behandelt wird will ich über die Defekte nicht klagen. Abends/nachts/in Räumen war nicht so ihre Stärke. Booten hat mir auch zu lange gedauert, eigentlich.

Bei der neuen dachte ich, ich könne da einfach einen der multiplen USB-Stecker anbringen, aber Pustekuchen.usb-stecker

Alle so ähnlich aber keiner passt. Casio hat ein eigenes Format (evtl. zusammen mit Olympus)! Super Idee! Aber bei Ebay habe ich ein günstiges Zubehörset gefunden. So komme ich hoffentlich dann an die ca. 20 Bilder, die ich achtlos auf der Kamera statt auf dem Chip gespeichert habe.

Auch unterwegs, aber aus China: Ein Radio ohne Telefon. Dann bekam ich von einem Umsteiger auf ein Seniorenhändy dessen Alttelefon. Hat Kamera und kann man zuklappen – leider kein Radio drin. Inzwischen hat sich dann aber das verlorene doch noch eingefunden – in Trier, nicht im Zug verbummelt.

cimg5877Mit dem Universalakkulader kann man tatsächlich Mobiltelefonakkus aufladen und den Cameraakku. Es ist aber fummelig und würde mich mit der Zeit in den Wahnsinn treiben. Wenn ich da nicht schon wäre. Praktisch, wie man den Stecker einklappen kann – zum Transport, oder wenn man den USB-Zugang nutzt. Unpraktisch, dass die technischen Infos weiß auf weiß als Relief erscheinen. Mit Wachsstift die Kanten einzufärben kann nicht als geglückt empfohlen werden.cimg5874

Dann ist noch zu vermelden, dass das Motorola-W220 einen sehr schmalen Audioausgang hat, so dass kaum ein gängiger Kopfhöreranschluss darauf passt. Allerdings fand ich einen Adapter, an dem man die billigen 1-2 €uro-Hörer anschließen kann. Und jetzt kommt aus dem Kopfhörer nichts mehr raus – nur um die Serie an Ausfällen fortzusetzen. Das machte mir aber erstmalig bewusst, dass man auch über den Lautsprecher Radio hören kann – nur der Akku schmilzt schneller dahin. Den Adapter muss man dennoch einstöpseln – er dient wohl als Antenne. In die Jackentasche gepackt hört man auf der Straße aber nix mehr, spätestens wenn man die Kapuze überzieht. Man muss also das Radio unter die Kapuze schieben.

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