doppelt-durchgezogene-linieKreuzbergstraße, südlich vom Victoriapark

Der jüngste Schrei Berliner Radwegneuerungen ist ein Streifen auf der Fahrbahn, sogar halbwegs breit, und ich will nicht die 2-3 Punkte vergessen zu loben, die Lob verdienen. Also bringen wir es hinter uns. 

  • Der Radweg wird nicht von parkenden Autos vor dem Autoverkehr versteckt – freie Sicht auf den Radfahrer und freie Sicht vom Radfahrer.
  • Es ist kein Klein-Klein mit Slalomfahrt zwichen Bushaltestelle und Litfaßsäulen, Poller und Briefkästen, Autofahrern zwischen parkendem Fahrzeug und Ladenlokal oder Arztpraxis und Anwaltskanzlei. Man kann 40 km/h fahren wenn es die Beine drinhaben.
  • Man hat keinen idiotischen Straßenbelag, wie bei den Auf-dem-Bürgersteig-Radwegen oft, wo grobe Pflastersteine den Fahrradmantel abschrubben, weil auch die Räder umgekehrt den Stein nicht abschleifen, wie es im Laufe der Zeit wohl Autos tun. Teils hatte man aber einen roten Fahrbahnbelag, der jetzt aber offenbar wieder abgeschliffen wird – ob er besonders rutschig war? – ich weiß es nicht, zumindest machte er bei Regen sehr den Eindruck.

Ich würde sagen, dass es das ungefähr war, und es sind eigenltich nur Nachteile, die der Radweg nicht hat, die man loben kann, nicht eigentliche Vorteile.

An den zwei Einmündungen Möckernstraße und Großbeerenstraße wird großzügig zuvor und dahinter der Radweg nicht durch eine perforierte Linie, sondern durch eine doppelt durchgezogene Linie begrenzt. Kein Mensch weiß was das bedeutet, zumindest kein Radler oder Autofahrer, aber Ihnen verrate ich es jetzt: Hier ist die Linie so strikt zu beachten wie eine bauliche Maßnahme, etwa eine Verkehrsinsel.

Die 10% Autofahrer, die den Ruf der ganzen Gruppe ruinieren, glauben dass die Linie bedeutet, dass man als Autofahrer, der darüber fährt, und das Auto dort nur kurz abstellt, weil er sonst nirgends einen Parkplatz findet, die Warnblinklichtanlage einschalten muss, die dem Rest der Teilnehmer sagt „Vorsicht – hier steht ein Idiot!“. Ganz unrecht hat er ja nicht.DSCF6537

Jedenfalls sind diese Radwege oft genug von Lieferverkehr und anderen Autos durch Halten und Parken mitgenutzt, teils ragen auch nur besonders schöne Teile der Autos auf diese Radwege. Doof ist aber auch, wenn der Autofahrer links von diesen hält. Wenn die Tür nach rechts aufgeht, und man kann selten so in die Autos reinsehen, dass Beifahrer ausgeschlossen werden könnten, dann muß man nach rechts in das ohnehin stehende Blech ausweichen.

Worauf ich v.a. hinauswill ist aber, dass die Straße immer wieder schubweise, wenn die vorherigen Ampeln (Katzbachstraße oder Mehringdamm) die PKWs reinlassen, eine kl. Kolonne von 5-6 PKWs erlebt, aber da kaum ein Radler 50 km/h fährt, treffen Radler und PKWs selten zugleich an den T-Stücken ein. Die Autos haben den Radler längst überholt und zurückgelassen und die Radfahrer sind dann unter sich, können sich aber gegenseitig kaum übeholen, denn wie das Bild hoffentlich zeigt ist es zum Überholen doch zu eng. Die doppelte Linie verbietet aber das Ausweichen auf die PKW-Spur, obwohl in 9 von 10 Fällen gar kein PKW da ist, den man behindern oder belästigen würde.

Man kann den Radler natürlich anklingeln, dass er nach rechts ein wenig an den Rand fährt, so dass man noch daneben passt, aber der greift sich natürlich an den Kopf, dass man nicht die freie Straße benutzt – doppelte Linie hin oder her. Pragmatisch gesehen nicht zu Unrecht, aber das Verkehrsamt drängt einen so, sich über die Regeln hinwegzusetzen, weil diese unvernünftig sind, und Radfahrer, die sich aus Gewohnheit schon über Regeln hinwegsetzen hat die Stadt offenbar noch nicht genug.

Fragt sich, wem der Radweg überhaupt nützt. Die Autos können nicht mehr 2spurig fahren und sich gegenseitig überholen, und die Radler auch nicht. Vielleicht bremst der Radweg die Autos ein wenig, die sonst hier kurze Sprints hinlegen könnten, als Bypass zu Dudenstraße im Süden und Yorckstraße im Norden, oder es soll den Radlern einen Sicherheitsabstand überholender PKW garantieren. Streckenweise ist es ein implizites Überholverbot für Radfahrer. Würde man die Schilder verschrotten und die Linien weglassen würde dem Verkehr nichts wichtiges fehlen. Der Aufwand steht m.E. in keinem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen. Man kann ja auch nicht jeden Meter mit Radwegspuren ausstatten, also müssen PKW und Radler sowieso lernen Straßen gemeinsam zu nutzen und Abstand zu halten.

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