neuland-II-6302

Neuland II – ein Schlimmererweg?

Die Regierung will mit Volldampf den Breitbandausbau verschleppenfolgen.Dobrindt findet das schöne Bild vom Datentsunami der bevorsteht, um im nächsten Satz sinngemäß zu sagen, dass sich die nennenswerten Zahlen (Datenaufkommen, Durchsatz, Rechengeschwindigkeit) alle 2 Jahre verdoppeln. So wie man das von einem Tsunami kennt: Das Wasser kommt und steigt, und steigt. Und steigt weiter. 

Verdopplung im 2-Jahrestakt bedeutet übrigens, dass in 20 Jahren nicht 2*10=20 mal die Datenmengen von heute übertragen werden, was schon schwer vorstellbar ist, sondern die 1024fache Menge. Die Genauigkeit von 1024 mag albern wirken, aber binär gesehen ist das eine runde Zahl, nämlich 2¹°.

Ich kann mir heute nicht vorstellen, wofür ich das brauchen sollte, aber vor 20 Jahren konnte ich mir die heutigen Mengen nicht vorstellen. Stimmt denn die Hochrechnung, wenn man sie zurückrechnet? 1994 hatte ich 8MB RAM, heute 4 GB. Die 8 hatte ich schon einige Zeit, aber die 4 von heute habe ich auch nicht erst gestern gekauft. Das Modem hatte 14.400 bps – 14 MBit/s ist heute im Mittelfeld. Die Festplatten hatte 2120 MB, heute hat die interne 320 GB. Die CPU hatte 16 Mhz, heute mit 22Ghz bin ich 2 Verdopplungen vom Ziel der Faustrechnung weg. Im großen und ganzen kommt es hin.

Wo die Vertausendfachung hingegangen ist kann ich nicht sagen, obwohl es ja für mich kein Neuland ist. Ja, der Browser hat oft 20 Tabs offen, und in manchen lief ein Video, weswegen für diesen Tab wohl der zugehörige Flashplayer noch im Speicher ist – so kann ein Tab abstürzen ohne den ganzen Browser ins Nirwana zu reißen. Überhaupt Video ist natürlich eine fette Anwendung. Spiele auch, aber nicht mein Gebiet.

Bemerkenswert ist, dass ganz populäre Dienste wie Twitter mit seinen Restriktionen schon in alten Mailboxzeiten möglich gewesen wäre. Bei diesem Blog sind die meisten Bilder schon auf 800600 Pixel beschränkt um nicht zu groß zu werden, während die Vorlagen oft von der Digikam kommen mit 40003000. Gerade im gedrosselten Upstream wäre das in Datex-J-Zeiten kein Vergnügen gewesen.

BTX und Datex-J waren ja von der Konzeption her schon auf das Geschäftemachen ausgelegt. Es gab Seiten, deren Abruf kostenpflichtig war, und über die Telefonrechnung abgerechnet worden wäre, wenn ich das je gemacht hätte. Dafür wurde man auch vorher immer auffällig gewarnt „Wollen Sie wirklich“. Dann kamen CompuServe und AOL Mitte der 90er, und hatten fette Portale mit eigenen News, Spielen, Wetter und Partnersucheseiten – alles auf Kommerz aus. Versteckt im Eck irgendwo ein Button Internet. Scheinbar sind fast alle nur auf diesen Punkt gesurft. So ist die Durchkommerzialisierung bis auf weiteres ausgefallen.

Der User will zwar online Tickets kaufen, ob für Bahn, Bus, Flugzeug oder Oper und bei Hier&Da bestellen bis das Konto ächzt, aber die oft geschmähte Gratiskultur dürfte den Hauptteil der Zeit im Netz für die meisten einnehmen. Die Möglichkeit mitzumachen und sein eigenes Ding ist das Attraktive. Farbfernsehen hatten wir auch 1980 schon.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.