Tanzverbote

tanzverbote

Die Tanzverbote in der BRD passen eigentlich nicht in die Moderne und offenbaren einen seltsamen Umgang mit Grundrechten.

Sie zwingen Un- und Andersgläubige zu einem Verzicht, einem Opfer, dass man auf dem Altar des Christentums bringen muss, ohne dass ein vernünftiger Grund ersichtlich wäre.

Der Schutz der Gläubigen beschränkt sich nicht etwa darauf, dass der Lärm der aus einer Diskothek dringt nicht bis ins Gotteshaus hörbar sein darf – dafür könnte man ja Verständnis zeigen, 2x im Jahr, in Abhängigkeit davon natürlich wer zuerst gebaut hat.

Unverständlich, wieso der grüne Ministerpräsident Kretschmann Verständnis dafür aufbringt, außer man erwartet, dass er als Pfaffe jener Strömungen ganz ohne vernünftigen Anlass Verständnis für alles hat, was diese Religionen sich so ausgedacht haben.

Zeugt der Zwang anderen die eigenen Zwänge aufzuzwingen nicht auch von einer ungeheuren Kleingläubigkeit? Dass die Christen nur dann die Feiertage so richtig heiligen können, wenn alle anderen auch zumindest Stille halten, als müsse man als Nichtgläubiger zugeben, dass es doch 2-5 Feiertage gibt, die auch der Atheist nicht leugnen kann?

Oder haben sie Angst um jugendlichen Nachwuchs, der lieber in die Disko geht, wenn sie offen hat, quasi eine Zwangseindämmung der Konkurrenz?

Wie man auf jesus.de  nachlesen kann gibt es in Baden-Württemberg 9 Feiertage mit verschärftem Freudeverbot außerhalb der Kirche und Restriktionen an jedem Sonntag außer dieser wäre der 1. Mai oder 3. Oktober.

Wen erinnert das nicht an die Taliban, die Musikern die Hände abhacken? Niemanden erinnert es an die Taliban, denn es ist hier Tradition und man hat sich dran gewöhnt – es ist der weiße Fleck im eigenen Auge den man nicht wahrnehmen will. Ja – einerseits ist Hände abhacken auch nochmal was anderes, aber andererseits ist es ja doch überraschenderweise so, dass wir dazu neigen die Grenze des Vorstellbaren immer da zu ziehen, wo die eigene Kultur sie sowieso gezogen hat – was andere machen ist aber jenseits der Grenze.

Die Frage steht im Raum: Wo, außer im Kopf eines zweifelnden Christen, stört es, wenn Menschen die frei sind zu entscheiden, ob sie an christlichen Huldigungen ihrer Geister teilzunehmen stattdessen etwas anderes machen, etwa tanzen, Rockmusik hören, Filme schauen?

Wieso dürfen Christen anderen verbieten zu tun was sie wollen, etwas, das niemandem schadet? Oder worin liegt der Schaden? Soll das Gesetz die Richtigkeit des christlichen Glaubens unterstreichen?

Wann wird verboten im Ramadan tagsüber zu essen, überhaupt öffentlich Schweinefleisch zu verzehren? Ich glaube an den Frühlingsgott, und ertrage es nicht, wenn zwischen Mai und September gekniet und gebetet, gefastet und schleppend gesungen wird. Wenn man symmetrisch wird wird der Irrsinn auch dem letzten offensichtlich, oder nicht?

Als Berliner ist man glücklicherweise viel weniger betroffen als als Schwabe und Badenser, aber es geht ums Prinzip. Es ist eben auch an Karfreitag nur für Christen einzusehen, dass man nicht tanzen soll. Das können diese aber ohne staatliches Gesetz einhalten wenn sie wollen – den Staat geht es nichts an. Die Ausübung der Religion wird allenfalls im Kopf des Religiösen gestört – das ist aber seine eigene Schuld, wenn ihn stört, dass eine Tanzveranstaltung parallel läuft.

Update 10/2014: Rosenkranz auf Bild 2 zugefügt, blauer Hintergrund, Kleid jetzt rot.

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4 Gedanken zu „Tanzverbote

  1. Erik

    Mal davon abgesehen, dass das Tanzverbot nicht nur an „religiös motivierten“ Feiertagen, sondern bundesweit auch am Volkstrauertag gilt, finde ich es Inkonsequent, nur eine Abschaffung des Tanzverbotes zu fordern. Konsequenterweise sollte man dann auch die religiös motivierten Feiertage komplett abschaffen. Entweder man behält vor dem kulturellen Hintergrund die Feiertage (mit Tanzverbot!) bei, oder schafft sie komplett ab. Die religiösen Feiertage beizubehalten, aber die traditionellen Praktiken der Religion dann zu ignorieren, hieße sich die Rosinen aus einem Kuchen herauspicken.

    Und als Befürworter des Tanzverbotes – und als Atheist, der ich bin – noch folgende Frage: Ist es wirklich zuviel verlangt, in einer Gesellschaft an (im schlimmsten Fall) 9 Feiertagen im Jahr Rücksicht auf die größte Bevölkerungsgruppe im Land zu nehmen?

    Antwort
    1. user unknown Autor

      Was ist konsequent daran Feiertage komplett abzuschaffen, ohne dass man etwas Nachteiliges in ihnen sieht?

      Es gibt viele Ungläubige und Andersgläubige, die etwa Weihnachten mitfeiern. Im Prinzip feiern die Christen da ja selbst die Wintersonnenwende mit, ohne so konsequent zu sein dem Sonnengott zu huldigen.

      Man könnte natürlich die religiösen Feiertage abschaffen, und den Arbeitern, Angestellten und Schülern ein entsprechendes Reservoir Feiertage zugestehen, an denen jeder feiert was ihm passt – der eine Karfreitag, der zweite die Befreiung vom Faschismus, der Dritte Pesachfest oder Ende des Ramadan und der vierte Shoppingfreitag.

      Allerdings führt eine Zersplitterung zu Problemen an den Schulen, wo kein Schüler was verpassen soll. Für Firmen ist es auch praktisch, wenn alle frei haben, dann macht man einen Tag zu. Für Stau, Verkehr und Touristik hätte eine Entzerrung mehr Vorteile.

      Konsequenz ist aber auch keine Tugend. Entweder-oder kann man zwar proklamieren – begründet ist es damit noch nicht. Wieso soll man sich nicht Rosinen aus dem Kuchen picken?

      Und: Als aufgeklärter Bürger tanze ich, solange es niemandem schadet. Wem schadet dass ich tanze? Dem Religiösen? Doch nur, wenn er sich einen Kopf drum macht. Hirnkino. Wenn er will kann er ja auch tanzen.

      In einer liberalen Demokratie braucht man gute Gründe um den Leuten was zu verbieten, nicht um etwas zu erlauben, das keiner Erlaubnis bedarf. Es ergibt sich auch nirgends aus dem chr. Glauben, dass dieser ein Tanzverbot für Ungläubige fordert.

      Und was heißt zuviel verlangt? Wieso denn? Was juckt es einen Christen wenn andere tanzen? Ist er so kleingläubig, dass ihn jeder, der bei seinem Kult nicht in Ehrfurcht erstarrt, im Glauben erschüttert? Das soll er nicht anderen anlasten.

      Und wer will sich die 9 Tage merken? Letztlich ist es eine zwangsweise Teilnahme an der angeblichen Heiligkeit der Tage. Das kann aber kein Gläubiger verlangen, dass man seine Fetischtage mitehrt.

      Und wieso bekommen nicht Juden und Moslems, Buddhisten und Hindus ihre Tage der Einkehr und Besinnung dazu? Wird das von der Zahl der Follower abhängig gemacht? Das kann wohl nicht richtig sein – entweder jeder hat das Recht darauf, dass seine Tage respektiert wird, oder keiner.

      Die größte Bevölkerungsgruppe ist hier ein fragliches Konstrukt, da die Christen ja nicht gefragt werden. Kaum einer geht heute noch in die Kirche, und die, die es nicht tun, werden sicher auch wenig Wert darauf legen, dass andere, dritte sich an ein Tanz- und Spaßtabu halten, wo sie selbst nicht Betroffenheit heucheln. Gefragt hat die doch niemand. Eine Handvoll Kirchenfürsten spricht von oben herab nicht im Namen des Volkes, sondern im Namen Gottes.

      Wohlgemerkt – es geht nicht um Tanzveranstaltungen vor der Kirche, so dass die Tanzmusik in die Kirche hineindringt. Soviel Rücksicht kann man schon nehmen, da gehe ich mit.

      Antwort

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