Torlinientechnik, nachgetreten

Torlinientechnik, nachgetreten

Dankenswerterweise hat Heise einen Artikel zur Torlinientechnik, die ich gestern angegriffen habe, veröffentlicht, der viele Fragen offen lässt, aber 2-3 beantwortet, und außerdem wie Fliegen User in der Diskussion anlockte, die mehr oder weniger hilfreiche Links zu Bildern posteten, die aufgrund unklarer Urheberrechtslage alle nicht von mir kopiert werden können, und die ich stattdessen verlinke.

a) Kein Tor und Tor – Kamera und Animation

Das sieht doch aus, also das Foto, wie nicht Tor! Allerdings ist nicht gesagt, dass der Ball nicht noch ein Stück weiter reingeht oder schon drin war, als das Foto geschossen wurde. Bei wieviel Bildern pro Sekunde wurde das Bild geschossen? Dazu gleich mehr.

Laut Heise nehmen 7 Kameras den Ball gleichzeitig auf, und erzeugen je 500 Bilder pro Sekunde. Das klingt schon irre viel, aber bei 200 km/h, einer Geschwindigkeit die Bälle bei Roberto Carlos schon erreicht haben, sind das 200 km/h1000 m/km1000 mm/m / (3600s) 11 cm in einer 1/500 Sekunde. Das ist schon irre weit – eine halbe Ballbreite. Lt. Hersteller soll aber die Auflösung bei 0,5 cm liegen – wie sie das erreichen wollen ist aber unklar.

Ich verstehe es auch so, dass die Bilder optisch gemacht werden. Wie robust gegen Störungen das ist frage ich mich dann auch – etwa gegen Erschütterung des Pfostens und der Latte, die ja vielleicht als Referenzpunkte dienen.

Anmerkung: Das animierte Bild zeigt nicht exakt den Zeitpunkt des Fernsehbildes – diese können nicht synchron sein, und Fernsehen wird nicht mit 500 fps gemacht. Maximal mit 100, soweit ich weiß.

b) eher drin – oder nicht? (Torwart von vorne, Hilfslinien)

Hier sind die Hilfslinien suggestibel, v.a. die kurze, schwarze, horizontale. Mir kommt es so vor, als sei sie ganz am hinteren Pfosten ist, sie müsste aber ein Stück nach vorne versetzt sein, wie sich aus anderen Aufnahmen ergibt.

c) Hier ist er aber klar drin, oder? (Torwart von hinten) 

Der Winkel ist so schräg, dass die Chancen auf genaue Referenzpunkte dahin ist. Dazu kommt, dass der Torwart die Lage der Linie und den Auflagepunkt des Pfostens verdeckt. Auch der Pfosten verdeckt Teile des Balles, aber dieser erscheint so weit im Tor zu sein, dass man auf diese Daten alle verzichten möchte und sich so ein Urteil zutraut. Die Diskrepanz zu den anderen Bildern erklärt sich daraus, dass die Bilder alle nicht synchron sind, und eben eine 500stel Sekunde schon 11 cm ausmachen kann – das war allerdings kein 200 km/h-Ball, sondern eher ein 40 km/h-Ball. Das würde aber zu 11 cm Differenz bei 50 Bildern/s führen, wenn aus der jeweiligen Kamera das beste Bild gewählt wird, und die Bilder maximal asynchron sind. Nicht gut erkennbar ist, ob der Arm weit nach hinten geht, aber vom anatomischen Wissen scheint er doch eher nach Links ausgestreckt. Er müsste aber weit nach hinten reichen, um die Perspektivenfragen des letzten Beitrags zum Thema zu verursachen, und auch die Bilder aus den anderen Perspektiven unterstützen diese These. Von daher war der Ball wohl doch drin. Gestern, live im TV konnte man das aber nur mit gehörigem Vertrauen in die Technik glauben.

d) Doch nicht über der Linie! (animiertes GIF)

Dieses Gif erschüttert scheinbar die Gewissheit von c) wieder, aber erinnern wir uns – Wieviele Bilder/s haben wir hier? Bei animierten GIfs oft weniger als 20/s, was etwa Kinospeed der 50er-80er wäre oder Super-8. Da ist es also wahrscheinlich, dass einiges, wichtiges fehlt.

So nun – wie konnte mir die gestrige Fehleinschätzung unterlaufen? Nun, zum Teil habe ich stark drauf geachtet wo die anderen Betrachter optischen Täuschungen erlegen sein könnten, und zu wenig wo ich selbst vielleicht irre. Zum zweiten habe ich nicht nachgerechnet, wie viele Zentimeter ein Ball zwischen 2 Fernsehbildern zurücklegt – 11 cm oder schon 5 sind deutlich mehr als erwartet. Ähnliches ist in Zukunft auch bei Abseits immer mitzudenken.

Blind vertrauen will ich der Technik dennoch nicht, vor allem sie nicht begrüßen. Es bleibt ja das Problem, dass ein Ball, der nahe der kritischen Kante entlangschiesst, vom Pfosten etwa kommend oder aus spitzem Winkel, eventuell von einem Stürmer noch mit der Hand touchiert wird – aber auf welcher Höhe? Bevor der Schiri auf seine Uhr schaut, die ihm anzeigt ob der Ball über die Linie war, vergehen mehrere Zehntel Sekunden. Den Genauen Zeitpunkt bekommt der Schiri auch nicht eingefroren, aber das kann eine wichtige Zusatzinformation sein. Und was sonst schon gesagt wurde über möglichen Ausfall und mangelnde Transparenz der Technik.

Heute früh, bei Ghana-USA kam es in der 84. Minute zu einem strittigen Eckball, aus dem das Tor zum 1:2 für die USA resultierte. Das war fast genauso entscheidend, aber soll nicht von der bereits vorhandenen Technik geklärt werden – wieso eigentlich nicht? Hier sah es in der Wiederholung noch nicht wie ein Fehlurteil aus, aber sobald es soweit ist werden die Diskussionen kommen, fürchte ich.

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