Halbzeitpause Halbzeitpause

Monitor im Baum, Victoriapark, Foto August 2011

Die Halbzeitpause ist dazu da, dass man die erste Halbzeit schon mal rasch verbloggen kann. Allerdings suchen manche Blogger dann 15 Minuten nach einem passenden Bild und haben immer noch keins gefunden.

Ich muss ja einerseits aufpassen nicht mit meiner Meinung zu diesem Elfmeterpfiff und jenem Abseits nicht zur großen Langeweile beizutragen, die sich zwischen den Spielen ausbreitet.

Aber bevor ich 3 Wochenlang überlege, dass ich dies und jenes noch unbedingt loswerden muss, um mich dann aber doch in Verzicht zu üben, lass ich es lieber schnell raus und versuche es hinter mich zu bringen.

EIn paar allgemeine Punkte:

  • Die Selecao. Ja. Das Arondisment. Der Leutnant, Lieutnant, Lieutenant, Leftenand. Kommissario Brunetti.

Ist von Brasiliens Nationalmannschaft die Rede, dann wird gerne von dieser als „Die Selecao“ gesprochen als sei das ein Eigenname, und als müsse man jede Nationalmannschaft in der jeweiligen Landessprache bezeichnen. Das geht zwar schief bei Ländern, die wie die Schweiz mehrsprachig sind (und darüberhinaus in Deutschland nicht sehr anmutig mit „die Nazzi“ herüberkommt, wenn Schweizerdeutsche Schweizer über sie reden – da hält sich dann aber auch der dt. Sportreporter zurück). Es ist sicher etwas provinziell nicht 20 Namen lernen zu wollen, die letztlich alle das selbe bedeuten. Der Brasilianer und der Portugiese – beide nennen natürlich ihre Nationalmannschaft Selecao und beide nennen die dt. Nationalmannschaft Selecao. Ich bin da ganz gerne so provinziell, aber ich bin in anderen Punkten nicht so nationalistisch und muss nicht zwanghaft eine Weltläufigkeit heucheln, für die ich ohnehin bekannt bin wie sonst nur für meine Bescheidenheit. :)

Es erinnert mich an Karl-May, wo diese militärischen Ränge vorkamen, die zu allem Überfluss auch noch von L(i)eut(e)nant zu Leftenand wechselten. Auf idiotische Weise bei Donna-Leon, einem Deutsch-Italienischen Krimi der in Venedig spielt, wiederauflebend, wo permanent Deutsch gesprochen wird (synchronisiert, oder ist das die Sprache in der gedreht wird?), aber der Kommissar wird immer mit Kommissario angeredet. Man fragt sich, ob das ein Deutscher Kommissar in Italien sein soll, und dieser Fremdkörper in der Ansprache das verdeutlichen soll.

Bei der Gelegenheit darf ich verraten, dass Arrondisment auch nichts anderes bedeutet als Gemeinde, Kommune, Bundesland, Kanton oder sowas.

  • Wer Weltmeister wird, wer es werden soll, wer es verdient hat, wer langsam mal dran ist.

Ich wünsche zwar Brasilien wird es, aber zweifle. Mehr Superstars als nur Neymar. Verdient hat es am Ende meist der, der es auch wird, denn Tore muss man schießen, das ist vorher bekannt. Wer in der Vorrunde ausscheidet, von dem weiß man nicht welche Qualitäten er gegen die stärkeren Länder gehabt hätte. Im Finale kann man natürlich verpfiffen werden, aber Glück und Pech gibt es in jedem Spiel.

Superstars hat Deutschland für mein Gefühl keine richtigen, trotz vieler Klassespieler. Ich hoffe wir kommen sehr weit.

Ist England mal wieder dran? Ja, England wär mal wieder dran, aber leider scheiden sie in der Vorrunde aus. Wir sind sooo betrübt! :) Nein, im Ernst, niemand ist dran – es geht nicht der Reihe nach. Wenn Brasilien immer Weltmeister wird dann wird es eben Brasilien wieder und wieder. Wär Afrika mal dran? Die haben einen Sprung vor ca. 30 Jahren gemacht, und bringen eine Mannschaft ins 8tel-Finale, wo sie dann ausscheiden, und so könnte es wieder kommen. Kamerun war jedenfalls – nicht überraschend – nicht die Offenbarung. Aber vielleicht ist es ja eine Turniermannschaft. :) Auch so ein Beispiel eines Idiotismus. Kaum ein Spieler kommt auf 3 oder mehr WM-Teilnahmen. Wie sollen sich da großartige Regelmäßigkeiten einstellen? Qua Nationalcharakter? Als Fluch für Kinder und Kindeskinder und Kindeskinder der Kindeskinder?

  • Traumfinale Brasilien – Deutschland mit Elfmeterschießen 

Wenn Sie gefragt werden – antworten Sie bloß nicht mit Traumfinale … Elfmeterschießen, wenn Sie als Kenner durchgehen wollen. Fußballspieler hassen die Entscheidung qua Elfmeterschießen, weil es als reines Glück gilt dieses zu gewinnen. Sagen Sie ruhig beherzt 7:0 nach Verlängerung.

  • Torlinientechnik (todo) (pending: Foto)

Sehr schön, diese Torlinientechnik die uns humorvolle Menschen bei völlig trivial entscheidbaren Torlinienüberquerungen einblendet. Ich hoffe das kommt noch häufiger und ich kann ein Foto machen – heute brauchte die Kamera zum Booten zu lange.

  • Das erste Tor Hollands (wie man hierzulande sagt), ein sehr schönes Tor, wie man nicht neidlos anerkennen muss, aber anerkennen muss man’s. Außer man heißt Olli Kahn, dann sieht man nur Fehler, krasse Fehler – tja, hinterher weiß man fast immer, was man besser hätte machen können. Einen Kopfball aus der Entfernung, zwar unbedrängt, aber so schön gehechtet – ich habe es genossen und als Genußmensch seh‘ ich mir das ja an.
  • Dönerwerfen

Im WM-Rausch sind 1000 Reporter vor Ort, und alle berichten das selbe – da will jeder noch irgendwo etwas finden, was die anderen noch nicht haben. Dann wird uns berichtet, dass jemand die ironische Bemerkung eines Spielers zum Dönerwerfen eines anderen Spielers nicht verstanden hat. Gähn. Wir verstehen den Hintergrund und schauen darüber hinweg.

  • Schrifttype Waldorfschule (pending: Foto)

Wieso benutzt Brasilien so eine Waldorfschulenschrifttype? Oder woher kennt man das? Das sieht doch aus wie Demenzler, so eine Ökomarke wo der Bauer ein Kuhhorn bei Vollmond auf dem Acker nachts vergraben und dann darüber tanzen muss, um das Zertifikat zu erhalten.

  • Politische Schweinereien im Windschatten der WM

Bei jeder WM, EM und Olympiade das gleiche: Der politische Journalist schaut eifersüchtig ins Nachbarressort und lamentiert, die Politik würde im Schatten der WM Schweinereien unbemerkt durchziehen wie die Annexion Luxemburgs mit Waffengewalt, die Absenkung der Arsengrenze im Trinkwasser oder ähnliches. Ich möchte dafür eine 4-Feldertafel sehen: Skandale während der WM, außerhalb der WM, Nichtskandale zur WM und Nichtskandale außerhalb, sowie einen Kriterienkatalog was als solcher Skandal zu gelten hat, bei dem man die Punkte objektiv abhaken kann.

Bislang ist mein Eindruck nämlich, dass es ständig Politikskandale gibt, und zwar immer exact soviele, dass man Tagesthemen, Talkschows, FAZ und Inforadio damit vollbekommt, ob WM ist oder nicht. Und wenn die Zeit oder der Raum knapp wird für die Meldungen, dann fliegen die kleinen, langweiligen raus, nicht die großen.

Den Zuschauerzahlen kann man entnehmen, dass es für kein Fernsehereignis mehr Zuspruch gibt als WM-Spiele mit dt. Beteiligung und das Finale. 20 Mio. Haushalte rund, wenn ich mich recht erinnere. Von ca. 30 Mio. Haushalten bleiben also 1/3 Haushalte, die sich voll und ganz all den politischen Skandalen widmen können, selbst an 7-8 Spieltagen mit großer, freiwilliger Gleichschaltung.

2 Gedanken zu „Halbzeitpause

  1. dorotheawagner

    „und darüberhinaus in Deutschland nicht sehr anmutig mit ‚die Nazzi‘ herüberkommt, wenn Schweizerdeutsche Schweizer über sie reden“
    – ich würde schreiben „die Nati“ oder – wenn schon mit z, dann – „die Naazi“, denn so hört es sich an, mit lang gedehntem „a“, und es soll ja nichts anderes bedeuten als „die Nationalmannschaft“.

    Antwort
    1. user unknown Autor

      Nein, wenn ich es gehört habe, dann war das a ausgesprochen kurz betontt, und dass man Nati Nazzi aussprechen könnte – auf die Idee würde man nördlich des Bodensees nicht kommen. Natsi wäre noch eine denkbare Schreibweise.

      Antwort

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