– Kreationismus in Deutschland – 

Kreationismus in Deutschland

Ladenhüter aus Thora und Bibel – wer interessiert sich eigentlich noch für sowas?

Als Kinderfibel wird es gerne erzählt, unter Fortlassung all der Leichen, die ich hier nicht ersparen kann sondern kurz streifen muss. Die Geschichte in 2-3 Sätzen, für die, die das Glück haben, sie noch nicht zu kennen:

Gott langweilt sich zu Tode und beschließt mal wieder einen seiner gefürchteten Genozide. EInen Vorwand findet er immer, denn er hat den Menschen so erschaffen, dass er sich nicht an seine Gebote halten kann und Gebote verteilt, an die sich niemand halten kann – Du sollst nicht begehren die Frau Deines Nächsten u. Deines Nächsten Vanilljeeisvorräte zum Beispiel. Noah soll eine Arche bauen, mit der er sich und von jedem Exemplar Tiere 1-5 Paare rettet. Nach 40 Tagen Regen ist dann die Erde mit Wasser bedeckt und verbleibt so 150 Tage, dann geht das Wasser zurück und das Schiff strandet an einem Berg mit Noah, seiner Frau, 2 Söhnen und deren Frauen.

Kein erwachsener Mensch unseres Kulturkreises der bis 5 zählen kann käme auf die Idee auf die Wahrheit der Geschichte das geringste zu geben. Die gröbsten Klopper: Noah ist 500 Jahre alt als die Story beginnt. Mit 300 Ellen – also großzügig gerechnet 150m Länge ist die Arche groß wie die Allianzarena, aber für die zehntausenden Tiersorten lächerlich klein. Um sie mit 6 Leuten zu bauen trotzdem zu groß. Futtervorräte für zigtausend Tiere, tägliche Fütterung, Ausmisten … – es ist einfach ein Witz! Dann wo kommt das Wasser her? Wo ist es hin?

Heute in den Nachrichten melden sie das große Gletscherschmelzen am Südpol – in den nächsten 300 Jahren ergäbe das einen Meeresanstieg von 3-5 Metern. Um alle Berggipfel zu bedecken wären aber knapp 9000 Meter nötig.

Hier die Geschichte in Gänze – man kann die Sprache umstellen und die Übersetzung wählen sowie zurück und vorblättern um die Ankündigung usw. zu lesen. Wer könnte so eine Geschichte für bare Münze nehmen? US-Kreationisten die an eine 6000 Jahre alte Erde glauben?

Phönix (im Auftrag des ZDF) zeigte einen Film „Die Arche Noah und das Rätsel der Sintflut“  so als gäbe es tatsächlich ein Rätsel zu lösen. Zusammen mit Wissenschaftlern macht sich das Filmteam auf, das Rätsel zu lösen

Wo kam das Wasser her? Wie konnte Noah so alt werden? – Nein! Man hat eigene Rätsel konstruiert.

Bekannte Machart: VIele Schnitte, viele Einzelinformationen, sehr abwechselnd gemacht. Mal ist man auf einem Schiff unterwegs und erfährt von Ablagerungen, die 7.900 Jahre alt sind (rd. 3000 Jahre zuviel, das wird nicht näher begründet), dann fliegt man über den Ararat, sieht eine Computer-3D-Animation des Berges. Schnitt in ein Archiv, wo ein Forscher über Keilschriften brütet. Schnitt in eine Bibliothek.

Es werden dem Zuschauer viele Fragmente geboten, wie dem Forscher die Keilschriften, aber eine wissenschaftliche Einordnung bleibt aus, und auch journalistisch ist es nicht, obwohl es als “Nachrichten” vom EPG einsortiert ist.

In den 30er Jahren hat ein Hirtenjunge einem französlchen Forscher verraten wo die Arche liegt, heißt es. Logisch, dass das ein Hirtenjunge weiß, der war wahrscheinlich dabei als die Arche landete! Der Sohn erzählt wie sie ein Holzpstück dort aus einer Gletscherspalte geborgen haben, und dass die C14-Methode ein Alter von 4.900 Jahren ergeben hat.

Dass das von den 7.900 Jahren deutlich abweicht wird nicht problematisiert. Stattdessen wird gefragt “eine Schiffsplanke?”, wie bei der Bildzeitung, wo erwiesenermaßen falsches auch als Frage die Leserphantasie aufwühlen soll, ohne dass man geradewegs gelogen hätte.

Dann werden 3 Leute beim Bau einer Miniarche gezeigt als Illustration des Themas, wohl. Allerdings bauen sie eine Arche die nicht mehr als 2 Elefanten transportieren könnte. Es dient auch nur der Illustration, kurz – kein Text dazu, und das Bild wird nicht später nochmal aufgegriffen.

Symptomatisch auch der Bericht, dass eine Expedition, die nichts gefunden hat, einen Eisblock mit ins Tal nahm, wo er von den Mönchen als heiliges Wasser in ihre Gottesdienstzeremonie eingebaut wurde. Ein Hinweis darauf, dass man doch sehr wenig substantielles zu berichten hat, wenn man sich so mit Nebensächlichkeiten beschäftigt.

Dazu, dass die Geschichte nicht erst in der Bibel, sondern bereits im Gilgameschepos vorkommt fragt die Stimme aus dem Off: “Verliert die Bibel ihre Glaubwürdigkeit, weil ihre Geschichten auch in anderen Kulturen vorkommen?”

Mit anderen Worten, für die Filmemacher hat die Bibel zuvor eine Glaubwürdigkeit, die sie verlieren könnte. Und wie der Film zeigt läge die Glaubwürdigkeit darin eine historische Wahrheit zu beschreiben.

Statt “Nachrichten” wäre die passende Kategorie für diese Produktion “Dauerwerbesendung”. Die Stoßrichtung des Filmes ist es zu unterstellen, dass das Auffinden der echten Arche eigentlich nur eine Frage der Zeit ist. Die Forscher finden mehr und mehr Belege für eine historische Existenz. Der Kreationismus wird einem nicht unmittelbar auf ’s Brot geschmiert, aber als Möglichkeit unterschwellig transportiert.

Es ist nicht das einzige Produkt dieser Machart – in der Besprechungspipeline lauert schon Der Garten Eden. Bereits besprochen wurden Die 7 Plagen und ebendort Die Geschichte der Menschheit. Das läuft alles nach Schema F.

Den Hinweis auf die Sendung habe ich mal wieder vom AMB aber dank der unzähligen Wiederholungen stolpert man ja immer wieder in diese Propagandasendungen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s