Vorgestern war Equal Pay Day.

equal-pay-day

Im ZDF-Morgenmagazin erklärte man es allerdings anders als abends in der 19:00 Uhr Heute-Sendung. Das eine Mal hieß es, dass für den Betrag, den die Männer 2013 im Schnitt verdient haben die Frauen im Schnitt bis zum 21. März 2014 arbeiten mussten. Die zweite Erklärung war, dass die Männer 2014 erst ab dem 21. März arbeiten müssen, um durchschnittlich auf den gleichen Verdienst wie Frauen zu kommen. 

Dieser Fehler ist sehr populär im Bereich der Mehrwertsteuer, und daher vielen bekannt: Wenn ich ein Produkt für 100 Euro habe, dann sind 19% MwSt. davon 19 Euro. Das ist aber nicht das selbe, wie 19 Euro von einer Ware für 119 Euro. Es sieht auf den ersten Blick nur so aus.

Rechnen wir also nach. Um 22% soll der Durchschnittsverdienst von Frauen unter dem von Männern liegen.

<pre>

echo $((22*365/100))
80

</pre>

Auf ein Jahr gerechnet sind das also 80 Tage, Kalendertage, nicht Arbeitstage. Zieht man 31 Tage für Januar und 28 für Februar ab,

<pre>

echo $((80-31-28))

21

</pre>

bleiben 21 Tage für den März übrig. Die Lohndifferenz zeigt übrigens nicht, dass das Prinzip Gleiches Geld für gleiche Arbeit verletzt würde, sondern geht wohl im wesentlichen darauf zurück, dass Frauen häufiger die Karriere unterbrechen, meist für Kinder/Familie, und daher die Karriereleiter nicht so hoch klimmen.

In jungen Jahren ist der Verdienst nämlich noch gleichauf – erst mit 30/35 öffnet sich die Schere und wird immer weiter.

Als weitere Ursache wird vermutet, dass Frauen häufiger in niedriger bezahlten Berufen tätig sind, was zur Henne-Ei-Frage führt. Für politische Aktivitäten ist das Thema schwierig, weil Löhne ja generell nicht politisch verhandelt werden. Die radikale Gegenposition, dass die Löhne am freien Markt verhandelt würden, stimmt aber auch nicht, denn die Gewerkschaften spielen einerseits eine wichtige Rolle, und Berufe lassen sich auch nicht so leicht wechseln, als dass sie flexibel auf Lohnanreize reagierten.

Die Frage ist zudem, ob die Bevorzugung der Familie gegenüber dem Beruf monetär ausgeglichen werden muss, oder ob Männer dazu gebracht werden müssen im gleichen Maße in Teilzeit zu gehen. Es ist leicht jedem Einzelnen viel Freiheit bei der Wahl zu wünschen, aber staatlich ein Männer- oder Frauenbild verordnen, das sollte es m.E. nicht geben.

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3 Gedanken zu „Equal Pay Day

  1. dorotheawagner

    Ich fände es sinnvoller, von einem Unequal Pay Day zu sprechen. Das Wort „Equal Pay Day“ suggeriert, daß alle das gleiche Gehalt für gleiche Leistung bekämen, obwohl dem nicht so ist.

    Antwort
  2. bertrandolf

    „Die Lohndifferenz zeigt übrigens nicht, dass das Prinzip Gleiches Geld für gleiche Arbeit verletzt würde, sondern geht wohl im wesentlichen darauf zurück, dass Frauen häufiger die Karriere unterbrechen, meist für Kinder/Familie, und daher die Karriereleiter nicht so hoch klimmen. In jungen Jahren ist der Verdienst nämlich noch gleichauf – erst mit 30/35 öffnet sich die Schere und wird immer weiter.“

    Ich frage mich woher solche Zahlen mit diesen Aussagen kommen. Wenn man jetzt 30/35 jährige Frauen betrachtet, muss bedacht werden, das sie 2004/1999 ca 20 Jahre alt waren und noch nicht in den Genuss der Früchte von Kitas oder ähnlichen Programmen kamen. So werden Gruppen verglichen, die eigentlich nicht verglichen werden können, weil sie historisch und Karrierebiografisch ganz andere gesetzliche Möglichkeiten und soziale Restriktionen erlebt hatten.
    Diese historisch oder zeitabhängigen Hintergrundvariablen gibt es bei den meisten Statistiken, aber sie werden meist vernachlässigt um einen Gewinner oder irgendeine komische Kausalität oder Korrelation die zur Sache passt zu erzeugen.

    Antwort

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