Dieses Bild zu Frau Heil:

Drogentütchen, CDU

Drogentütchen, CDU

kennen die Stammleser schon vom letzten Jahr. Jetzt ist etwas erfreuliches über Frau Heil, CDU hin oder her, zu berichten. Wie die Rhein-Zeitung berichtet will sie sich für mehr Verbraucherinformation bei esoterischen Heilmitteln einsetzen.

Ralf Dissemond vom Verband klassischer Homöopathen Deutschlands soll erklärt haben: „Die Substanz wird ja nur zur Herstellung verwendet. Sie wird im Herstellungsverfahren so hoch verdünnt, dass kein Molekül davon mehr in dem Mittel ist.“ Eine Kennzeichnung auf Deutsch „bringt nicht mehr Klarheit, sondern nur Abschreckung“.

Bemerkenswert, dass dieses Argument, welches normalerweise von Kritikern der Homöopathie als Angriff auf diese jetzt von der Gegenseite zur Verteidigung gebracht wird, allerdings unterschlagend, dass nicht alle Globulis mit so hochverdünnten Suden zusammengequackt werden.

Umgekehrt wird aber behauptet, dass mit der physischen Verdünnung eine Potenzierung der Wirkung einhergeht, dass man also, je verdünnter der Hundekot ist, umso mehr Hundekotwirkung erzielt. Am Ende ist Null Hundekot im Präparat, aber das Wasser ist durch-und-durch über den Hundekot informiert – so die Esoterische Legende über die Wirkungsweise. Diese Information über Hundekot wird dann an das Zuckerkügelchen abgegeben.

Falls Sie solche Präparate im Schrank haben, riechen Sie mal daran. Die Information des Geruchs wird nämlich auch potentiert abgegeben.

Dieses Potentieren geschiet übrigens, im Prinzip so: Im Wasser werden die Präparate vermischt, weder geschüttelt, noch gerührt, sondern im Gefäß auf ein Speziallederkissen geklopft. Dann wird ein Tropfen entnommen und auf einen Liter Wasser gegeben, was eine Verdünnung 1/1000 ist. Das wird wieder verklopft, wieder wird ein Tropfen des Resultats auf einen Liter Wasser gegeben, und jetzt ist die Verdünnung 1:1 Mio. in 1000er-Schritten geht das ratz-fatz. Million, Milliarde, Billion, Billiarde, Schritt 6 ist Trillion und so weiter. Aber die Homöopathen hatten es nicht so mit einfacher Mathematik und produzieren nicht in 1000er Verdünnungen sondern in 10er, 100er und 50.000er Schritten. Die Basis wird, wie bei Dezimeter und Centimeter mit D und C abgekürzt, und dann eine Zahl zur Häufigkeit der Verdünnung angehängt. C6 wäre also 100 hoch 6, 1.000.000.000.000 also 1000 hoch 4 oder 1:1 Billion. Ausführlicher ist das auf Wikipedia beschrieben.

Wenn also jemand einen Liter C6 mit Hundekot herstellt (oder zerdrückten Küchenschaben, Quecksilber oder was auch immer), dann schüttet er am Ende wohl einen Liter C5 minus 10ml also 990ml in den Ausguss. Da vermischt es sich dann mit den Abwässern, läuft durch Kläranlagen, Flüsse und ins Meer, wo es verdünnt und verdünnt wird, verdunstet und als Regenwasser zurückkommt. Es dringt in die Erde ein, wird Grund- und Trinkwasser und begegnet natürlich 1000 anderen Substanzen, um nicht zu sagen MIllionen.

Würde diese Potentierungsidee klappen mit Information, die ins Wasser übergeht, dann wäre ja seit Äonen inzwischen jeder Stoff längst informativ ins Wasser übergegangen. Die Frage ist – wieviel Information kann denn so ein Tropfen Wasser überhaupt transportieren, und wie lange hält sich die Information? Kann man das irgendwie messen?

Nein, kann man nicht messen.

Aber halt – dann ist ja vielleicht auf dem Weg von der Apotheke nach Hause schon alle Information entfleucht? Woher weiß man denn, wenn man es nicht messen kann, wie lange die Information erhalten bleibt?

Wahrscheinlich sagen Heilpraktiker: „Aus Erfahrung“. Aber wenn sie keine Messinstrumente haben, was für eine Erfahrung soll es dann sein? Machen die Menschenexperimente am Patienten? Oder haben sie Versuchsreihen gemacht, wo die Versuchsteilnehmer informiert wurden, dass sie an einem Versuch teilnehmen, so wie in der richtigen Medizin?

Nein, kann man sagen, denn erfolgreiche, wissenschaftlich haltbare Versuchsreihen mit Homöopathika und Doppelverblindung gibt es nicht. Gäbe es sie, dann wären die Patienten ja eine Art Messinstrument: Man gibt Globulis und Placebos zur Kontrolle über ein Intervall an 2 Patientengruppen, ohne dass die Patienten wissen, ob sie zur Globuli- oder zur Kontrollgruppe gehören, und ohne dass es die verabreichenden Personen wissen, so dass sie nicht bewusst oder unbewusst Signale aussenden können. Statistisch signifikant sollten dann mehr Personen mit Globuli geheilt werden können als von selbst heilen, wie in der Placebogruppe.

Würde diese Information des Wassers funktionieren, dann gäbe es dafür einen Nobelpreis, denn es würde unser Wissen über Wasser, Physik und Chemie über den Haufen werfen. Allein, es gibt nicht die Frage, wie es funktionieren kann – es gibt keinen Hinweis darauf, dass es überhaupt funktioniert.

Man muss dran glauben, um es zu glauben, aber funktionieren tut es dann immer noch nicht. Nur für den Apotheker, die Homöopathiemittelindustrie sowie den Heilpraktiker funktioniert es. Und die Nachfrage nach dem Zeug ist inzwischen so hoch, dass viele Profis im Gesundheitswesen, die selbst nicht an die Wirkung glauben, beim Spiel trotzdem mitmachen um auf ihren Schnitt zu kommen. Wer in eine Apotheke muss, um Schmerzmittel, dies und das und Globulis zu kaufen, der wird lieber in eine gehen, wo er all das bekommt, als in zwei zu gehen.

Man könnte übrigens auch nicht nachweisen, wenn die Produzenten der Hochpotenzen überhaupt keine Wirkstoffe in der Urtinktur hätten. Wenn sie überhaupt nur Wasser verwenden kommt das gleiche raus – es ist kein Unterschied nachweisbar, auch nicht bei Heilerfolgen, denn auch da stehen nach über 100 Jahren Homöopathie die Nachweise noch aus. Freilich, zu Beginn des Zaubers hat auch keine seriöse Medizin mit etablierten Kontrollmethoden existiert – der Aderlass war noch eine beliebte Praxis. Die seriöse Medizin hat aber seither Fortschritte gemacht – das Homöopathiewesen dagegen nicht.

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