Inforadio Vatikan

Inforadio Vatikan

Sinngemäß heute auf Inforadio, Anmoderation zu einem RBB-Praxis-Beitrag: Seit einer Woche ist nun Fastenzeit. Für die meisten heißt das: Kein Alkohol, kein Fleisch, … (irgendwas drittes – wahrscheinlich die bösen Süßigkeiten, um die Kinder ordentlich einzustrafen, für ihre Erbsünden).

Danach geht es nicht um die wenigen, die da nicht mitmachen, stattdessen gottlos weiterschlemmen, sondern um die wenigen die gar keine feste Nahrung zu sich nehmen. Es geht dann um heilfasten, dass es für manche Personen gegen Krankheiten hilft, gezeigt an einem Einzelfall – ich war zu beschäftigt um mehr mitzubekommen und zu erbost.

Auf zwischen 50% und 70% Christen schätzt man die deutsche Bevölkerung insgesamt – in der Metropole Berlin und der Ex-DDR-Bevölkerung im ehemaligen Ostberlin sowie in Brandenburg ist der Anteil sicher nicht höher.

Dazu kommt, dass 90% der Christen gar nicht regelmäßig in die Kirche rennen – wie wahrscheinlich ist es dann, dass sie sich an überkommene Fastengebote halten?

Rumpel-di-Pumpel, wie mit einem vatikanischen Aufsitzrasenmäher wird aller Unglaube und alle Abkehr von Fetischgejubel und Ödnismeditation abgemäht – „für die meisten heißt das kein Alkohol, kein Fleisch“ – das glauben Sie doch selbst nicht, Sie Predigtsprutzel!

Wie in der DDR wird mit großer Selbstverständlichkeit jeder vereinnahmt – fehlte nur noch, dass der Beitrag beendet wird mit einem „Wir knien gemeinsam nieder zum Gebet! Hallelujah!“

Update: Ah, ich finde gerade die Sendung online und mache noch die Links fertig! Momentchen, bitte!

Oh, welch blöde Idee zu recherchieren! Dann liest man, dass nicht wahr ist, was man für wahr halten wollte, sondern – ach lesen Sie selbst – nicht sinngemäß, sondern Zitat:

Heilfasten kann chronisch Kranken helfen

Die Fastenzeit ist angebrochen, und für die meisten Fastenden heißt das: Kein Alkohol, keine Süßigkeiten, kein Fleisch. Aber viele gehen auch weiter, verzichten gänzlich auf feste Nahrung. Ob das gesund ist, ist umstritten. Aber es gibt Hinweise darauf, dass Menschen mit sehr schweren Erkrankungen im Heilfasten Linderung finden können. Anna Corves berichtet.

Die meisten Fastenden? Das macht ja meine ganze Säuernis zunichte. Meine schöne Wut! Und die schöne Grafik! Können diese Schäfchen lügen? Aber ich habe doch gehört „… und für die meisten heißt das …“ – ohne Fastenden! Jetzt bin ich doppelt sauer!

Mann kann sich über Heilfasten natürlich ebenfalls gut aufregen, aber da muss ich jetzt noch den Beitrag nochmal hören, wie vorsichtig oder nicht sie das empfehlen. Vor kurzer Zeit war noch überall von Entschlackung und Entgiftung des Körpers die Rede. Das haben wir, die aufgeklärte Welt, ihnen mit viel Freude kaputtgeschlagen, denn Schlacke entsteht beim Stahlkochen aus Erz – das fließt da mit 1000°C aus dem Hochofen – sicher nichts, was im menschlichen Körper passiert – nein, auch nicht so ähnlich, im übertragenen Sinne! Nein.

Und Gifte werden zu 99% oder was über die Niere ausgeschieden, und wie Fasten das unterstützen sollte, das liegt auch vollständig im Dunkeln. Ist die Idee, dass die Niere täglich eine Dosis x abräumt, und das übliche Essen x+y zuführt, so dass man mit einer Phase des Nichtessens einiges von dem Aufsummierten y abbauen kann, weil nichts neues zukommt? Das wäre ja seltsam, wenn alle Leute ähnlich viele Gifte aufnehmen würden. Auch müsste sich das leicht kontrollieren lassen – man gibt den Urin ab und misst die Giftmenge.

Die Moderatorin wird sich doch versprochen haben und das „Fastenden“ unterschlagen haben, oder? Nicht mein Ohr hat mich getäuscht! Ich, der ich jetzt nicht direkt unfehlbar bin, aber, (:pluster, pluster:), aber (:schnaub:), hüstel, Fastenden!

Fast enden hier meine Buchstaben.

Hier die Seite des Inforadios, dort links – ich weiß nicht wie lange noch – der Anmoderationstext und der Beitrag selbst.

So – nochmal angehört. Die Therapie wurde anhand einer einzelnen Patientin vorgestellt. Wie es funktioniert, dazu erklärte ein Chefarzt für Naturheilkunde genau gar nichts, außer dass er mit einer unsinnigen Computeranalogie um die Ecke kam. Allerdings empfiehlt der nicht 40 Tage auf alle Nahrung und alles Trinken zu verzichten, wie es Jesus in der Wüste getan haben soll, sondern 1 Woche lang, und dann soll man 3x täglich Gemüsesaft trinken, den Rest des Jahres soll man 1x die Woche fasten (wahrscheinlich freitags).

Kommen wir zum Fazit: Für sehr wenige Kankheiten mag das Fasten hilfreich sein – laut Beitrag gibt es erst kleine Studien (wo? wie klein?) die das bestätigen. Das ist aber eine säkulare, medizinische Diät, dann. Man tut es nicht, um spirituell in Sphären zu gelangen, in denen man nun mal landet, wenn man eine Hungerpsychose bekommt mit Halluzinationen, wie vom Nobelpreisträger Knut Hamsun vor rd. 100 Jahren in seinem Roman „Hunger“ beschrieben.

Man tut es, um sich selbst zu helfen und das ist ja sehr verschieden von der christlichen Idee des Fastens, eine Verschiebung in die Sphäre der Vernunft – zumindest ist es der Versuch – auch wenn es nicht klappt. Kleine Studie und Chefarzt für Naturheilkunde, da schrillen ja ein paar Alarmglocken.

Weiter weg von christlichen Idealen ist nur Fasten für die schlanke Linie, um die Badesaison in einem sexy Körper zu beginnen, mit dem man Frau Nachbarin betörin will, die lt. Gebot 9 oder 11 eigentlich tabu ist. :)

Der Versuch die Fastenzeit als uralte Weisheit zu rechtfertigen ist eine Manifestation des Unglaubens, der sich in jedem Gläubigen wieder und immer wieder Bahn bricht. Das Wort Gottes genügt ihnen nicht, diesen sündigen Würmern, nein, sie wollen auch noch gesunden an ihrem Verzicht und abnehmen, das Geld für eine neue Gaderobe sparen und ihr schnödes Leben im Diesseits verlängern.

Das hätte den Vorteil, dass sie mehr Zeit haben ganz vom Glauben abzufallen.

Nachtrag Zahlenmaterial von Wikipedia: In Berlin sind es unter 20% Evangelische und unter 10% katholische Christen, zusammen also unter 30%. In Brandenburg zusammen sogar unter 20%. So bringt der verunglückte Beitrag noch etwas Wissen unter’s Volk.

Aber die Kirchgänger unter den Christen habe ich unterschätzt. Die werden auf 13% der Katholiken für 2009 angegeben (Protestanten fehlten im Artikel), nicht auf 10%. In Berlin wären das 1,3% der Berliner, und bei gleicher Höhe bei Protestanten 2,4% der Berliner, also unter 4%. Das sind FDPsche Sphären. :)

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2 Gedanken zu „Inforadio Vatikan

  1. dorotheawagner

    Schön, daß Du zugibst, Dich verhört und in das Verhörte Sachen hineingehört zu haben, die Du hören wolltest, weil sie zu Deinen Vorurteilen passen. Das kann nicht jeder, erst recht nicht so elegant (hüstel :).

    Wenn Du Dich unter Deinen christlichen Bekannten und Verwandten mal umhörtest, würdest Du Dich sicher wundern, wie viele von ihnen auf die ein oder andere Art fasten. Die wenigsten hängen es an die große Glocke und machen ein leidendes Gesicht dabei. Manche haben es nicht nötig, weil sie sowieso eine Bikinifigur haben. Sie fasten aus anderen Gründen. Manche verzichten auf Fernsehen oder andere Sachen, die nicht dick machen. Sie tun es auch aus anderen als Figur-Gründen. Und höre Dich mal unter den Muslimen um, da wird noch viel mehr und viel strenger gefastet.

    Warum tun die Leute das? Sicher nicht, um sich selbst zu kasteien, und in den seltensten Fällen, um körperlich zu gesunden. Für die meisten bedeutet der körperliche Verzicht eine Befreiung, einen geistigen Gewinn, wie auch immer. Darüber mag man denken, wie man will. Aber warum von vornherein abfällig? Es ist leichter, sich über andere lustig zu machen, als zu versuchen, sie ernst zu nehmen und sich in sie hineinzufühlen.

    Antwort
  2. user unknown Autor

    a) Nun – ein wenig Glaubwürdigkeit inszenieren hilft vielleicht über Phasen, in denen man sie sich nicht leisten kann.

    b) Als Atheist hat man den Vorteil keiner Religion und keinem Ritual irgendeinen Sinn abringen zu müssen. Man muss auch nicht so tun als hielte man das Ringen selbst für wertvoll. Selbst wenn Fasten unter gewissen Bedingungen für irgendwas gut sein sollte – ich vermisse es nicht und mach mir Gedanken drüber wenn mir was fehlt, nicht wenn der Kalender sagt: „Jetzt!“.

    Einfühlen mag schwerer sein, aber das macht es noch nicht wertvoll. Einen Stein auf ’s Matterhorn hochtragen oder einen abgefahrenen LKW-Reifen ist auch schwer. Oder 2 LKW-Reifen, und man hat nur ein Bein. Keine Arme.

    Das sollte mal wer illustrieren. Oder eine 2-Zentner Kerze vom Durchmesser eines vollgefressenen, hässlichen, adipösen Mops auf den Knien nach Altötting schlurfen mit verbundenen Augen ohne GPS.

    Man muss es sich überhaupt nicht schwer machen sondern kann einfach abschreiben, was andere, die es sich schwer gemacht haben, über den Sinn und Wert des Fastens zusammengefühlt haben. Das muss es ja irgendwo geben. Hat man das erkannt kann man es aber gut verschieben auf später und auf andere.

    Dagegen ist das sich lustig machen gar nicht immer leicht, was man an meinem Scheitern ablesen kann. All die Blogbesucher die weinend meine Seiten verlassen, oder angeödet einschlafen bevor sie die Grafik ganz hervorgerollt haben. Als Premiumkunde von WordPress kann man sich die halben Besucher anzeigen lassen, die, bevor die Seite noch ganz geladen ward den Tab schon wieder zugemacht haben, weil sie erkannten: Ne, das ist nicht lustig!

    Furchtbar! Darauf kann ich verzichten!

    Antwort

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