dubiose Koinzidenz

dubiose Koinzidenz

Ein seltsames Zusammentreffen ereignete sich.

Regelmäßige Leser des Blogs werden sich erinnern, dass ich vor einer Woche, justament am Mittwoch, über Dürer et. al., vornehmlich Carnavaggio gebloggt habe. Das war der 26.2. nachts. (Einen zweiten Beitrag schob ich hinterher, als sich zeigte, dass in einem Werbeprospekt Amor bereits kastriert ist).

Heute lese ich auf Telepolis, dass die BZ (die mit mehr Text) berichtete, dass die Berliner Gemäldegalerie (i.f.: BGG) eine Beschwerde in Form eines offenen Briefes zu eben jenem Carnavaggio bekommen hätte, und zwar genau aus den von mir befürchteten Motiven. Und sie beziehen sich auf einen ersten Artikel, den sie am 28.2. veröffentlicht haben – da soll dieser offene Brief, dessen Absender uns nicht verraten wird, und aus dem auch nur zitiert wird, bereits vorgelegen haben.

Ich tue mich nun schwer damit an einen Zufall zu glauben.

Die Befürchtung dass die Zensur auch klassische Kunst erfassen könnte habe ich nicht als einziger entwickelt, sondern sie war, als pauschale Zensurideen öffentlich geäußert wurden, auch gleich in den Medien, ich würde sagen 1-2 Wochen vor meinem Museumsbesuch. Aber es gibt Deutschlandweit unzählige Museen mit Bildern und Kirchen und Schlösser mit Skulpturen, die als Aufhänger ähnlich gut taugen würden.

Wer mit meinem sensibilisierten Kopf in die BGG ginge, der würde mit guten Chancen aber das gleiche Bild ausgesucht haben, wenn er hätte eins aussuchen wollen. Es ist das bekannteste Motiv, das in Frage kommt und es ist bei Wikipedia verschlagwortet und bebildert. Dagegen sprechen aber auch Punkte. Das Alter dieses antiken Gottes ist nicht gut feststellbar. Weil er keine Petersilie zwischen den Beinen hat könnte man ihn für vorpubertär halten. Von Beinmuskulatur, Bäuchlein würde ich aber eher auf ein Alter um die 16 tippen. Über Schamhaarrasurmoden des 17. Jhr. kann ich keine Auskunft geben. Auch nicht über antik-griechische, und was man 1602 darüber in Italien wusste.

Zeitlich ist das Thema gerade am köcheln – es kommt mir aber seltsam vor, wenn es zeitlich, räumlich und inhaltlich so eng zusammenfällt. Sollte der Schreiber des Briefes durch meinen Blog zum Schreiben angeregt worden sein? Das wäre ja quasi das Gegenteil meiner Intention, wobei das Anstroßen einer Diskussion selbst mir ja gefällt.

Kann es vielleicht sogar sein, dass die Aktion eine Täuschung ist, und ein Befürworter liberaler Gesetze die Lage nur zuspitzen will, und mit einer Übertreibung der Position seiner Gegner einen Strohmann aufbauen will? Falls es wirklich von meinem Blogbeitrag ausgeht; hätte ich diesen dann jetzt verraten?

Nun, nein, natürlich nicht, denn nichts genaues weiß ich ja nicht. Ich bin ja nur am spekulieren. Und das kann jeder, der, aufgeschreckt durch die Presseartikel, seine Googlemaschine anwirft und die Daten recherchiert und in eine Reihenfolge bringt, wie ich.

Man kann natürlich auf einem Einzelfall keine Statistik aufbauen. Dass die Handvoll Leser – 15 am 27.2., dann 1, 3, 2, 2, 15 und nochmal 15 bis heute – dass also unter den 16 der ersten 2 Tage ausgerechnet einer ist, der dann einen offenen Brief schreibt? Das sieht ja auch nicht so wahrscheinlich aus.

Mir soll es recht sein, wenn die Aktion ein Hoax war, und ein guter Hoax ist von der ernstgemeinten Aktion eines Fundamentalisten ja nicht zu unterscheiden. Da ich nicht der Adressat war, kann ich mich zurücklehnen und der Dinge harren, die da noch kommen mögen.

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