Bilderstreit Hakennase

Die Titanic macht sich lustig über die SZ, welche eine Karikatur über Zuckerberg und die What’sApp Übernahme durch Facebook veröffentlicht hat. Weitere Medien, etwa die FR, geben ihren Senf dazu – interessant auch die Leserbriefe sowie die Rechtfertigung des Zeichners in der SZ.

Die Behauptung ist, dass die Zeichnung antisemitische Klischees tradiert, sichtbar an Hakennase, Löckchen, dass die Tentakeln aus den Koteletten wachsen und die wulstige Lippen – dazu der Kontext Geld und überhaupt die Krake als Symbol.

Da die Übernahme durch den Facebookkonzern der Grund der Zeichnung ist wird man Geld und ökonomische Macht kaum kritisieren können. Dass der Firmengründer ein Jude ist ist ein Zufall – andere Übernahmen, man denke etwa an Mannesmann, schlugen auch schon hohe Wellen, ohne dass Antisemitismus im Spiel gewesen wäre. Weder in der IT-Branche, noch in der SZ ist Antisemitismus ein offensichtliches Problem.

Mit der Google-Bildersuche hat man rasch 50 Bilder mit Zuckerberg auf dem Schirm. Da sehe ich oft ziemlich genau die Locken wie aus der Karikatur. Die Nase wirkt oft normal, manchmal etwas breit, dann wieder lang auf mich. Geknickt wie in der Karikatur nicht. Ist der Knick denn das, was die Hakennase ausmacht? Wieso eigentlich Haken?

Ich finde hier eine zweifelhafte Seite, die auf 1/4 oder 1/3 der Höhe eine Zeichnung mit den römischen Zahlen 9 und 10 aufweist, „Fig IX zeigt die arabisch-maurische und Fig X die hebräisch-jüdische Nasenform.“ Ich kenne wenige Juden persönlich, aber von einigen Prominenten weiß man, dass sie Juden sind, und eine gemeinsame Nasenform ist mir bei diesen nicht aufgefallen. Die hier gezeigte Form hat wenig mit der in Rede stehenden Karikatur zu tun, finde ich. Hier ist noch eine Seite, aber die Autorin spricht von einer langen Nase, nicht von einer bestimmten Form. Tendenziell hat die gezeigtte Nase aber auch 2 Höcker wie auf dieser dubiosen Physiognomieseite, während die Zuckerbergkarikatur nur einen aufweist.

Vor Jahrzehnten hörte ich erstmalig von jüdischen Nasen, aber ohne eine zu sehen und fragte mich immer, was das sein soll, eine Judennase oder typisch jüdische Nase. Vor wenigen Monaten habe ich dann erstmalig eine gesehen, bei der der Autor des Textes explizit darauf Bezug nahm, und die war wulstig und sah ganz anders aus als die in der Karikatur, wie eine schräg stehende 6 mit einem Knick, und unten eingedellt/schiefstehend.

Ich bin also alles andere als ein Experte für Klischeenasen. Aber da ich selbst Karikaturen verfertige stehe ich natürlich auch vor dem Problem Klischees zu benutzen. Wie stellt man eine Person dar, die keine Ahnung von Computern hat? Eine alte Frau! Wie stellt man den Zugriff von vielen Seiten zugleich dar? Mit einem Octopus oder einer Spinne. Die Bildsprache wird sofort erkannt – das ist der Ziel der Sache. Arbeitet man gegen die Klischees, und hat eine alte Frau als Computerexpertin fragt sich der Betrachter was das soll, und ob er irgendwas nicht verstanden hat. Bei meinen Zeichnungen zur Jungenbeschneidung habe ich von Fotos abgezeichnet, und da waren auch Juden drauf, und fragte mich auch, wo das Klischee anfängt und was in Ordnung sein müsste. Ich habe dann auf jede Übertreibung verzichtet, um mich nicht angreifbar zu machen.

Ich wette Kraken und Spinnen sind wesentlich älter als antisemitische Karikaturen Nun gut – das könnte schief gehen, denn auch die ältesten Karikaturen könnten antisemitisch sein. Hier ist eine Krake die Großbritannien als imperialistische Macht darstellt.

Bei Publikative, die mir unbekannt waren, auf die aber der Bildblog linkt, fand ich in den Kommentaren einen Link auf ein Bild aus Fluch der Karibik, welches ich aber sehr schlagend finde. Auch hier wachsen die Fangarme aus den Nasenflügeln – nicht aus den Koteletten – und die seltsame Kopfgestaltung enträtselt sich hier als Piratenhut.

Die Lippen bedürfen noch der Betrachtung. Da sagt mein Blick auf 50 Zuckerbergportraits, dass er mal schmale und mal dicke Lippen hat. Idiomatisch stehen dicke Lippen für Wollust, für Hedonismus, Gier und Verschwendungslust – das ist eine harmlose Erklärung die mit einer unproblematischen, eventuell intendierten Absicht gut in Übereinstimmung zu bringen ist. Dass die Nase recht lang geraten ist ist m.E. das einzige Indiz, das überhaupt vorgebracht werden kann.

Dass Zuckerberg jüdischer Abstammung sein könnte habe ich bisher nicht gewusst, und durch die Zeichnung wäre ich auch nicht drauf gekommen. Wenn der Zeichner Burkhard Mohr leugnet Antisemit zu sein, dann kann ich das glauben.

Disclosure: Ich habe selbst eine ziemliche Nase.

Update: Verwandtes Thema: Der Finanzjude. 

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