Die Zeit berichtet über die Vorbereitung eine Bischofssynode, bei der es um die Frage der Modernisierung der Kirchenlehre gehen soll, speziell zu Fragen der Sexualmoral und im Wesentlichen zur Frage, ob Katholiken nach einer Scheidung erneut kirchlich heiraten dürfen.

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Bisher dürfen sie nicht, und verlieren, wenn sie Angestellte der Kirche sind, etwa als Kindergärtnerin oder Lehrer, als Ärztin oder Pförtner im Krankenhaus auch gerne mal den Job. 

Zum Vorlauf der Geschichte gehört eine Umfrage, die die Kirche kürzlich durchführte und die ergab, dass in den industriellen Ländern die meisten Katholiken eine ganz andere Einstellung haben als ihre Kirche. Das hält aber die wenigen, verbliebenen Schäfchen nicht davon ab in der Organisation zu bleiben. Freilich hätten sie bei einer Revolte eine Menge zu verlieren: Die Kirchengebäude, das Kirchenvermögen, die Sonderrechte die einst für sie geschaffen wurden, und die heute zu erlangen für neue Religionen nicht so aussichtsreich aussieht.

Die naheliegende Idee, es könne nur begrüßt werden, wenn sich die verstaubte und verstockte Kirche modernisiert, teile ich nicht. Wenn die Leute heute in der Kirche sind, ohne deren Lehren ernstzunehmen, dann droht eine Modernisierung den Kampf um den Kopf neu aufzunehmen. Wenn die Folge ist, dass die Gläubigen die Lehren der Kirche wieder ernster nehmen, dann erscheint es mir wünschenswerter die Gläubigen behandeln ihre Religion wie einen senilen, alten Urgroßvater, den man besucht und gern hat, aber auf dessen alte Weisheiten aus der Bismarkzeit man nichts mehr gibt.

Je steifer und rückständiger sich die Kirche gibt, desto leichter fällt es auch auszutreten und die ganze Institution in Frage zu stellen.

Es kann allerdings auch sein, dass die Modernisierung das Konzept ewiger, überlieferter Wahrheiten in Frage stellt. Lt. Zeit sind erzkonservative Kreise jetzt schon unzufrieden. Die Art wie sich die Meinung der Gläubigen aber in der Kirche durchsetzt – qua Gnade von oben und in der Regie des Vatikans – bleibt aber vormodern, ganz ungeachtet des Ergebnisses.

Das ist wie die Bibel aus der Druckerpresse. Zwar wurde die Bibel mittels jener gedruckt, aber verbreitet hat sich die Druckerpresse stärker als die Bibel. The medium is the message. Übertragen auf die Synode heißt das, dass die Leute mehr mitreden wollen und mitreden werden. Reden, Argumente und Vernunft sind aber die Sargnägel des Glaubens. Auf der einen Seite lauert ein Pluralismus der Beliebigkeit wo jeder glaubt was er meint – auf der anderen die Strenge der Vernunft die nichts mehr glauben will, was ohne Evidenz daherkommt.

Die evangelische Kirche ist seit 500 Jahren moderner als die katholische und auch ihr laufen die Schäfchen davon.

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