matussek

Im naturrechtlichen Verständnis, das die Kirche von einer idealen Liebesbindung hat, ist die Polarität der Geschlechter vorausgesetzt, weil nur sie für den Schöpfungsauftrag sorgen kann, der in Mose 1,28 so klingt: „Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: „Gehet hin und mehret euch …“

viaDIE WELT: Homosexualität – Ich bin wohl homophob. Und das ist auch gut so.

Krawallkatholik Matussek glaubt offenbar an die Schöpfung, ist also ein Kreationist, wahrscheinlich europäischer Prägung, die so aussieht, dass der Schöpfergott zwar nicht vor 6000 Jahren die Erde in 6 Tagen schuf (YEC), aber geschaffen hat er sie doch, und weil man sich nicht mit der Wissenschaft anlegen will verlegt man den Auftritt von God Almighty auf den Bruchteil einer Sekunde vor den Urknall – da hat sich Gott die Naturkonstanten, Naturgesetze und Galaxien und alles ausgedacht, und puff – hat er den Urknall bewirkt wie ein Trickshotspieler im Billard – nur mit ein paar mehr Teilchen. Klackerdiklack lief alles auf den Menschen zu, und die Erbsünde kam halt irgendwie in die Welt.

Nur hat weder jemand je einen derartigen Schöpfungsvorgang samt Gott beobachtet, noch gibt es die geringsten Indizien für derartiges Geschehen. Bei Licht betrachtet ist die Idee genauso bekloppt wie die eines Weißbarts, der Dinosaurierknochen vergräbt um uns zu täuschen und all die anderen Belege für eine Schöpfung.

Würde er seinen Sermon dem Weißkohl im Garten erzählen würde ja niemand was sagen, aber Matussek begründet mit seinem Gott, dessen Autorität auf der Schöpfung fußen soll, Lebensvorschriften oder -ideale für’s hier und heute.

Dann fummelt er noch ein Naturrecht in die Diskussion hinein, als ob das nicht das abgestandene Brackwasser von vorgestern wäre. Sein religiöses Gefühl, wie die Natur so sein mag und sein sollte erspart ihm dann auch gleich jeden Gedanken, denn hätte er einen zu fassen versucht, dann würde ja als erstes naheliegen zu fragen, wo denn die Homosexuellen herkommen, wenn nicht aus der Natur. Es ist ja nun nicht so, dass man in vorigen Jahrhunderten die Homosexualität irgendwie gefördert hätte.

Offenbar können aber Geistesgrößen wie Matussek nicht von 6:30 bis ½ 7 denken und meinen, mit so einer fadenscheinigen, dünngasigen Herleitung die Bibel interpretieren zu dürfen und zu müssen, was so aussieht, dass dass, was er und die seinen schon immer dachten, mit vorantiken Mythen in einen schiefen Übereinklang gebracht wird.

Dass es Menschen mit anderen Religionen gibt, die genauso idiotisch sind und daher die gleichen Rechte auf Richtungsanweisungen für moderne Gesellschaften haben müssten wie auch Leute, die gar nicht an solchen Kokolores glauben, und die sich schon beleidigt fühlen, wenn peinliche Fetische öffentlich vorgezeigt werden ohne zu erröten, das kommt ihm nicht in den Sinn.

Homophobie hat mittlerweile dem Antisemitismus als schlimmste ideologische Sünde den Rang streitig gemacht.

Homophobie ist ja in erster Linie eine Angst, also eine psychische Störung oder Krankheit. Daran wäre noch nichts schlimmes, wenn man verantwortlich damit umgeht. Daraus eine Ideologie zu machen ist natürlich keine Sünde, weil Sünden existieren ja nur als Phantasiewährung bei seinem Phantasieboss. Es ist gefährliche Brandstifterei, es ist wider die Menschenrechte. Den Hinweis auf Antisemitismus übergehen wir höflicherweise.

Von allen autokratischen Fehlleistungen Putins gilt seine Kampagne gegen Homosexuelle als die allerniederträchtigste, egal, wen er sonst so ins Gefängnis steckt.

Das ist ja eine perfide Agitation. Er schiebt diese Aussage niemandem persönlich in die Schuhe – daraus folgere ich, dass er sie niemandem in die Schuhe schieben kann. Es ist ein Strohmannargument, ausgedacht, um Empörung zu schüren gegen seinen Gegner. Eine wirklich niedrige Gehässigkeit.

Anlass der Maischberger-Sendung war die Petition von über 200.000 Eltern gegen das rotgrüne Programm einer Sexualerziehung, in der, als fächerübergreifender Grundton, die Vielgestaltigkeit und Gleichheit aller sexuellen Vorlieben gepredigt werden soll:

Er hat die Sendung nicht gesehen, oder zumindest nicht zugehört, sonst hätte er wahrnehmen können, dass es niemand irgendwas predigen will. Seiner Phantasie nach kann es irgendwie wohl nichts anderes geben als Predigten in der Schule, er hält solche wohl für gleichwertig oder überlegen gegenüber Aufklärung und Diskussion. Und dass man weder zur Homosexualität erzogen werden soll, noch kann, ist ihm, obwohl es zigfach wiederholt wurde, nicht ins gesalbte Hirn gedrungen. Nur was an Halleluja vorher schon darin war, das war auch nachher noch drin.

Was für ein Eiertanz um die einfache Tatsache, dass die schwule Liebe selbstverständlich eine defizitäre ist, weil sie ohne Kinder bleibt.

Wenig später outet er sich als Gegner der Adoption durch homosexuelle Paare – das heißt ja, den defizitären Charakter, den er homosexuellen Partnerschaften unterstellt, will er selbst erst herstellen. Als Zeugen ruft er nun nicht Gott sondern Spaemann an, zitiert diesen aber leider, obwohl in der Welt geäußert wo das Interview steht, ohne Link.

So wie er die Fernsehsendung nicht verstanden hat hat er vielleicht auch jenen in den falschen Hals bekommen? Aber schauen wir, was Spaemann angeblich zu sagen hat – die Zitatzeichen deuten ja hier eine punktuelle Sorgfalt an:

„Das Natürliche ist auch moralisches Maß für die Beurteilung von Defekten. Nehmen Sie die Homosexualität: Die Abwesenheit der sexuellen Anziehungskraft des anderen Geschlechts, auf dem die Fortexistenz der menschlichen Gattung beruht, ist ein solcher Defekt. Aristoteles nennt das einen Fehler der Natur. Ich sage, es ist einfach ein unvollständig ausgestattetes Wesen, wenn es über die Dinge nicht verfügt, die zu einem normalen Überleben gehören.“

Jetzt weiß ich nicht, ob es Ihnen auch aufgefallen ist, aber es gibt ja Homosexuelle. Hier ein paar, und dort ein paar, und – oh Wunder – die menschliche Gattung existiert trotzdem fort. Das Argument ist also kolossal gescheitert.

Aber schlimmer noch – er meint ja, dass ein normales Überleben dem Wesen so unmöglich wird. Fakt ist, dass noch jeder Homosexuelle gestorben ist, aber nicht anders als jedes heterosexuelles Wesen. Oder welches Überleben ist hier gemeint? Vielleicht dass man kein ewiges Leben erlangen wird, und in ewiger Höllenqual dahinschmoren wird, als Homo?

Deutsche Geistesgrößen.

Ich glaube nicht, dass die Ehe zwischen Männern oder Frauen gleichen Geschlechts derjenigen zwischen Mann und Frau gleichwertig ist. Punkt. Nicht, dass die Veranlagung Sünde wäre – ich glaube, der liebe Gott liebt alle seine Geschöpfe.

Punkt. Das Basta des kleinen Mannes. Punkt, Punkt, Punkt.

Dein Gott ist tot, Matussek, schlimmer noch, es hat ihn nie gegeben. Nicht die Religion macht den Menschen, sondern der Mensch die Religion, und nicht Gott macht Werte, die man qua Theologen aus einer uralten Schriftsammlung herausoperiert, sondern der Mensch macht die Werte.

Es ist unsere freie Entscheidung, was wir wertschätzen wollen und was nicht. Ob Kinder die Liebe wertvoll machen müssen, oder ob die Liebe zwischen 2 Menschen ein Wert an sich ist. Müssen es genetisch die eigenen Kinder sein? Müssen sie in einem klassischen Geschlechtsakt gezeugt werden? Dürfen die Kinder im Krankenhaus entbunden werden?

Der Matussek mit seiner verlogenen, christlichen Ideologie, nach der jedes Paar Dutzende Kinder haben müsste, weil Verhütung des Teufels ist. Er könnte es besser wissen, im Gegensatz zu armen Hirten, die vor 2000 Jahren gelebt haben, und die wir nicht verurteilen wollen.

Um das zu tun, was die Natur, oder was man dafür hält, verlangt braucht es gar keine Moral und kein Recht – im Gegenteil. An diesem Einwand ist das sogenannte Naturrecht längst kaputtgegangen. Die Natur des Menschen ist auch, Fragen zu stellen, und Reflexen nicht blind zu folgen. Xenophobie ist ein ebenso natürliches Phänomen wie Homophobie. Muss man weiter in diese Richtung gehen, bis Matussek merkt, auf welchem Dampfer er da ist?

Das Bild in der Welt ist untertitelt mit dem Satz:

„Welt“-Autor Matthias Matussek: Er glaubt an die Polarität der Schöpfung und daran, dass es für Kinder wichtig ist, diese Polarität zu erleben.

Da ist schon das Problem umrissen. Er glaubt an die Polarität der Schöpfung, weil es in der Bibel steht, und selbst die Augen aufmachen, das kommt nicht in Frage, könnte es doch den Glauben erschüttern. Selbst nachdenken ist auch blöde – nicht nur wurde der Mensch aus dem Paradies gejagt, weil er vom Baum der Erkenntnis aß und dann für eine Sünde bestraft wurde, die nach Definition der Bibel selbst überhaupt erst erkennbar war, nachdem er davon gegessen hat.

Und solche Denkfeindlichkeit feierte dann im NT fröhliche Urständ, wo der ungläubige Thomas verhöhnt wird, weil er nicht ohne zu sehen und zu fühlen glauben wollte.

Und dann glauben diese trüben Ritter von der Heiligen Nuss noch, sie hätten die überlegene Moral für sich gepachtet!

Gar nichts habt Ihr! Ihr habt eine defizitäre Barbarenmoral einkonserviert, nur dass die Barbaren diese entwickelten auf der Höhe ihrer Zeit – für ihre Region zumindest auf der Höhe. Sie wussten es nicht besser und konnten es nicht besser wissen.

Matussek kann Lesen und Schreiben, die Bibliotheken stehen ihm offen, Archive weltweit, in Sekunden den Fingern im Internet zu Diensten. Aber er schlägt in der Bibel nach.

Herr, lass Nacht werden, dass ich das Elend nicht mehr sehe!

Update:
Weitere Reaktionen: Nollendorfblog , Stefan Niggemeier

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