– Mondphasenstatistik – 

mondphasenstatistikKürzlich – vor 1, 2 Monaten, machte im Internet eine Statistik eine kleine Welle, bei der Daten, die gar nicht dafür erhoben worden waren, nochmal benutzt wurden, um festzustellen, ob Leute bei Vollmond oder Neumond besser einschlafen.
Man war auf esoterisches aus – nicht auf Schlafstörungen durch das Mondlicht bei unverdunkeltem Fenster. Allerdings hatte man nur so rund 30 Datensätze zur Verfügung, verkündete aber stolz, dass man bei Vollmond im Schnitt 5 Minuten früher einschläft.

Sensationell.

Jetzt ist die Frage, wie man ähnliche Statistiken selbst produziert, und mir kam folgende Idee: Im Kicker-Sonderheft für die Fußball-Bundesliga steht immer drin, welcher Fußballer wann Geburtstag hat, sortiert nach Verein und Spielerposition. Das ist praktisch. Außerdem finden wir die Angaben Körperlänge, Gewicht, vorherige Vereine, BL-Spiele bislang/Tore bislang und Rückennummer.

Ich bildete mir rasch eine ad-hoc-These: Vollmondkinder werden größer. Zwar ist es nicht Basketball und auch kurze Leute können beste Fußballer werden – entweder als Lahm, Littbarski und Häßler oder dank Wachstumshormonen wie Messi – aber im Zweifelsfall nimmt man an, dass es für einen Fußballer eher von Vorteil ist länger zu sein als kürzer – der Kopfball ist das eine Argument, bessere Sprintfähigkeiten ein anderes, und beim Fußball spielt zwar die Kondition eine große Rolle, aber nicht wie beim Marathonlauf, sondern als serielles Sprinten. Weiter soll das nicht vertieft werden.
Ganz unstrittig ist bei Astrologen, dass der Vollmond für das Gute steht, und damit der Neumond eher für das nicht so dolle.

Es gibt Holzbauern, bei denen es nicht auf den Stand des Mondes zur Aussaat oder Keimung, sondern entgegen astrologischer Übung auf den Fällzeitpunkt ankommt. Eine praktische Sache, weil man dann nicht in die Vergangenheit reisen muss, um vor 20, 40 oder 60 Jahren den Pflanzzeitpunkt zu bestimmen oder gar zu manipulieren. Es gibt Nutzer, die auf Musikinstrumente aus sog. Mondholz schwören, freilich ohne in einem Blindversuch solches signifikant und reproduzierbar erkennen zu können.

Florian Freistetter, ein fleißiger, freundlicher und sehr kenntnisreicher Blogger http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2014/01/22/vollmondaepfel-und-der-siegeszug-des-aberglaubens/ widmet sich gerade den Vollmondäpfeln die auch nicht auf dem Mond geerntet werden. Praktisch an solchen Äpfeln ist auch, dass niemand prüfen kann, ob die Äpfel wirklich bei Vollmond geerntet wurden, weil es keinen nachweisbaren Unterschied zu anderen Äpfeln gibt. Man könnte Äpfel ebensogut in Wildlederschuhen ernten oder in Gummistiefeln und das als Besonderheit vermarkten, nur wäre es schwieriger Idioten zu finden, die dafür mehr Geld ausgeben.
Besagter Florian half mir im Netz eine Formel zu finden, mit der ich die Mondphase für ein Datum x berechnen kann, und online-Mondkalender zu finden, wo man die Berechnung prüfen kann. Für die Geburtstage von Mitte der 70er bis Mitte der 90er habe ich meine Berechnungen kontrolliert – für weiter weg liegende Daten rate ich dringend zur Kontrolle, denn es gibt sicher Rundungsfehler. Insbesondere wenn der Geburtstag vor der Gregorianischen Kalenderreform liegt, bei der mal eben 10 Tage übersprungen wurden (weswegen die Bayern heute das Oktoberfest im September feiern). Aber auch für Daten vor dem 1.1.1970 gilt: Prüfen, prüfen, prüfen!

Und hier noch Links zu Onlinekalendern:

http://www.avgoe.de/Himmel/java/Mondkal.html (nur aktuelle Phase, aber schöne Grafik)
http://www.maa.mhn.de/StarDate/moon2013.txt (die Jahreszahl austauschen)
http://www.schulferien.org/mondkalender/ (Nur drei Jahre, z.Zt: 2013, 14, 15)

Mir kommt da eine fiese Geschäftsidee: Man nehme Open-Source-Programme wie Firefox, OpenOffice, LibreOffice, Gimp, Inkscape, Gedit und Linuxkernel und kompiliere diese in einer Vollmondnacht. Leute, die das noch nicht selbst ausprobiert haben sind von den Anleitungen sicher leicht abgeschreckt und würden einem vielleicht einen Obulus bezahlen, wenn man ihnen kompilierte Binaries zuschickt. Allerdings wäre es wohl notwendig die Software wirklich selbst zu übersetzen, wenn auch nicht bei Vollmond, falls mal ein Sourcepaket defekt ist, und jemand so aufdecken könnte, dass man betrogen hat.

Ich weiß gar nicht, in wie fern das sonst ein Betrug sein könnte, wenn es keinen nachweisbaren Unterschied gibt.

Jetzt haben wir das Thema erfolgreich aus dem Blick fast verloren.

Wie man der Grafik oben entnehmen kann sind die längsten Leute nicht Vollmondler, sondern solche die bei zunehmendem Mond geboren sind. Was für eine Entdeckung! An 27 Spielern von Hertha BSC vorgenommen, und natürlich ein viel zu kleines Sample, um darauf ernsthaft eine Aussage zu knüpfen, aber um die Doofen zu täuschen doch ein guter Ansatz: Zunehmender Mond – da hätte man ja auch gleich drauf kommen können, dass Wachstum und Zunehmend besser zusammenpasst als alles andere. Und nicht nur ist der größte Große bei den Zunehmendmondlern, sondern auch der Kleinste von denen ist größer als der Kleinste der anderen Gruppen!

Jetzt schulde ich aber noch 2 Dinge: Das eine ist das Skript, welches ein Datum nimmt, und berechnet, in welcher Mondphase das Datum liegt. Datumsliste und Skript habe ich bei github https://gist.github.com/Stefan-Wagner/8695834 hochgeladen wo es schöner layoutet wird als hier, aber hier kann ich es mit Codetags einstellen – lauffähig ist es in der Bash.


#!/bin/bash
#

mittlere Mondphasendauer lt. Wikipedia:

29,53 Tage (29 Tage, 12 Stunden und 43 Minuten)

mondphase () {

dt. Format dd mm yy

tag=$1
monat=$2
jahr=$3
datum=19$jahr/$monat/$tag

Datum in Sekunden seit 1.1.1970, am 26.8.2013 war Vollmond

2013/08/26: erste Arbeiten am Script

letzter Tag der 7 Tage Vollmond, in Zukunft liegend bzw. nach

voll=$(date -d 2013/12/16 +%s)
tag=$(date -d $datum +“%s“)

echo $((heute-tag))

delta=$((voll-tag))

$((12/32)) ist $(((12/4)2)), nicht $((12/(4*3)))

360024 sind die 6060s * 24h also ein Tag in Sekunden.

29.53 ist die Dauer einer Mondphase in Tagen (s.o.)

statt a/(3600 b29.53) zu rechnen kann ich die Nachkommastellen verschieben

zu a/(36.00b2953 )

Ganze Mondphasen seit Geburtstag:

mondphasen=$((delta/(36242953)))

592

Rest der nicht in ganzen Mondphasen aufgeht:

rest=$(((delta-mondphasen(36242953))/(243600)))

4 Phasen: Vollmond, abnehmend, Neumond, zunehmend

29,53 /4 ~= 30/4 = 15/2 = 7.5

Die erste Phase ist aber schon halb vorbei und dauert nur noch 3.75 Tage

3.75 + 7.5 = 11.25 , + 7.5 = 18.75, + 7.5 = 26.25 … 29.5

phase=$(((rest+4)/7))
phasen=(Vollmond zunehmend Neumond abnehmend Vollmond2)

echo $tag.$monat.19$jahr Rest $rest ${phasen[phase]}

echo ${phasen[phase]}
}

echo Tag Monat Jahr Länge Mondphase
for n in {4..30}
do
line=$(sed -n ${n}p geburtstage.lst)
d=${line:0:2}
m=${line:2:2}
y=${line:4:2}
l=${line:7:3}
p=$(mondphase $d $m $y)
echo -e $p „\t“$d.$m.19$y $l
done

^Und zweitens, auch aus Florians Blog, habe ich einen Link zu einer Mondphasenkalenderverschenkerin aus Österreich – allerdings nicht für vergangene Jahre oder gar ein ewiger Kalender, aber ein Mondphasenkalender für das laufende Jahr. Dafür möchte ich unbezahlt Werbung machen: http://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2014/01/12/mondkalender-zu-verschenken/

Eine andere Frage wäre natürlich, wenn es signifikante Daten gäbe, wie die Wirkung des Mondes überhaupt zustandekommen soll.

Zweifellos beeinflussen Sonnenstrahlen Wachstum und Reife von Äpfeln, allerdings nicht zum Stichtag der Ernte, sondern über die ganze Dauer des Wachstums. Bodenqualität und Regenmenge spielen wie Zeitpunkte spielen eine wichtige Rolle. Was das Wachstum von Holz betrifft sind wohl ähnliche Faktoren die auch fleißig beforscht werden von Belang. Manchmal hat man es mit Effekten zu tun, dass Leute, die bereit sind absonderliche Rituale zu vollführen, die nachts nackt um das Strauch tanzen sich auch sonst sehr um ihre Pflänzchen kümmern und die Blattläuse einzeln mit der Pinzette runterpicken. Es ist dann aber die gründliche Pflege die die Wirkung ausübt, nicht der Hokuspokus.

Das Problem der Mondgläubigen ist, dass sie nicht nur nicht angeben können, wie die Wirkung des Mondes zustande kommen soll sondern dass es keine messbare und reproduzierbare Wirkung gibt, kurz gesagt dass es keine Wirkung gibt.

Und wo nichts messbar ist, da kann man auch keinen Wirkungszusammenhang suchen. Dazu müsste man ja Messreihen machen und etwa Holz bei Vollmond aber Bewölkung ernten, oder bei Nebel, so dass man den Mond nicht sieht.

Allerdings gibt es einen Trick der Mondgläubigen, mit dem sie vor allem sich selbt reinlegen, und der geht so: Wenn der Mond für die Gezeiten zuständig ist, dann kann er doch auch auf uns Menschen einen Einfluss haben.

Nun, man kann diese Wirkung in der Tat messen, als Anstieg des Meeresspiegels etwa indirekt äußert sich die Mondanziehungskraft. Es ist nicht das Licht des Vollmondes, welches hier wirkt, sondern seine schiere Masse, in Verbindung mit Entfernung und Richtung zur Erde, und der Topologie der Küste die mancherorts Trichter bildet, so dass sich die Flut dort höher erhebt, und andernorts Barrieren, so dass es nur eine kleine Tide gibt.

Aber ärgerlicherweise läuft die Flutwelle 2x am Tag über die Erde, denn halb so schnell dreht sich die Erde (etwa) unter dem Mond durch, und wenn der Mond auf der Gegenseite steht hat er die gleiche Wirkung.

Nur kennt man keine Mondorakel die davon reden, dass es 2x am Tag günstig wäre das Holz zu schlagen oder den Apfel zu pflücken – sie arbeiten immer mit Voll- und Neumond, die nur 1x in 29½ Tagen aufscheinen und auch fern der Küste noch zu beobachten sind.

Beim Mondlicht jedoch hat man einerseits die ganzen künstlichen Lichtquellen, man hat im Sommer viel längere Einstrahlung des Tageslichtes, die ungleich stärker ist, und man hat Häuser mit Jalousien, Vorhängen und Gardinen die das Mondlicht blocken, ganz zu schweigen von der chaotischen Ausrichtung, die die Menschen nachts in Bezug auf den Mond nehmen, also ob sie mit dem Kopf oder den Füßen Richtung Mond liegen oder quer.

Eine Marktlücke wäre es noch ein drehbares Bett zu verkaufen, welches sich – einmal eingenordet und mit einem astrologischen Kalender programmiert – immer zum Mond hindrehen würde. Man würde es natürlich bewerben damit, dass die Wissenschaft nicht erklären kann wie es funktioniert, aber verschiedene Kunden hätten die erfreuliche Erfahrung A, B, C gemacht. Idealerweise tiefer Schlaf, kreative Eingebungen im Schlaf, schnellere Genesung bei lässlichen Krankheiten. Babies schlafen häufiger durch. :)

Man müsste etwas geschäftstüchtiger und skrupelloser sein.

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4 Gedanken zu „Mondphasenstatistik

  1. stone1two

    Falls ich in nächster Zeit mal wieder ein Windooze neu aufzusetzen hätte, bei welcher Mondphase wär das wohl günstig?
    Und welche Phase wär wohl für GIMP-Manipulationen günstig?
    Wohl dem, der sich über so ’nen Eso-Schmarrn keine überflüssigen Gedanken macht, aber es ist heutzutage schon schwierig, an allen Ecken lauern Teilerleuchtete, und mit dem Internet haben sie auch noch ein zusätzliches Medium. Der Eso-Ecke in der Buchhandlung kann man jedenfalls leichter ausweichen.

    Antwort

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