Freudianismus in Bildern

Bitte schauen Sie sich dieses Bild mit Salafisten erst mal auf eigene Faust an: http://www.n-tv.de/politik/Eine-Art-islamistische-Internationale-article11751691.html – aus Urheberrechtsgründen kann ich es nicht hier einbinden.

Mir fiel auf, dass die erwachsenen Männer die dort zu sehen sind, Posen annehmen wie kleine Babies, die auf dem Rücken liegen, allerdings ohne auf dem Rücken zu liegen. In der Zeit, als ich viel Freud las, bot es sich auch an „Der Mann Moses und die Religion“ bzw. „Totem und Tabu“ zu lesen, aber irgendwie ist es nicht dazu gekommen. So habe ich nur ein ungesundes Halbwissen über den Text: Die Horde junger Männer, die an die Macht will, sprich: an die Weiber, wird von den Altvorderen dominiert und unterdrückt. Sie schlagen die Anführer tot und werden dann selbst Anführer – erkennen sich dann selbst in diesen wieder und entwickeln Scham und ein Tabu über den Vatermord zu reden. Weitere Stichworte in dem Zusammenhang wären „Identifikation mit dem Aggressor“ und … (hier mehr, wenn mir, vielleicht nach Diskussion mit Euch, mehr einfällt).

Damals war ich noch frisch der Religion entkommen und wollte mich nicht länger mit dieser auseinandersetzen. Diese „Identifikation mit dem Aggressor“-These kam bei mir auch recht unsympathisch rüber – ich beschloss mich mit meinem Ich nicht dem Überich auszuliefern, sondern das Es als neues Überich zu inthronisieren – das Lustprinzip als oberstes Gebot, was sicher nicht zu einer belastbaren Theorie oder Praxis führt, sondern in Widersprüche, aber als Ideologieversatzstück ganz brauchbar ist, wenn man es nicht so streng nimmt, was zumindest konsequent ist.

Ich will nicht länger mit meinem Psychohaushalt langweilen – aus dem Augenwinkel bekam ich über Religionen noch soviel mit, dass der Gott lt. Freud menschengemacht ist, eine Projektion, und dass die Eltern/der Vater, liebend und strafend, in dieser zum Ausdruck kommt, und die Machtlosigkeit des kl. Kindes gegenüber einer absoluten Autorität wiederholt wird.

Nun, und in diesem Photo zeigt sich dies, wie ich finde, auf überraschend eindrückliche Weise, oder?

Natürlich weiß ich nicht was diese Herren wirklich fühlen, während sie so da stehen. Ob das mehr abgeschaute Gesten sind, die ohne Gefühle inszeniert werden, oder ob sich der Gläubige jeweils in die Stimmung versetzt, die dann in solchen Körperhaltungen ihren Ausdruck findet.

Jedenfalls fällt mir auf, dass ich besagte Freudtitel jetzt vielleicht mal lesen sollte.

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Ein Gedanke zu „Freudianismus in Bildern

  1. dorotheawagner

    Zum vorletzten Absatz: Ich weiß nicht mehr, wo und in welchem Zusammenhang ich gelesen oder gehört habe, daß man, wenn man wissen möchte, was jemand fühlt, einfach seinen Gesichtsausdruck und seine Körperhaltung imitieren soll. Es funktioniert, zumindest bedingt. Insofern kann es durchaus so sein, daß die Männer sich zunächst eine Körperhaltung oder eine Geste zunächst abschauen, aber dann kommt die Stimmung gleich mit.

    Zum Mann Moses ein andermal, ich muß nochmal ins Buch schauen …

    Antwort

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