Das Wundertor von Hoffenheim

In Hoffenheim beim Spiel gegen Leverkusen köpfte Kießling den Ball von außen durch ein Loch im Netz – unabsichtlich und aus einem Winkel, der nicht gegen ein Tor sprach, aber mit guter Sicht für Spieler, Torwart und Schiedsrichter – ins Tor. Die Gegner schauten sich an, die Hoffenheimer schauten sich an; einer ergriff die Initiative zu jubeln und der Rest machte gedämpft und leicht verlegen mit. Der Schiri entschied auf Tor und die Hoffenheimer ergaben sich brav dem Schicksal – das in einem Sport, wo sonst immer automatisch die Hand emporgerissen wird um Handspiel zu reklamieren, Foul und Abseits, einem Spiel in dem gemault, gemeckert und protestiert wird bis es Karten hagelt.

Worüber viele reden, die Torsenserautomatik, soll nicht mein Thema sein, aber kurz dazu: Ich zweifle noch, ob das Gerät erkannt hätte, dass hier kein Tor vorliegt. Vielleicht bauen die Ingenieure es jetzt noch mal um?

Auch nicht spannend für mich, ob das Spiel nun wiederholt wird oder nicht. Ich denke nicht, denn schon die mit dem Helmertor verbundene Spielwiederholung wurde von der Fifa gerügt.

Eine interessante Frage bei dem Fall war, wieso die Hoffenheimer nicht protestierten, und die Antwort ist, zweigeteilt. Was genau passiert ist haben viele einerseits gesehen, aber das Loch im Netz nicht, und da das, was gesehen wurde, nicht zum physikalischen Alltagswissen passte wurde eine schnelle Lösung des Problems, dass ein fester Körper nicht durch einen Wand geht, normalerweise, und wenn er groß genug ist auch nicht durch ein Netz, gesucht.

Christian Streich hatte auch den Ball nicht besser beobachtet oder das Tor, aber sich selbst. Er erklärte, dass er zwar gesehen hat, dass der Ball vorbeiging (wie es die meisten anderen auch gesehen haben), aber als der Ball dann doch im Tor lag dachte er, er habe sich getäuscht.

Das war die beste Erklärung die das Hirn so schnell liefern konnte und es lieferte auch bei allen Beteiligten das Gleiche – selbst der Schiri glaubte dann auch ein Tor gesehen zu haben. Der erste Jubel über das Tor verstärkte dann die Lösung des Konfliktes, obwohl man die ungewöhnliche Reaktion der anderen Spieler als Indiz hätte nehmen müssen, dass da wirklich was faul ist, und man nicht von der eigenen Wahrnehmung gefoppt wurde.

Aber solche Situationen passieren zu selten, als dass man Reaktionsroutinen dafür entwickeln könnte. Ich denke aber den beteiligten würde das gleiche die nächsten 10 Jahre nicht nochmal passieren. Sie würden zum Netz gehen und es untersuchen, und sich gegenseitig fragen, ob der andere den Ball nicht auch vorbeifliegen sah.

Seit kurzem kurisiert ja auch dieses Video Stühlerücken von magischer Zauberkraft, bei dem ein ähnlicher Effekt, aber als beabsichtigter Trick zugreift, wie bei den manipulierten Madonnenstatuen, die heulen können (wenn der Priester regelmäßig Flüssigkeit nachfüllt).

P.S.: Ich muss noch meinem Ärger Ausdruck verleihen, dass man solche Fehlentscheidungen und nur Fehlentscheidungen Tatsachenentscheidung nennt. Wo ist denn hier bitte die Tatsache? Es geht um spontane Entscheidungen aus dem Augenschein, und meist nicht um Tatsachen (der Ball war im Tor) sondern um Irrtümer. Aber der Begriff hat sich eingebürgert und ist selbst eine Irrtumsentscheidung.

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