Heute im Fernsehen – ich muss gestehen, bei mir läuft das Fernsehen wie andernorts das Radio, so im Hintergrund – mal schaue ich hin wenn mich ein Stichwort erreicht, aber meisst ist es im TV zu langweilig, vorhersehbar und zu langsam, um nur TV zu schauen. Ich browse oft zeitgleich durch allen möglichen Webtand und dann eignen sich natürlich auch nur ruhige Dokumentationen als Hintergrundgeschehen.

Jetzt weiß ich gar nicht mehr ob es Phönix oder 3sat war, aber es war früher Abend, und es ging um eine ferne und/oder historische Kultur, ich meine etwas zwischen Indien und Indonesien, und mit halbem Ohr nur erfasste ich, dass in dieser Gesellschaft noch fast alles in Ordnung gewesen sei – es gab noch keinen Konsum.

Das ist symptomatisch für unseren Spracherwerb. Die Leute verwenden den Begriff immer wieder im Sinne von „Verschwendungs- und Konsumgesellschaft“, fette Kinder die Fernsehen glotzen mit Popcorn, Chips, Cola und Pizza und prüfen nie nach, was das Wort wirklich bedeutet und geraten so in die Illusion, und damit in das Fadenkreuz dieses unnachsichtigen Blogs, eine spezielle Bedeutung die das Wort habe sei schon die ganze.

Dass die Volksgruppe rasch ausgestorben wäre ohne Konsum, nämlich nach ca. 30 Tagen verhungert oder Fett-, Kohlenhydrate und Kalorienkonsum, nach 3-5 Tagen aber schon ohne Wasserkonsum, und in 3 Minuten ohne Sauerstoffkonsum, das haben sie nicht geahnt.

Damit korrespondiert das naive Bedürfnis Begriffe hübsch sauber in einer von 2 Schubladen abzulegen, nämlich Gut und Böse. Und Konsum, das weiß ja jedes Kind, ist böse, böse – und daher kann Atmen, Essen und Trinken nicht Konsum sein. Und solche Geistesgrößen machen Beiträge für den öffentlich/rechtlichen Rundfunk. Und die Redaktion lässt es passieren. Und die Gebührenzahler gucken es.

Oh, ich Dummchen, ich!

Da fällt mir ein, dass ich selbst recht verblüfft war, dass im ehemaligen Osten die Supermärkte ganz unverfroren „Konsum“ hießen, als wäre überhaupt nichts dabei. Vielleicht ist es einfach mein Glück gewesen, damals eine kognitive Dissonanz erlebt zu haben, und seit dem das Wort etwas wacher zu beäugen als andere.

Bei Anglizismen habe ich aber auch oft den Eindruck, dass die Leute die Bedeutung eines Begriffs in ihrem Fachgebiet kennen, aber auch nie nachschlagen, und dann wunders was glauben wie viel besser der englische Begriff passt, als ein deutscher, dabei ist er die wörtliche Übersetzung des deutschen und wird ebenso in mehreren Fachgebieten für unterschiedlieches aber im gleichen Sinne benutzt. Thread wäre beispielsweiese so ein Wort, dass in Diskussionsforen und als laufendes Computerprogramms als Fachbegriff vorkommt, aber so profan Faden bedeutet.

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