Wer mich kennt weiß, dass ich der Bahn und ihrer Veranstaltung, dem Zugverkehr, wohlwollend gegenüberstehe. Ich finde Autos toll als Sport- und Lärminstrument, um sich mal auszutoben und wilder Mann zu spielen, aber so als Alltagsfortbewegungsmittel mag ich es nicht. Persönlich nutze ich das Fahrrad und wenn es weit wird den Zug.

Arglos stieg ich von Hannover kommend in Potsdam um. Wg. Hochwasser fährt die Bahn Hannover-Magdeburg (IC mit Steckdosen die teils nicht angeschlossen sind) Magdeburg-Potsdam (RE ohne Steckdosen!) Potsdam-Berlin (S1). 23:42 Uhr kamen wir Potsdam an, verspätet, und 23:40 fuhr die S-Bahn nach Berlin ab. Ankommen Gleis 1, weiterfahrt Gleis 6 oder so.

So, und nun die Reihenfolge, in die man die Gleise in Potsdam gebracht hat:

gleissort-potsdam-0310Die Lösungszahl lautet 6-3-1-2-4. Kurz dachte ich „Pi! 3,142“ aber es ist 3124 und dann ist da die 6.

Was ist das für eine Reihe? Sie ist wohl zu kurz, um eine sinnvolle Bildungsregel anzugeben, oder? Man könnte von der 1 innen nach außen zur 2 gehen, dann über die 1 springen zur 3, wieder über die 1 springen zur 4 aber dann käme auf der Gegenseite die 5 dran, nicht die 6. Es wäre auch einfach absteigend die ungeraden Zahlen und dann aufsteigend die geraden, aber das ist es wie gesagt auch nicht: 7-(5-3-1-2-4)-6-8.

Also wer hat sich das ausgedacht – welcher Logik folgt es? Welches ist die kleinste Änderung, mit der man es in eine halbwegs einfache Folge transformieren kann?  Denkbar, dass es mal Gleis 1 und 2 gab, auf denen sich historisches ereignete, und weil es so in den Geschichtsbüchern steht will man deren Nummern nicht ändern – aber es kamen dann hier und da Gleise dazu. So wie in Trier das Karl-Marx-Haus in der Brückenstraße steht, und den Teil, in dem Marx nicht geboren wurde, den hat man dann Karl-Marx-Straße genannt. So behalten die Geschichtsbücher ihre Gültigkeit und man findet das Geburtshaus in der Brückenstraße.

Vielleicht macht Phoenix ja mal eine Aufklärungssendung zur Sortierlogik der Gleise in Potsdam.

Nachtrag:

Die einfachstee Folge für die Elemente 0 bis 4 sähe so aus:


def f (x: Int) = (x-2)*(x-2) - (x-5)/2
(0 to 4).map (f)
scala.collection.immutable.IndexedSeq[Int] = Vector(6, 3, 1, 2, 4)

Bzw. (x-2)² – (x-5)/2 wenn Ihnen diese Schreibweise lieber ist, wobei die Halben in Integerarithmetik zu rechnen sind, also abzurunden ist 3 ist 3, 2.5 ist 2, 2 ist 2.

Es ist eine hingeknittelte Formel, aber eine Erklärung ist es nicht. Außerdem hätte ich noch zu bieten die Ziffern als Buchstaben zu lesen, vom Eingang aus:

AZIEG

42136

oder aus der Gegenrichtung entsprechend als Geiza. Das ist auch keine Offenbarung. Selbst a Zug wäre keine. Man kann auch die Gleise römisch schreiben als VI III I II IV und eine Spiegelsymetrie wahrnehmen, wenn man die Trenner wegdenkt. Wunderbar und reichlich sinnlos. Oder ein versteckter Hinweis auf den Spiegelsaal in Sanscouci?

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4 Gedanken zu „Unschuldige Beobachtung am Bahnhof Potsdam

  1. enno

    Na immerhin bist du gut nach Hause gekommen. Und diese „Finde die Regel“-Gedankenspiele plagen mich auch seit meiner ersten Begegnung mit Gödel, Escher, Bach

    Antwort
  2. Anonymus

    Ich hab da mal eine spontane Erklärung parat, vielleicht ist sie ja korrekt ^^

    1-4 sind allein Bahnsteige für Fernverkehr und bestehen schon länger. Der gesamte Bahnhof ist symmetrisch zur Mitten hin aufgebaut; deswegen links die zwei ungeraden Bahnsteige 1 und 3 sowie eben rechts 2 und 4.

    6 (und ggf. 5?) sind dann vermutlich nur Gleise für die S-Bahn, wie man auch an dem Zusatz erkennt. Wieso die dann außen am Bahnhof sind? Die kamen vielleicht erst später dazu.

    P.S. Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Potsdam_Hauptbahnhof scheint diese Hypothese zu stützen: 4 Bahnsteiggleise für Fernverkehr, 2 für S-Bahn; erst späterer Ausbau zu S-Bahn-Bahnhof

    Antwort
  3. user unknown Autor

    Sehr schön – ein Mitdiskutant!
    Hier http://www.openstreetmap.de/karte.html?zoom=18&lat=52.39166&lon=13.06689&layers=B000TT ein Link zu OpenStreetMap, wo man die 4 Fernbahngleisnummerierungen immerhin sieht. Vielleicht einigen wir uns auch auf „Norden“ statt „Links“ für die Gleise 1 u. 3 sowie Süden für 2 und 4.

    Wenn man die Symetrie ins Spiel bringen wollte, dann müsste es aber 3-1 im Norden und 2-4 im Süden sein – es ist aber 4-2. Ich würde es ja noch verstehen, wenn man historisch einen Bahnsteig hätte mit dem Gleis im Süden als Gleis 1 und im Norden 2, und nach 50 Jahren in denen die Züge nach Berlin von Gleis 1 und nach Magdeburg von 2 fahren wird auf jeder Seite – aus Platzgründen geht es nicht anders, ein Gleis dazugebaut und will die alten Gleise nicht umnennen und da geht der Verkehr weiterhin von 1 nach Berlin u. 2 nach Magdeburg, baut dann 3 und 4 um 1 und 2 herum und läßt dann gerade und ungerade zusammen (statt sich 0 1 2 3 zu trauen).

    Es läßt sich vielleicht nur historisch klären, dass erst Gleis 3 dazukam und später 4 zwischen 1 und 2 gefummelt wurde, Dass man aber keine Neubenennung vornimmt wenn die Reihenfolge zu abenteuerlich wird. Bei der Symetriethese müsste es ja auch 5-7 weitergehen und nicht 6-5, wobei ich mit der 5 auch nicht sicher bin – am Ende geht es mit 6-7, 6-8 oder 6-9 weiter, oder als besondere Eskalation: 6-6b.

    Jedenfalls weiß ich, worauf ich beim nächsten Durchfahren Potsdams achten werde und womit ich die Mitreisenden unterhalte. ;)

    Antwort
  4. Pingback: internet und kritik | neuköllner botschaft

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