– Möhren – 

Gestern im Supermarkt. Name spielt eine geringe Rolle – ein Kaisers – denn es war bereits 20:00 Uhr vorbei, und die Fleischereifachverkäufer bereits beschäftigt die Auslage wegzuräumen, obwohl der Rest des Ladens, eben außer der Frischetheke, bis 24:00 Uhr offen ist.

Von der Schwesterfiliale weiß ich, dass diese freitags und samstags bis 21:00 Uhr den Eventmarketingbereich auf halten, aber wie es nun vor Feiertagen aussieht, nicht.

Ich bedankte mich vielmals für ein Merquezwürstchen und zwei marinierte Grillkoteletts, und hechtete ungeduldig zur Kasse, obwohl ich keinen Termin hatte, sondern aus der Gewohnheitseile des nervösen Großstädters Allenscher Prägung.


Wie viele Kunden versuchte ich mich an einer Schätzung, an welcher Kasse ich wohl am zügigsten dran käme, und wägte noch kurz ab, ob ich mich lieber bei der schöneren Kassiererin in die längere Reihe einsortieren soll, aber blieb dann da, wo mich der Weg durch die Regale eh ausgespuckt hatte, ganz links, nur eine Kunden vor mir.

Und die hatte es in sich. Bzw. bei sich. Nämlich Möhrchen.

Gegen Möhrchen an sich ist nichts zu sagen. Möhrchen sind fein und in Ordnung. Möhrchen sind kein Grillfleisch und kein Schokoeis, das ist richtig. Aber wer Möhren kaufen will, der soll doch. Man kann ja auch Hasen und Kaninchen damit füttern. Jedenfalls hatte sie so an die 7 Möhren im Einkaufswagen und hievte diese im Pulk aufs Band, wo sie leicht her und hin kullernd die Kassiererin erreichten, die nun vor der Aufgabe stand die losen Möhren irgendwie zu wiegen.

Lose Möhren – genau!

Bestimmt sitzt im Hirn der Kundin so ein Ökodämon, der befiehlt auf den Gebrauch eine Plastiktüte zu verzichten, koste es was es wolle. Der Stadtteil hier ist schon sehr Ökolastig, obwohl oder vielleicht weil im Zentrum der größten Millionenstadt Deutschlands gelegen. Man kann kleine Obst- und Gemüsetüten wie sie im SB-Bereich Kaisers vorkommen prima benutzen, um einen kleinen Kosmetikmülleimer im Bad auszustatten. Oder für Biomüll den man in kleinen Portionen auf dem Weg zur Arbeit in die Biotonne wirft, und dann die Tüte in den Restmüll oder zum Müll des grünen Punkts in der gelben Tonne, was andernorts als gelber Sack läuft.

Nein, sie muss die Möhren einzeln und lose kaufen, und bald wird es Plastekörbchen auf Pfand am Grünzeugstand geben mit bekanntem Tara, damit solche Leute den Betrieb nicht aufhalten.

Die Kassiererin balancierte nun die 7 Möhren auf die kleine Meßfläche im Scannerbereich, wo sich die Möhren versuchten rechts und links dem Meßvorgang zu entkommen, und eine wollte ihr auf den Schoß rollen, aber routiniert meisterte die Kassiererin die Situation. Nur ich war dem Nervenzusammenbruch nahe. Ich kann ja nicht mit Sicherheit sagen, dass die Kundin schon eine sinnvolle, das Ökologiegewissen kaum belastende Verwendung für die Tüte finden werde. Das ist ja nur eine Spekulation, bisher, aber gerne hätte ich sie beschimpft.

Womöglich ging es ihr sowieso mehr darum, die Kassiererin vor eine Herausforderung zu stellen und zu sehen, ob diese sie meistert. Sehr rücksichtslos fand ich das, zählte mein Geld ab, und gab es passend, als die vor mir noch mit Einpacken beschäftigte Kundin mich aus dem Augenwinkel wahrnehmend vorbeiließ, obwohl sie selbst auch in 2 Sekunden fertig gewesen wäre, und ich so lange hätte warten können.

Sie wollte aber wohl meine Gedanken zu ihrem rücksichtslosen Charakter Lügen strafen und zur Bekräftigung lächelte sie mich noch nett aber unverbindlich an.

Okay. Ist sie also nur eine partiell rücksichtslose Person. Vielleicht kauft sie auch zum ersten Mal in ihrem Leben Möhren, und hat jetzt erst bemerkt, dass das kein Blumenkohl ist, der mit einer Handbewegung gewogen wird oder ohnehin per Stück bezahlt wird.

Dass die Kassiererin eine gefährliche Hautkrankheit haben könnte ist wohl weniger wahrscheinlich, aber bei der Gelegenheit – ich stelle ja gerne Fragen – will ich bemerken, dass meine Mutter die Möhrchen nicht schälte, sondern schrabbte. Wenn ich heute mal Möhren verarbeite, dann schäle ich sie, und schrabb nicht.

Hat jemand eine Erklärung warum man Möhren schrabbt? Ich sollte meine Mutter mal fragen, aber in der Küche gibt es viele Traditionen, wo man etwas so und so macht, aber viele wissen nicht wieso und haben oft erwiesenermaßen falsche Antworten, etwa dass Fleisch scharf angebraten wird, damit sich die Poren schließen.

In Ermangelung eines passenden Bildes, etwa Möhrchen oder wenigstens Häschen, hier noch einmal und auf vielfachen Wunsch – das Eichhörnchen.

Eichhörnchen

Eichhörnchen

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