Kürzlich habe ich Xubuntu 12.0 neu installiert. Das Heimatverzeichnis auf unixoiden Systemen heißt seit Urzeiten /home/BENUTZERNAME, also etwa /home/stefan bei mir. Dann gibt es ein Unterverzeichnis Desktop, und wenn man da Dateien, Startdateien oder symbolische Links ablegte, dann erschienen sie auf dem Desktop. Ein einfach zu durchschauender Mechanismus. Geradeheraus wie ein Hotdog.

Für Einsteiger ohne Englischkenntnisse, also etwa Internatsschüler die Latein, Griechisch und Französisch gelernt haben, oder die Avantgarde, die Südkoreanisch, Japanisch & Chinesisch kann, aber kein Englisch, für sprachschwache Schüler und ältere Semester die alles Englisch vergessen haben und Altossis, die nur Deutsch, Russisch und Polnisch können – für all die ist Desktop natürlich schwer. Es ist ja nicht nur Desktop – es wimmelt ja überall und gerade im IT-Bereich von Anglizismen. Also heißt es jetzt Arbeitsfläche. Mit Umlaut-a, als kleine Bestrafung, weil die Leute soviel Arbeit machen. Wenn sie das zippen oder tar-bz2en, und dann dann auf einem VFAT-System auspacken – haha! – wer weiß was das wird!

Und weil man dem Benutzer ein passendes Korsett überziehen sich präpariert hat hat es gleich eine andere Handvoll Unterverzeichnisse im home: Musik, Videos, Bilder, Dokumente, Downloads,  – das war’s, glaub ich.

Da haben wir also 3 Verzeichnisse nach Dateityp. einen nach Herkunft und eine generische Kategorie, die den diskreten Charme der Bürokratie verbreitet und orthogonal zu den anderen Kritierien ist. Kleine Rätselfrage für’s Wochenende: Ein Bild, welches einen Unfall dokumentiert, und von Ihrer Cloud runtergeladen wurde – wo legt man das ab?

Und angenommen man hat ein Projekt mit Bildern, Videos, Musik und Texten, Tabellenkalkulationen, Datenbanken, Rohdaten von irgendwelchen Sensoren, Archiven und Programmen – dann ist es das allerzweitdümmste was man machen kann, diese nach Dateityp zu ordnen. (Dümmer wäre noch nach Name, Datum oder Md5-Hashcode). Das kann nämlich der Rechner dynamisch jederzeit machen.

Und je nach dem wie man es betrachtet – ein Dokument kann jede Datei sein. Gut – downloads will man vielleicht erst noch auf Schädlinge untersuchen (weil man das von Windows so gewohnt war) oder man schaufelt sich runter in Rausch und Wahn, und sortiert es später ein. Das hat schon einen gewissen Sinn.

iAber was ich generell nicht mag, sind große Anfangsbuchstaben. Früher, als ich noch aktiver Raucher war brauchte ich eine Hand zum Halten der Zigarette, da ist für die Shifttaste kein Organ frei. Außerdem sind Großbuchstaben alle gleich hoch, während Kleinbuchstaben sich in der Höhe unterscheiden – achten Sie mal drauf. Dadurch kann man da Unterschiede leichter identifizieren und AGBs die komplett groß geschrieben sind so schlecht lesen (umgekehrt: Damit man sie schlecht lesen kann werden sie groß geschrieben).

Kurz und gut – ich habe die Verzeichnisse alle umbenannt, alle mit Kleinbuchstaben am Anfang versehen, obwohl ich zwischen Dudenstraße und Langenscheidbrücke wohne und mitbekommen habe, dass das Substantive sind, Hauptwörter, ha! Ich war sogar so dreist „Downloads“ in „dl“ abzukürzen. Ist ja mein Rechner. Dachte ich.

Aber das Mistding hat sich für die Verzeichnisse etwas besonderes ausgedacht. Ich habe auch den „Bilder“-Ordner in „fotos“ umbenannt, und schaut Euch diesen Screenshot an:

Verzeichnisansicht

Verzeichnisansicht

Links im Dings – im Was-ist-das-eigentlich? – in der Bookmarkansicht – da steht wie von mir eingetragen „fotos“ und oben, in der Buttonansicht – das krankeste was Hirne seit Laufwerksbuchstaben sich erdacht haben, da steht wie getauft von Canonicals Übersetzern „Bilder“. Inkonsistent. Ich hasse es.

Naja. ich bin vielleicht nicht der letzte Mohikaner, sondern der achtletzte, und der fünftletzte hat bereits irgendwo was dazu geschrieben – wie man es bis in die blutigen Eingeweide des Systems hinunter ändert, und die eigene Handschrift, und sei es eine Sauklaue, dem OS aufzwingt.

Schwer durchschaubare Techniken, auch wenn sie letztlich wie bei Linux immer offen sind, sind von Übel. Wie heißt jetzt das Verzeichnis in der Shell, und wie soll ich mir das merken, und wozu gibt es eine Namensalternative? In der Shell heißt es nach wie vor „Bilder“, also was habe ich da umbenannt? Wäre es ein symbolischer Link, eine uralte Technik aus der Unixwelt, dann könnte ich einen Link dl -> Downloads haben oder auch Downloads -> dl, es würde ziemlich gut funktionieren und durchschaubar sein. So habe ich eine Spezialität für diese Xfce-Version und vielleicht die nächsten 3 und vielleicht ist es auf Gnome auch so, aber wer weiß?

Ich habe keine Lust mir alle 3 Jahre solche fragwürdigen Innovationen anzueignen, deren Ende ohnehin absehbar ist. Es behindert die Migration. Reisen mit leichtem Gepäck wäre ein schönes Paradigma für Benutzerschnittstellen. Ich kann’s umbenennen aber nur halb – das behindert mehr als es hilft. Welche geheimen Funktionen hängen an diesen Verzeichnissen „Bilder, Musik, Videos“? Kann ich ein Duftdevice erfinden, und ein Verzeichnis „Gerüche“ mit gleicher Funktionalität hinzufügen?

Wenn ich Zeit habe kümmere ich mich um die Verzeichnisse und trage meine Erkenntnisse nach. Andere Anpassungen sind z.Zt. dringlicher.

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3 Gedanken zu „Inkonsistentes Userinterface

  1. Ikem

    Die Verzeichnisse kannst du beliebig umbenennen.

    Damit das System das mitbekommt, musst du diese Datei bearbeiten:

    /home/stefan/.config/user-dirs.dirs

    Und dich abmelden/anmelden, und es sollte umgebogen sein.

    Antwort
    1. user unknown Autor

      Hi Ikem,

      Ich bitte um Pardon, dass ich erst so spät reagiere. Teils hatte ich keine Zeit es auszuprobieren, dann vergaß ich es, dann war ein ab-anmelden unerwünscht wegen zig geöffneter Dokumente, und schließlich funktionierte es nicht auf Anhieb wie gewollt, aber doch zu sehr, um die Hinweise in den Wind zu schlagen.

      Heute hatte ich wieder Zeit zu testen, und jetzt bin ich mit dem Ergebnis zufrieden. Die anfänglichen Probleme lagen wohl an mir.

      Vielen Dank, jedenfalls.

      Antwort

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